Schreibwerkstatt: Handwerker Hannes und der Bundeskönig

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Es folgen aus aktuellem Anlass und auf vielfachen Wunsch Auszüge aus Teil II der Geschichten um Hannes, den fidelen Handwerker aus Berlin:
[…]
Blitzschnell schätzte ich die Situation ein und schlug vor, eine Kaffeepause zu machen. Dankend ließ Handwerker Hannes sich auf dem angebotenen Stuhl nieder. Während ich mit Wasser, Kaffeepulver und Tassen hantierte, begann er zu plaudern: „Der Herr Wulff is ja nu in alla Munde, wa? Ick mein den Bundeskönich.“ Er kicherte über seine Bemerkung. „Ham Se schon jehört, dass der jetze sone Riesenpängsjon kricht? Sein janzet Leben lang. Und dit, wo der noch 40 Jahre lebt, wenn wa Pech ham.“ Er schnalzte mit seiner Zunge. „Der muss nie nie wieda abeeten jehn, dit müssen Se sich mal vor Ogn haltn. Klasse, wa? Nüscht tun, sich die Teile schaukeln und schön abkasssiern. Den hättense mal uff seim Postn lassen solln, da hätta wenichstens wat tun müssen für sein Jeld. Aber irjentwie konnt ick mir den ooch nich mehr ankieken. Der mit seine komischen Freunde. Und die janzen Schwindeleien. Und seine Frau erst… Wat hat mir die jewisse Zeitung mit den großen Buchstabn immer für Schlachzeilen entjejenjeschrien, ob ick wollte oda nich, ick habs ja doch jelesen. Bettina hattn Tattoo, Bettina hattn Glämmerfaktor, ick weeß janich, wat dit sein soll. Früher hatte der Bundespräsident sone Mutti mit Lockenwelle als Frau, die stand imma drei Schritte hinter ihrm Jatten, hatte hässliche Klamotten an und konnte jut kochen, dit sah man schon. Aba nu? Wir sind doch nich in England bei de Queen mit ihrm janzen Jemache. Vasteh ick sowieso nich, wie die dit da machen uff de Insel. Dit zahlt doch allet der Steuerzahler, die Schlösser und die Hochzeiten. Obwohl – war dit letztet Jahr mit de Hochzeit von Willi und Kate? War schon niedlich, die kleene Prinzessin, wien Märchen, ein Kind ausm Volke heiratet den Prinzen. Obwohl der ja nu ooch nich mehr dit Jelbe vom Ei is, wa? Hamse die Glatze von dem jesehn? In dem Alta? Wer weeß, wat noch nich mehr bei dem funktioniert. Wir wern sehn. Dass die Royals da keen Schiss ham, das dit Volk mal sacht: Nee, macht ma euern Mist allene, von mir jibts keen Penny mehr. So wie bei uns. Den Bundeswulff ham wa einfach inne Wüste jeschickt. Na jut, mit Schatzkiste, sozusagen. Aba ansonsten is der Mann erledicht, na ja, nich mein Problem. Wer hoch hinaus, der tief fällt. Alta Spruch von Oma, jilt imma. So.“
Handwerker Hannes erhob sich, bog das Kreuz durch und schaute mir tief und ernst in die Augen…

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  1. Ach, wie wunderbar der Hannes berlinern kann! Den Dialekt in geschriebener Form zu lesen, ist irgendwie komisch anzusehen, aber man hat es sofort lautmalerisch im Ohr.

    • 😉 Der Berliner Dialekt ist manchmal gar nicht so einfach zu schreiben! Ich hab schon überlegt, den Text auf eine CD zu sprechen, das ist bestimmt ein toller Effekt… Kommt Zeit, kommt Rat.

      • Danke, lieber Fan;-) Da hab ich gleich wieder was zu tun! Vielleicht sollte ich ein Auswahlverfahren für die Lieblingsgeschichten starten und die Lesenfreunde fragen, was sie gern hören würden…

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