Handwerker Hannes III – Schnippschnapp, Haare ab!

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Es folgen Auszüge aus meiner dritten Geschichte um Handwerker Hannes. Und es geht immer weiter und weiter, so dass ich wohl im Sommer ein Bändchen über Hannes meiner Sonderedition hinzu fügen werden muss…

Heute erzählt Hannes von seinem Friseurbesuch, wie immer im erfrischenden Berliner Dialekt. Wer Auszüge aus den ersten beiden Teilen lesen möchte, klicke hier und hier. Viel Spaß!

Handwerker Hannes III –

Schnippschnapp, Haare ab!

„Ick jeh ja imma vorne anne Schönhauser zum Friseur, kennen Se den? Hübsche Mädels und können können Se ooch wat. Kleener Scherz! Für’n Zehner machen die echt’n neuen Menschen aus dir, na jut, die Frauen müssn meist noch ’n Fuffi rufflejen, aber die lassn sich ja ooch glei rundumerneuern. Jedenfalls kam jestern irjendwann ne Langhaarije in’n Salon und sacht: Schnippschnapp, Haare ab und grinst dabei.“ Hannes machte eine Kunstpause und schlürfte den ersten heißen Schluck aus seiner Kaffeetasse, die ich ihm vor die Nase gestellt hatte. „Die Friseurin – wussten Se eijentlich, dass man nich Friseuse saren soll? Dit diskriminiert die Damen, weil man da an Masseuse, also ne verkappte Prostituierte, denkt, sacht man. Is ja ejal, ne Kopfmassage is bei meine Friseurin trotzdem inklusive. Jut, die Langhaarije grinst imma noch und die Friseurin sacht: ‚Aba Zeit hat se mitjebracht?’ Find ick imma lustich, is Ihn’ dit ooch schon uffjeffalln, dass Friseurinnen ein’ grundsätzlich inne dritten Person ansprechen? Vielleicht könnense sich nich mehr die janzen Namen von den vielen Kunden merken oder wat? Weita: Die Langhaarije mault irjendwat rum, von wejen, dasse sich uff ne Warteliste setzen lassn will und späta noch mal wiedakommt, aber da blitzt se schon bei meina Friseurin ab: ‚Bei uns is ohne Termine!’ kräht se und sacht, mit Blick uff meenen hübschen Wintapelzkopp: ‚Ne Stunde wird se wartn müssn.’ Na, die hat sich dann jefücht, sich nen Platz am Fensta jesucht und n schlauet Buch aus ihra Tasche jekramt. Dacht ick mia gleich, das dit sone Intellektuelle is, n bisschen dicklich, glatte, lange Haare, Brille. Nüscht zum Unterhalten. Schade. Aber – klingklangklong – die Ladenglocke bimmelt und bringt drei Grazien in die jute Stube. Mutta und Tochta, kaum zu untascheidn in ihrn Klamotten, so Glitzerjeans und Hackenschuhe. Die Fraktion, die imma noch inne 80er Jahre des vorjen Jahrhunderts lebt. Die Jungsche so Mitte 40 und Muttern entsprechend. Beede uffjetakelt, ham se sone kleene Scheue mit Toppschnitt im Schlepptau, könnte die Arbeitskollejin sein oder so. Jedenfalls haun die sich alle drei in die Sessel und blättan wie wild inne Katalore rum, welchen Haarschnitt se nu ham wolln. Bei den Glitzertanten isset glei klar, een Millimeter kürzer und den Ansatz eenmal knallschwarz und eenmal blond nachfärm, wie zu erwartn. Aba dit Schärfste war, wie die der Kleenen einjeredet ham, dasse sich nen Meckischnitt verpassn lassn soll. Kenn Se dit übahaupt noch? Sie sind ja noch nich so alt.“

Ich bedankte mich brav für seine Einschätzung und ließ ihn weiter erzählen…

Fortsetzung folgt.

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