Schreibwerkstatt: Sommer

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Sommer

Das Dorf lag am Ende der Welt. Dreiundfünfzig weiße Häuser lehnten entlang der frisch geteerten Straße und nur zu Allerheiligen, wie man hier sagte, also sehr selten, fuhr ein Auto vorbei. In der Frühe tuckerten die Traktoren zu den Feldern, zum Mittag kehrten sie wieder heim, um dann bis spät in den Abend ihr Tagwerk zu vollenden. Am Vormittag klopften zwei, drei Vertreter an die Pforten, verhandelten mit den Hausfrauen und brausten nach Erledigung ihrer Geschäfte in ihren blankpolierten Wagen zurück in die Stadt. Ein dumpfes Muhen aus dem Stall, ein verschlafenes Hühnergackern. Ansonsten blieb alles still.

Bis in den nächst gelegenen Ort war es eine Fußstunde, nur wenn man die Abkürzung über die Wiesen kannte, schaffte man es in vierzig Minuten. Aber auch dieses Dorf war nur unwesentlich größer, so dass die Abgeschiedenheit des Weltendes sich bestätigte. In jedem Dorf wurde früher ein anderer Dialekt gesprochen, so einsam waren sie in den grünen Bergen verteilt. Einzelne Familien beherrschten die Gegend bis heute und auf den Friedhöfen ruhten die Gleichnamigen still nebeneinander. Die Einwohner waren seit Urgoßväterzeiten Bauern, jeder besaß ein paar Kühe oder Schweine, ein Stück Wiese und einen Garten. Die wenigen Felder waren klein und schwer zu bearbeiten, weil sie schräg an den Hängen lagen. Es gediehen Mais als Viehfutter, Getreide und Sonnenblumen. Neben den feldsteinernen Ställen standen die geräumigen Bauernhäuser, dahinter die Hühnerställe. In den Zimmern, die früher das Gesinde bewohnt hatte, saßen heutzutage sommers Erholung suchende Städter und winters unruhige Wintersportler.

Die Mittagsruhe war vollkommen. Die Kühe dösten im Stehen, ab und zu mit dem Schwanz nach einer aufdringlichen Fliege schlagend. Eine grau gestreifte Katze schlich durch die Wiese, gefolgt von ihrem schwarzen Katzenkind, dass die Jagd erlernen sollte. Unbeholfen stakste es durch die feuchten Grasspitzen, abgelenkt von einem vorbei gaukelnden Schmetterling…

Weitere Impressionen aus dem Mühlviertel demnächst hier auf diesem blog;-)

Schöne Ferien!

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  1. Oh wie schön! Da muß ich wohl auch einmal hinreisen. Freue mich schon auf die neuen Geschichten.
    Schönen Urlaub!!

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