Versunkene Schätze / Hidden treasures: Schlamassel

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In this column „Versunkene Schätze“ I describe hidden words, i.e. „old“ and unusual words.

Mit spitzer Feder kämpfe ich für die Erinnerung an verschwundene Wörter der deutschen Sprache. Deshalb werden in meinem blog unter dem Titel „Versunkene Schätze“ in losen Abständen Wortschätze ans Licht gehoben. Viel Vergnügen beim Entdecken!

„Ewig nicht gehört“, lachte vorige Woche eine Freundin, als ich von Schlamassel sprach. Also wieder ein Fall für Versunkene Schätze, die Rubrik, die vergessene Wörter aus dem weiten Wörterozean zu heben versucht. In der Hoffnung, dass diese Schätze wieder Verwendung finden;-)

Die Grimmschen Brüder schrieben Schlamassel auch mit Doppel-M und definierten das Wort folgendermaßen:  „böser, verdrieszlicher handel, zustand, miszgeschick, verwirrung“. Sie wiesen auf die irrige Annahme hin, dass „Schlammige Masse“  der Ursprung des Wortes sei, vielmehr entstamme es „…der jüdischen gaunersprache, sein zweiter theil entspricht dem jüd. , glücksstern, das als masel, massel in der gaunersprache gebräuchlich ist…“ Der erste Teil des Wortes erinnere „an das verneinende „schello massal, unglück […] oder an das deutsche schlimm.“ Grimms bezweifeln das jedoch.

Synonym kann Schlamassel zum Beispiel verwendet werden für „Bredouille, Dilemma, Kalamität“. Lauter herrliche Schwierigkeiten also. (Dank an Wiktionary)

Manch einer mag Schlamaster kennen, das sumpfigen, vom Regen aufgeweichten Boden meint. Es gibt sogar Schlamastik, nein, das ist keine bösartige Krankheit, sondern nur regional beschimpfter Schlamassel…

Von Schlamassel gleichfalls abgleitet ist das schlammassen im Sinne von Gelegenheitsdiebstähle, ebenso das  schlamessen machen, welches in Wien als „Komplimente machen“ verstanden wurde. Der Sinnzusammenhang zwischen Komplimenten und Diebstählen erschließt sich mir nicht sofort (evtl. fishing for compliments, wobei die Komplimente mittels Gewalt „entlockt“ werden…), daher ist frohe Kommentierung hoch erwünscht;-)

Bewegen wir uns lieber weg von den Niederungen menschlichen Zusammenlebens und schauen nach der Herkunft des Schlamassels. Das jiddische „massel“ (mazzạl) bedeutet also hebräisch „Stern“ oder “ Schicksal“, bestätigt auch der Duden. Hierzu fiel mir ein, dass man im Deutschen vielleicht die Redewendung „unter einem guten Stern stehen“ gleichsetzen könnte.

Dem Schlamassel gegenüber steht der Dusel, noch so ein wundervolles Wort, wie ich finde! Der bezeichnet laut Duden „unverdientes Glück, Benommenheit, Schwindelgefühl oder einen leichten Rausch“. Und rauschhaftes  Glück und wenig Schlamassel wünsche ich meinen Lesern für die Adventszeit!

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  1. Großartig! Ehrlich gesagt finde ich, dass ‚Kalamitäten‘ ein noch viel versunkenerer Schatz ist. 😉 Bist du bei deinen Nachforschungen da auch auf interessante Sachen gestoßen?

  2. Pingback: Versunkene Schätze / Hidden treasures: Flitzpiepe | andreamaluga

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