Gedenkminute: Wort und Unwort des Jahres 2012

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Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat auch für das vergangene Jahr das Wort des Jahres gekürt. Dabei stand, wie vermeldet wird, „nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern seine Signifikanz bzw. Popularität […]bei der Wahl im Vordergrund: Auf diese Weise stellen die Wörter eine sprachliche Jahreschronik dar, sind dabei jedoch mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden.“

Zur Wahl standen zehn Wörter, gewonnen hat Rettungsroutine. Die Begründung: „Dieses Wort spiegelt nicht nur das schon seit einigen Jahren dauerhaft aktuelle Thema der instabilen europäischen Wirtschaftslage wider, sondern beschreibt zudem die zahlreichen und wiederkehrenden Maßnahmen, die bisher zur Stabilisierung unternommen wurden. Sprachlich interessant ist die widersprüchliche Bedeutung der beiden Wortbestandteile: Während eine Rettung im eigentlichen Sinn eine akute, initiative, aber abgeschlossene Handlung darstellt, beinhaltet Routine – als Lehnwort aus dem Französischen – eine wiederkehrende, wenn nicht gar auf Dauer angelegte und auf Erfahrungen basierende Entwicklung.“

Besonders bemerkenswert finde ich, dass der Ex-Bundespräsident Wulff (aufmerksame Blog-Leser sind dank meiner Geschichten um Handwerker Hannes über Wulffs Schicksal im Bilde) auf Rang 5 landete mit dem neu geschaffenen Verb wulffen, welches unter anderem synonym für eher zögerlichen Gebrauch der Wahrheit steht.

Auf Platz 7 rangiert das Gottesteilchen. Physiker nennen das Ding Higgs-Boson, dass  durch Wechselwirkung mit anderen Teilchen deren Ruhemasse erklärbar macht. Das Gottesteilchen reagiert seltsam, tritt äußerst selten auf und könnte manches physikalische Rätsel lösen. Schon 1964 wurde ein solches Teilchen vorhergesagt, gefunden wurde es erst 2012 im Genfer Forschungszentrum CERN. (Mit Dank an Dr. T.)

Sehr gelacht habe ich über die Wortschöpfung auf dem 9. Platz: Fluch-Hafen. Gemeint ist der Bau eines modernen Berliner Flughafens, dessen Eröffnung wegen diverser Mängel schon oft verschoben werden musst, so dass niemand mehr in der Stadt zu Lebzeiten an einen Start vom Flughafen „Willy Brandt“ glaubt 😉

Seit 1991 wählt die alljährlich die sprachkritische Aktion Unwort des Jahres selbiges und hat 2012 das Wort Opfer-Abo, ausgesprochen vom ehemaligen Moderator Kachelmann, die Ehre des Sieges angedeihen lassen.

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  1. Vielen Dank für diesen schönen Artikel. Ich hätte nicht gedacht, dass es das Gottesteilchen auf Platz 7 geschafft hat. Interessanterweise hätte ich bei Rettungsroutine eher an Computer als an die europäische Krise gedacht. Sehr spannend!

    • dem gottesteilchen hätte natürlich platz 1 gebührt! nun ja… und eine rettungsroutine hätt ich in meinem computer auch gern mal (hab ich ja in menschlicher gestalt 😉

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