Versunkene Schätze / Hidden treasures: Kiepe – Happy Easter!

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Mit spitzer Feder kämpfe ich für die Erinnerung an verschwundene Wörter der deutschen Sprache. Deshalb werden in meinem blog unter dem Titel „Versunkene Schätze“ in losen Abständen Wortschätze ans Licht gehoben. Viel Vergnügen beim Entdecken!

In this column „Versunkene Schätze“ I describe hidden words, i.e. „old“ and unusual words.

Today I present the nice word „Kiepe“, that’s in English „pannier“ or a wicker basket. Our german word „Kiepe“ is 600 years old, according to the Brohthers Grimm! It’s witespread in Europe: in Rhineland-Palatinate (Köpe, Köze), in Saxonia (Kibe), in Bremen (Kiepsack), in Norway (kipa) and in English (kipe). The meaning is far-reaching: from a basket, wearing on the back, to a plain, peasant hat or a fish trap!

In Easter time the „Kiepe“ is very popular, particularly for kids, because the Easter bunny wears the colored eggs in his / her Kiepe 😉

Happy Easter everyone!

Das Wort Kiepe sprang mir irgendwann aus einem Kinderbuch mit vielen Bildern entgegen. Eine gewaltige Kiepe saß auf den breiten Schultern des Hasenvaters, während die Hasenmama ein zierliches Körbchen trug. Kiepe und Körbchen waren gefüllt mit bunt bemalten Eiern. Mehrere voran marschierende Hasenkinder schwenkten vergnügt im Takt die großen, tropfenden Farbpinsel.

Osterhasenzeit. So weit, so idyllisch.

Nun beschäftige ich mich in dieser Rubrik weniger mit kuscheligen Tieren sowie deren für die Menschheit arbeitende Brut, sondern mit aus dem allgemeinen Wortschatz verschwindenden Wörtern, den versunkenen Schätzen.

Heute also passenderweise: die Kiepe.

Das Pfälzische Wörterbuch hat die Kiepe oder Küpe parat als „Rückenkorb mit Tragbändern, die über die Schultern gehen“. Dem können wir getrost zustimmen. Allerdings wird dann auf die Köze verwiesen, einen aus Weiden oder Holzspänen geflochtenen Rückenkorb, der den Bauern zum Transport von Mist, Futter, Holz usw. diente. Seit etwa 80 Jahren sei das Wort schon nicht mehr gängig, außer bei Bäckern (für den vorgeformten Brotteig), Metzgern oder Hausierern. Weitere Bedeutungen im übertragenen Sinne hat die Köze für, wen wundert’s, Rücken und Buckel sowie Bauch, Leib und Magen. Letzteres im Zusammenhang mit Völlerei und Sauferei.

Ein Sprichwort besagt: „Das is mer liewer wie e Köze voll Dischdelfinke:  Ein unscheinbarer, aber sicherer Besitz ist mir lieber als ein großartiger, aber unsicherer Erwerb“. Verben sind auch verbreitet, nämlich „kozen, közen, kozeln, korzen…“, sie bedeuten, jemanden (ein Kind oder eine Last) auf dem Rücken zu trage, sich abschleppen, umfallen.

Auf jeden Fall ist die Kiepe ein altes, norddeutsches und mitteldeutsches  Wort. Die Gebrüder Grimm schätzen es auf 600 Jahre. Kiepe bezeichnet einen Korb, eine Tasche, einen Sack, ein Maß oder einen – Hut. Manchmal sei es ein Rückenkorb, mal ein Handkorb, „gewöhnlich aber grob geflochten“. Und: „in Altpreuszen z. b. ist kiepe, küpe ein länglich runder handkorb ohne deckel, worin man den pferden das futter reicht… in Lübeck gilt die kiepe wie ein masz, eine kiepe schollen enthält 600 stück.“ In Thüringen, Schlesien, in der Lausitz und in Posen, so wird berichtet, wird ein „tiefer frauenhut in einfachster form aus stroh oder bast“ gern von den Bäuerinnen getragen, allerdings war solch ein Hut kurz auch städtische Mode. Das möchte man sich doch lieber nicht vorstellen 🙂 Bekannt war der bremische Kiepsack als Kleidertasche.  Schon damals schienen interkulturelle Erklärungen die folgende Beschreibung beflügelt zu haben: „sie (die Indianer) tragen ire kinder auf dem ruck in keipen von baumwolngarn gmacht“.

Überhaupt ist es ein weit verbreitetes Wort, im Norwegischen gibt es die kipa für Korb, im Englischen die kipe für Fischreuse, Weidennetz.

Im Sächsischen kannte man sowohl die Kipe als auch die Kibe als alten „karren mit einem aus bretern zusammengenagelten kasten, hundekarren“, auch von Bergleuten genutzt. Die Winzer an der Elbe nutzten eine Kiepe als Fass oder Schöpfeimer, die Färber als Farbenfass. Wobei wir endlich wieder bei den Hasenkindern und ihren Farbpinseln angelangt wären…

Frohe Ostern allerseits!

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  1. Haha, als Pfälzer muss ich sagen, dass mir der Begriff unbekannt war! Ich spreche zwar Pfälzer-Dialekt, aber alles kennt man dann auch nicht!
    Naja, meine Großeltern können da sicher mehr mit anfangen.
    Dennoch ein sehr amüsanter Blogeintrag!
    Danke fürs teilen 😉

    LG,
    Chris von Erbrechtsstreit

    • das freut mich, einen pfälzer überraschen zu können 😉 wenn mal gelegenheit ist, würd ich gern wissen, was die großeltern dazu zu sagen haben… kennen sie den begriff „köze“ oder wird der auch nicht mehr verwendet? und danke fürs lob, dafür tu ichs gern.
      schönste frühlingsgrüße zurück
      andrea m.

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