Gedenkminute: Victor Auburtins 85. Todestag

Standard

This is a minute’s silence for an author – the name was Victor Auburtin. He was a feature writer and he wrote small pieces – feuilletons – for an exited audience in the Berlin newspapers. His grandfather came from France and was the royal chef in Berlin. Auburtin was a Frenchman in Berlin in the Roaring Twenties. He liked to travel to Rome, Madrid, Paris and he was an excellent reporter. But never he reported about sensations! He wrote poetical, precise  „short stories“, sparkling like diamonds.
He died 85 years ago.

Es lebte bis vor 85 Jahren ein Mann namens Auburtin, sein Vater nannte ihn Victor, der Sieger. Ob er sich „Obertäng“ aussprach wie seine französischen Vorfahren oder Aubertin, so, wie es geschrieben steht, weiß heute niemand mehr zu sagen. Sein Großvater war Leibkoch am preußischen Hofe, er selbst ein reisender Berliner, der sein Geld mit Geschichten verdiente.

„Vor mir auf dem Tische liegen drei Bogen Papier, liniiert, etwas gelblich. Daneben ein gut angespitzter Tintenstift. Ich untersuche diesen Tintenstift und bemerke, daß sein Name ist: Dessin Wilson 416 B. Und mehr Werkzeug brauche ich nicht, um der berühmteste Mensch der Welt zu werden.“ (Auburtin, 1921)

Der berühmteste Mensch der Welt war er wohl nicht, aber seine Feuilletons begeisterten die deutschen Leser. Er schrieb für das Berliner Börsenblatt, den Simplicissimus und das Berliner Tageblatt.  Als Korrespondent berichtete er aus Paris, Madrid und Rom. „Von den anderen Journalisten unterschied ihn allerdings, dass er nur an Plätze ging, wo unter Garantie nichts los war, kein Eisenbahnunglück, kein Attentat, kein Krieg, keine Verschwörung, nichts. Auburtin – und das war sein Erfolg als Schriftsteller – mied jede Sensation wie die Pest.“ (Walther Kiaulehn, 1957)

Mit 57, am 28.6.1928, starb Auburtin an den Folgen jahrelanger Internierungshaft in Frankreich, die er als feindlicher Ausländer nach Ausbruch des I. Weltkrieges erdulden musste. Seine Feuilletonsammlungen bleiben, sie heißen zum Beispiel „Die Onyxschale“, „Ein Glas mit Goldfischen“ oder „Einer bläst die Hirtenflöte“.

Der Feuilletonist Heinz Knobloch hat 1970 /2000 eine Zusammenstellung von Auburtins Texten herausgegeben: sein Werk „… bietet unterrichtsreife Sprache, Zeitungsdeutsch im besten Sinne, präzise, einfach und poetisch“.

Advertisements

Eine Antwort »

  1. Pingback: Gedenkminute: Heinz Knobloch | andreamaluga

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s