Gedenkminute: Reiner Kunze zum 80. Geburtstag

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In the topic “Gedenkminute” I will remember on writers, thinkers and things around books, words and/or stories.

During my inquiry for the magister thesis about the East german feature writer Heinz Knobloch, I visited the widow who presented some books as gift. At home I realized that one book with the book cover „Heinz Knobloch – Pardon für Bütten“ contained the book of Reiner Kunze “Die wunderbaren Jahre” published in 1976 at Western Germany (BRD). The author Reiner Kunze had to leave the DDR in 1977. The government had banned him from his profession as writer. His poems and books were prohibited long ago, i.e. never saled or offered in libraries. In particular, the ownership was strictly forbidden and outlawed. But nonetheless, his work was read and circulated secretly. Someone wrote the texts by hand. It was the time where a teacher showing his pupils the journal of the National geographic was sent at home permanently. Pupil were sent at home when carrying a Blue Jeans or bringing a plastic bag with commercial to the school. Or, as Kunze wrote, carrying metal-rimmed glasses was a sign for decadence and one was under a cloud to be influenced by the “imperialistic vogue”. All these small denunciations and large betrayals of confidence were described by Kunze in his book “Wunderbare Jahre” so that the breath of the today’s reader caught. One has a feeling of the life in the small country called DDR…

Heinz Knobloch has hide the book of his friend between his own books for nearly 30 years until his death. Nobody knew it.

I read the book “Wunderbare Jahre” 29 years after the wall falls down. Since then, I’m fall for the poetry and eloquence of Reiner Kunze.

All the best for you to the 80th birthday, dear Reiner Kunze.

(Thank you for translation: doc T.)

In der Rubrik  “Gedenkminute” erinnere ich an Dichter, Denker und Dinge rund um Bücher, Wörter und Geschichten.

Während meiner Recherchen zur Magisterarbeit über den Feuilletonisten Heinz Knobloch besuchte ich auch dessen Witwe. Wir hatten ein sehr schönes Gespräch und zum Schluss durfte ich mir aus dem Nachlass Heinz Knoblochs einige seiner selbst geschriebenen Bücher als Geschenk heraussuchen. Als ich zu Hause eines dieser Bücher mit dem Titel „Heinz Knobloch – Pardon für Bütten“ auf dem Schutzumschlag aufschlug, war ich überrascht. Es befand sich nicht das Erwartete darin, sondern Reiner Kunzes „Die wunderbaren Jahre“. Die Ausgabe ist aus dem Erscheinungsjahr 1976, erschienen im S. Fischer Verlag Frankfurt am Main (Bundesrepublik Deutschland). Der Schutzumschlag ist fest verklebt mit dem Buch, sodass der wirkliche Titel nicht erkennbar ist.

Was es damit auf sich hat? Der Autor Reiner Kunze, dem durch Berufsverbot das Leben in der DDR unmöglich wurde, hatte 1977 die DDR verlassen und war in die BRD übersiedelt, Seine Gedichte und Bücher waren in der DDR längst verboten, sie wurden weder verkauft noch in Bibliotheken angeboten und der Besitz war strafbar. Und trotzdem fanden sie ihr Publikum, denn die Texte wurden in der DDR von Hand abgeschrieben und heimlich weitergereicht. In einer Zeit, als ein Geographielehrer, der die amerkanische „National geographic“ seinen Schülern im Unterricht zeigte, zur Strafe zwangsberentet wurde. Wo Schüler wieder nach Hause geschickt wurden, wenn sie in Blue Jeans oder mit einer Plastiktüte in der Schule erschienen. Die vom Schuldirektor nach einem erniedrigenden Gespräch gezwungen wurden, unliebsame Aufnäher der Friedensbewegung „Schwerter zu Pflugscharen“ von der Jacke abzutrennen, oder in Kauf zu nehmen, von der Schule verwiesen zu werden. Oder, wie Kunze schreibt, das Tragen von Nickelbrillen als dekadent galt und unter Verdacht des „imperialistischen Modeeinflusses“ stand. All diese kleinen Denunziationen und großen Vertrauensbrüche vermag Kunze in den „Wunderbaren Jahren“ so zu schildern, dass auch dem heutigen Leser der Atem stockt. Weil ein Nachspüren möglich wird vom Leben in diesem kleinen Land DDR

Heinz Knobloch hat das Buch seines Freundes fast 30 Jahre zwischen seinen eigenen Büchern versteckt und bis an sein Lebensende aufbewahrt. Niemand hat davon gewusst.

Ich las das Buch „Die wunderbaren Jahre“ 29 Jahre nach dem Fall der Mauer, und bin seitdem der Poesie und Sprachgewalt Reiner Kunzes verfallen.

Allerbeste Wünsche zum 80. Geburtstag, lieber Reiner Kunze.

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