Handwerker Hannes ist nie krank (IX)

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Es folgen Auszüge aus meiner neunten Geschichte um Handwerker Hannes, der inzwischen schon einen kleinen Fankreis um sich versammelt hat 😉

Heute erzählt Hannes von seinen Erfahrungen mit Ärzten, wie immer im erfrischenden Berliner Dialekt. Wer mehr aus den bisher in Auszügen veröffentlichten Teilen der Handwerker-Hannes-Geschichten lesen möchte, klicke hier. Wie immer wünsche ich viel Spaß!

Gerade hebe ich meine Hand, um den Türöffner am Haus meiner Ärztin zu betätigen, da wird von drinnen die Tür aufgerissen und vor mir steht Handwerker Hannes, außer Atem und mit hochrotem Kopf. „Jut, dat ick Se treffe, stelln Se sich mal vor, de Doktorsche wollt ma zum Irrenarzt schicken. Irgend son Psychofuzzi. Ick hab doch keene Macke, mir tut nur dit Knie weh.“

Der Ärmste wirkt so derangiert, dass er mir leid tut. Ich biete ihm an, ein paar Schritte mit ihm zu gehen und sogleich macht er seinem Ärger Luft: „Dit is ja furchtbar nett von Ihn’. Ick weeß jar nich, wat ick saren soll. Da jeh ick schon mal zum Medinzinmann, oda sacht man da Medizinfrau? Und denn sowat. Ejal: Ick komme nüscht ahnend rin, da fracht se mir ooch schon, wat ick so esse. Als ob meen Knie da Mitspracherecht hätte bei meim Jeschmack. Lassen wa dit. Da meent se: ja, ick soll uffpassen wejen dit Purin, dit lagert sich inne Jelenke ab und denn knirschts bei mir irjendwann im Jebälk und tut höllisch weh. Ick sare: Meine Jute, wat darf ickn übahaupt noch essen, wenn ick ihre Riesenverbotsliste sehe, werd ick glei zum Topmodel. Wie siehtn dit aus, viel zu dünne. Außadem bin ick n schwer arbeitenda Mensch, ick brauch meene Kalorjen. Sonst muss mia de Kundschaft die Werkzeuchtasche nach oben schleppen, wa?“ Grinsend sieht er mich von der Seite an und hatte offensichtlich seine gute Laune wieder gefunden. Er schlenkert mit seinen langen Armen und schreitet munter aus: 

…„Denn meentse, ick soll nichn janzen Tach in die Arbeitsbotten rumlatschen. Is aba Vorschrift! Wat gloom Se, wat los is, wenn mia mal n Vorschlachhamma oda ne Kloschüssel uffn Zeh fällt. Da jibt sich die Unfallkasse gleich janz bedeckt, jibt ja ooch imma wieda Arbeitsschutzbelehrungen für sowat. Denn kiekt se mein großen Onkel an, ob er hübsch jewachsen is oda wat. Ob ick mal Schmerzen links hatte. Nee, sarick, aba rechts. Du, da hattick mal zwee Gichtanfälle vom Feinsten, da hatts mir glatt vom Hocka jehaun. Denn war nüscht mehr, deshalb denk ick, dass ick keene Gicht habe.“

…Ich frage, was ihm die Ärztin nun geraten hätte, ein Psychologe würde bei diesen Symptomen wohl nicht helfen können. Außer, wenn er sich seine Schmerzen nur einbilde. „Wieso Psychologe? Ick soll zum Physiotherapeuten, írjendwat bestrahlen lassen, vielleicht willse meene Jedanken beeinflussen damit. Und zum Sport soll ick ooch noch, ick bitte Sie. Ick war mal weltbesta Ringer bei uns inne Kreisliga U14. Dit hält bis heute an. Und manchmal fahr ick mitm Hollandrad von meena Süßen bis zum Bäcka anne Ecke. Is doch ooch wat, wa?“ Fragend schaute er mich an und fügte hinzu: „Apropos, meine Liebe, wo wa grad hier so schön anne Bäckaecke sind, wolln wa unsa trautet Beisammensein nich mitn Käffchen krönen? Ick spendier ooch, Se sehn ja, weil ick meene Spendierhosen und nich den Handwerkerblaumann anhab.“

Wir tranken zusammen Kaffee, plauderten über dies und das und schieden in Frieden.

 

 

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