Gedenkminute: „Wochenpost“ zum 60. Geburtstag am 22. Dezember 2013

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Wochenpost LogoPhoto: ddr-comics.de

Why do I remember on a newspaper which is not available since nearly 20 years?

In december, 22nd 1953 a new weekly-released journal „Wochenpost“ appeared for the first time quite after the rebellion in June. Soon, it became the family journal of the GDR. Away from the usual propaganda, it presented modern topics in a casual manner. In their best times, the „Wochenpost“ had a circulation of about 1.25 million newspapers. But every newspaper was read along 4 other people to reach 5 million people in a country of about 17 million inhabitants.

The „Wochenpost“ based on the newspaper „Grüne Post“ dated back to the 1920’s. It had a mixture of totally different topics like the legendary feuilleton of  Heinz Knobloch supplemented by the graphics of Wolfgang Würfel or the court report by Rudolf Hirsch breaking the taboo of no crime in the GDR. Inimitably are also the small advertisements or the childreen page. Every article had aroused many discussions in the editorial office which were mainly carried out in the cafeteria. A process totally unusual in this time…

That’s why I did remember on this newspaper. It was special among all propaganda journals of the GDR. The editorial office took the reader seriously and reassured them to master the everyday life. (translation Doc T.)

Warum erinnere ich an eine Zeitung, die schon seit fast zwanzig Jahre nicht mehr in den Kiosken zum Verkauf ausliegt?

Am 22. Dezember 1953 gegründet als beruhigende Antwort der DDR-Regierung auf die Arbeiteraufstände im Juni, wurde die „Wochenpost“ die Familienzeitschrift der DDR. Abseits der allgemein üblichen Phrasen in den übrigen Zeitungen (Ausnahmen bilden der „Eulenspiegel“, „Das Magazin“ und wenige andere) bot sie in lockerem Ton moderne Themen für ein Millionenpublikum an. In ihren besten Zeiten erreichte die „Wochenpost“ eine Auflage von 1,25 Millionen Exemplaren plus jeweils vier mitlesende Personen pro Ausgabe. Das bedeutete bei einer Gesamtbevölkerung von 17 Millionen Bürgern eine Reichweite von 5 Millionen Lesern!

Basierend auf der in den 1920er Jahren erschienenen „Grünen Post“, präsentierte die wöchentlich bis 1996 erscheinende „Wochenpost“ einen bunten Mix in verschiedenen Rubriken. Legendär ist beispielsweise die Rubrik „Mit beiden Augen“ des Feuilletonisten Heinz Knobloch und des Graphikers Wolfgang Würfel, der mit seinen famosen Vignetten Knoblochs Feuilletons kongenial umsetzte. Ebenso beliebt und viel besprochen waren die Gerichtsreportagen von Rudolf Hirsch, weil sie unspektakulär daher kamen und einen Einblick in die ansonsten tabuisierte Welt des Verbrechens erlaubte. Einzigartig war gleichfalls der sonst unübliche Kleinanzeigenmarkt und die „Kinder-WoPo“ für den Nachwuchs.

Über Artikel wurde innerhalb der Redaktion oft stundenlang gestritten, die Diskussionen fanden ihre Fortsetzung in der Kantine, wie Knobloch berichtete: „… hier wurden Probleme diskutiert, wie sie in den Versammlungen nie zur Sprache gebracht werden konnten. Hier lernte man Zuhören und Fragen.“ Vor allem das Fragen war in dieser Zeit ungewöhnlich.

Deshalb erinnerte ich an diese Zeitung, weil sie so besonders war in der ansonsten gleich geschalteten Medienlandschaft der DDR. Weil die „Wochenpost“ ihren Lesern Mut machte, den mit den vielen kleinen  Entwürdigungen belasteten Alltag zu bestehen. Weil die Redakteure ihre Leser ernst nahmen.

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