Schreibwerkstatt: Mein Leben mit Hermann III – Mit Hermann auf Reisen

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Wer mit „Hermann“ nicht anzufangen weiß, lese zunächst bitte Teil I  meiner Abenteuer mit Hermann.

Alle anderen dürfen sich gleich mit mir und ihm auf eine spannende Reise begeben:

[…] Somit blieb die Frage: Wohin mit Hermann? nicht aus, als eine Reise nach Bremen anstand. Mein Mann war dorthin dienstlich unterwegs, ich hatte zufällig Zeit und wollte ihn begleiten. Er mietete sich mit Hermann in einem von der Firma ausgesuchten Luxushotel ein und ich – wegen des geldwerten Vorteils, dessen wir nicht bezichtigt werden wollten – in einer kleinen Bremer Wohngemeinschaft am Stadtrand. Ich hatte ein winziges Stüblein sowie ein Fach in einem vermüllten Kühlschrank zur Verfügung, währenddessen mein Mann und Hermann ein luxuriöses Zimmer mit Klimaanlage, Minibar, Whirlpoolbadewanne und Zimmerservice bezogen. Allein die Teilnahme am Frühstücksbüfett kostete 20 Euro. Hermann musste allerdings nichts bezahlen, denn er kam nicht mit in den Frühstückssalon, sondern blieb im Kleiderschrank, hinter den Unterhosen versteckt in seinem Gurkenglas. Auf sein Essen musste er so lange geduldig warten, bis mein Mann vom Frühstücken wieder heraufkam, mit ein paar Zuckertütchen in der Hosentasche, die er zum Kaffee gereicht bekommen hatte. Jedes Mal schrak mein Mann bei Hermanns Fütterung zusammen, wenn er vor der Tür ein Geräusch hörte, denn er fürchtete, vom Zimmermädchen mit Hermanns Glas in der Hand erwischt zu werden.

Es war insgesamt eine sehr wenig erholsame Reise, denn abgesehen von der Sorge um Hermann erlitt mein Mann fast eine Koffeinvergiftung, da er ständig Kaffee trank, um den Zuckervorrat sichern zu können. Einmal begleitete ihn ein Kollege auf das Zimmer, weil dieser ihm einen Artikel in einer Zeitschrift zeigen wollte. Plötzlich begann der Kollege schnüffelnd im Zimmer umher zu gehen, hinter die Möbel und im Badezimmer zu schauen. Er fand nichts, und meinte, dass es hier sauer rieche wie in einer Bäckerei. Dabei ahnte er nicht, wie nah er der Wahrheit war.

Auch für mich war es anstrengend, vor allem, wenn ich Sehnsucht nach meinem Liebsten hatte und ihn besuchen wollte. Dann musste ich mich mit ihm incognito am Hoteleingang treffen und hinter ihm durch die Empfangshalle schleichen, damit seine Kollegen mich nicht zu Gesicht bekamen. Um dann hoch erhobenen Hauptes am Concierge vorbeizuziehen, der genau wusste, dass mein Mann als Einzelperson gebucht hatte. Wahrscheinlich dachte er, ich sei eine gewöhnliche Prostituierte…

Hermann I, II und II sind vollständig in meiner kleinen Sonderedition 2011 enthalten.

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  1. Hurra, endlich mal wieder eine Geschichte zu Herrmann.
    Verreisen kann man also mit ihm auch. Ich sollte mir auch so einen Freund anschaffen 😉

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