Handwerker Hannes XVI: Wowi will weg

Standard

OL und WowereitIn der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder Sondereditionen stammen.

Es folgt aus aktuellem Anlass, der Verabschiedung des Berliner Bürgermeisters Wowereit, eine weitere Geschichte um den allseits beliebten Handwerker Hannes, zur Feier des Tages ungekürzt.

Handwerker Hannes kommentiert die Ankündigung des Rücktritts im Sommer und wagt einen kleinen Rückblick, wie immer im erfrischenden Berliner Dialekt. Wer Auszüge aus anderen Handwerker-Hannes-Geschichten lesen möchte, bitte sehr:

Handwerker Hannes,

Handwerker Hannes schrebert,

Handwerker Hannes – Schnippschnapp, Haare ab,

Handwerker Hannes und der Bundeskönig.

Handwerker Hannes ist nie krank. Viel Spaß!

 

Karikatur: OL, danke für die freundliche Genehmigung!

Handwerker Hannes
Wowi will weg
30. August, 1. September 2014

Gestern begegne ich Hannes auf dem Weg zum Sportstudio. Als hätte er nur darauf gewartet, mich über die Hintergründe des Abgangs unseres Bürgermeisters Wowereit zu unterrichten, sprudelt er mit seiner Rede los:
„Wat saren se zu dieser Neuichkeit? Also ick find’ dit bessa, dass Wowi von aleene jeht. Bessa, als wenn se ihn vonne Bühne hätt’n zerren müssen, weil a nur noch Unsinn quatscht. So bleibt a als Party-Meesta in Erinnerung und nich nur als Fluchhafen-Chaot. Seine Thronfolga scharren ja ooch schon mitte Füße und wetz’n ihre Messa, damit se endlich anne Macht könn’. Der Könich is’ tot, es lebe der Könich. Na ja, is’ übaall so. Die Bewerba kenn’ ick alle jar nich. Wo die nu’ wieda herkomm’? Die sollt’n mal ’ne Frau ’ranlassen, dit wird bestimmt jut. Von der eenen, die inne Zeitung stand, hatt’ ick sojar schon wat jehört. Positiv natürlich. Nu’ lob’n se den Wowi noch schnell üban jrün’ Klee, damit a ooch ja abdampft und es sich nich’ noch mal andas übalecht und doch unsa Chef bleibt. Irjendwie war et ooch schön mit ihm, die Welt schaut uff uns’re kleene Stadt und schickt die Jugend her zum Rollkoffa-durch-de-Jejend-schieb’n, Studier’n und Feian oda umjekehrt. Schönet neuet Image, Somma, Sonne, allet schick, dank Wowi.
Obwohl, manchet Ding hatta sich aba ooch alaubt während seine Amtszeit, mein lieba Scholli. Ick denke nur an die Chose mit’m Tränenpalast anne Friedrichstraße. Ein Filetstück sondagleichen, jeder Krümel Erde is da ’ne Million Euro wert oda so ähnlich. Wat machen die beim Amt? Pennen und übaseh’n dabei, dass nich’ der jesamte Grund und Boden der Stadt Berlin jehört, sondan, dass die Deutsche Bahn noch uff een’n Zippel des Grundstücks sitzt. Ich frare Sie, wie kann man dit … Jut, ick will nich’ politisch wer’n, dit bringt eh nüscht. Jedenfalls kamen sich der neue Investor und die olle Bahn dermaßen in’t Jehege, dass Berlin für die Schlafmützichkeit dit janze schöne vadiente Jeld als Entschädjung anne Bahn abjeh’m musste. Keen Wunda, dass die Stadt so pleite is’. Arm, aba sexy, hatte Wowi schon jeprächt. Ja, mit de Sprüche hatt’ a et ja jehabt: Ick bin schwul und dit is’ ooch jut so, dit war seine Antrittsrede, kurz und knackich. Nich’ schlecht, wa? Da ha’m die Bürja sich erstma’ die Oog’n reib’n müss’n, so viel Weltstadt musste ooch erst mal vadauen. Aba, ha’m wa jut hinjekricht. Schade is’ nur, dass de Loveparade nu abjewandat is’ inne Provinz. Die Nackideis fand’ ick schon janz niedlich. Hab’ ick mia aba vorsichtshalba imma nur im Fernseh’n anjekiekt, nich’ dass sich meene Süße ’nen andan krallt, wenn sie die vielen hübschen internationalen Bodys in echt sieht.
Ansonten fällt mia bei Wowi noch Sparfuchs ein, dit sacht man doch, wenn eena uff Deibel komm raus spart, bis die Nähte quietsch’n. Wenija Beamte, wenija Schwimmhallen, wenija bezahlte Kultur und kaum noch Jeld für die Jör’n. Die Hochzeit zwischen Berlin-Brandenburch is’ schon zweemal jescheitert, die Braut will nich’, weil Berlin nich’ reich jenuch is’ und nur nach ihrer Knete schielt.
Bei de Tempelhofa Freiheit uff’m alten Fluchhafenjelände hat Wowi sich ja ooch die Zähne ausjebissen. Volkes Wille wollte seine Freiheit, deswejen wird da nach’m Volksentscheid nüscht jebaut. Dit sieht ja ooch ’n Blinda mit’m Krückstock, dass da nie im Leb’n wie versproch’n Sozialwohnungen hinjebaut worden wär’n, dit wär’n bloß wieda irjendwelche Prestieschbauten und Eijentumsbuden jeword’n.
Bei uns inne Firma hängt ’n Zettel am Schwar’n Brett, da steht: Berlin kann allet außa Flughafen, S-Bahn und 1. Bundesliga. Fies, wa? Da sieht man mal, dass der Berlina an sich einfach mal durchsieht.
Jenuch jemeckat, schön’ Nachmittach noch, man sieht sich. Obwohl, wenn ich ma dit Herbstwetta da draußen bekieke, mitt’n im Aujust. Aba man kann Wowi ja nu’ ooch nich’ für allet vaantwortlich mach’n. Bis Dezemba darf er ja noch, hoffentlich jibt’s dann erst Schnee. Atschö!“

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  1. Wie großartig ist das denn. Eine unschlagbare Kombination: Handwerkwer Hannes und OL. Beides ist toll und in der Kombi unglaublich.
    Vielen Dank!

    • Ja, ich bin vor Stolz auch mindestens 10 cm größer geworden 😉 Ich mag OLs Illustrationen schon sehr lange und nun sah ich seine Zeichnung, verglich sie mit meinem Text…, da musste ich ihn einfach fragen, ob ich die Zeichnung teilen darf.

  2. “ Ick bin schwul und dit is’ ooch jut so“ war aber nich die Antrittsrede, sondern seine „Bewerbungsrede“ bei der Landes-SPD für die Spitzenkandidatur… Ansonsten sind es gerade in Berlin ja leider nicht die gewählten Organe, die Politik machen, sondern irgendwelche Uraltfilzbünde aus Mauerzeiten, die in Hinterzimmern tagen… das Tränenpalastgrundstück ist ja nicht das einzige Grundstück, das weit unter Wert verschütt gegangen ist. Ich sach nur Potsdamer Platz…

    • Ah, danke, hatte ich ganz verdrängt und nicht recherchiert. Also, der Hannes hat aber auch keine Ahnung, man kann sich nicht auf ihn verlassen 😉
      Das stimmt, das die Verschwendung immens ist, mir kommen auch die Tränen im Angesicht der Zahlen. Der Tränenpalast war nur ein Beispiel,welches mich persönlich aufregt.
      Freut mich jedenfalls sehr, dass Du mitliest.
      Beste Grüße in den Hohen Norden und halt Dich und den Capitano gut fest bei dem Sturm!! 😉
      Andrea.

      • Es ist ja nicht nur die Verschwendung. Man gibt sehenden Auges und wider besseres Wissen (öffentliche) Stadtplanung in die (privaten) Hände weniger Großkonzerne. Was für eine tolle Spielwiese hätten Potsdamer und Leipziger Platz für am öffentlichen Interesse orientierte Stadtplaner sein können! Ein Filetareal mitten im Herzen der wiedervereinigten Stadt. Aber nein. Man überlasst das Sony und Daimler. Na schönen Dank auch.

      • Mir grausts auch schon vor der Bebauung des Alex. Aber es scheint ja nicht genug Geld da zu sein, auch ne Variante. Obwohl dem alten Zausel Alex eine Verschönerung durchaus guttun würde. Mehr Grün und Bänke beispielsweise.
        Der Potsdamer Platz hat nichts mit der Stadt zu tun, es ist einfach nur ein Touristen-Ufo mitten im Sand. Wenn die StaBi oder die Philharmonie nicht dort wären, hätte ich keinen Grund, dort auszusteigen. Find ich schade.

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