Writer in Residence No. II – Frau Maluga im Spreewald

Standard

Photo7773Ein Naturliebhaber hatte mich – wie berichtet – im Frühling in den Spreewald eingeladen, damit ich seine Ideen anhören und zu Geschichten weben sollte. Vorher zeigte er mir die einzigartige Natur am Fluss und erzählte mir von den Begegnungen mit den Tieren des Spreewaldes. Eines seiner Lieblingsbücher ist „Rinka, die Flusspiratin“, so ähnlich sollen die Geschichten werden. Hier stelle ich Euch den Anfang der ersten Geschichte über den Flusskrebs in der Rohfassung vor.

Flusskrebs Karl
Am Ufer eines kleinen Spreearmes, im Wurzelgeflecht der alten Erle, lebt Karl, der Flusskrebs. Er ist noch jung, zwei Sommer hat er bisher erlebt. Im späten Frühling, als die Sonnenstrahlen schräg durch die Baumwipfel kamen und das Wasser wärmten, ist er aus seinem winzigkleinen Ei geschlüpft, genauso wie seine vielen Geschwister. Damals hatte er noch nicht den schönen, schwarz glänzenden Panzer auf dem Rücken, der in der Sonne spiegelt wie ein polierter Stein. Sondern er war durchsichtig und kaum zwei stecknadelköpfchengroß. Dann ist er einen Sommer lang gewachsen und passt nun in eine kleine Faust.
Karl versteckt sich tagsüber im Halbdunkel der Wurzeln vor dem Aal, dem Fischotter und dem Wels, die seine Feinde sind und ihn fangen und fressen wollen. Auch vor dem Barsch muss er sich in Acht nehmen, der hatte ihm einmal zwischen den Schilfrohren, die am Ufer wachsen, aufgelauert. Doch Karl hatte ihn rechtzeitig entdeckt und konnte fliehen, nicht ohne den Barsch mit seinen scharfen Scheren in die Flosse zu zwicken.
Meist ist Karl allein. Er sitzt mit vor der Brust verschränkten Scheren im seichten Wasser und döst.
In der Abenddämmerung, wenn ihn der Hunger plagt, geht Karl auf Nahrungssuche. Er klappert mit den Scheren, um sie geschmeidig zu machen und lässt sich an den langen Wurzeln der Erle hinab gleiten bis auf den Grund des Flusses. Hier spaziert er auf und ab und wartet auf das, was ihm vor die Scheren kommt. Reste von toten Fischen oder Würmer, die vom Regen ins Wasser gespült wurden.
Zufrieden und satt schwimmt er dann, den vollen Bauch nach oben, zur Sandbank hinüber.
So vergeht der Frühling.
Eines Mittags verdunkelt ein großer Schatten den Eingang zu Karls Wurzelhöhle. Er hört ein Klappern und Klopfen und ein scharfer Geruch zieht durch das Wasser.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s