„…Ach der mit der Axt!“ Lesung von OL in Berlin

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20160122_215700.jpgfoto: fantaghiro

A splendid event in Berlin- Prenzlauer Berg! The world-beating cartoonist OL was here and read autobiographic details from his new book „Forelle Grau – Die Geschichte von OL“. His childhood in the GDR was marked by dictatorship and blows of fate, but he was young and full of grim sense of humor. This kind of humor you can notice in each of his cartoon strips, which he is publishing in well-known newspapers and journals like Berliner Zeitung, Tagesspiegel, zitty or tip. OL’s life can be characterized by his search for freedom without lamentation.

Ein famoser Abend im Prenzlauer Berg, es fühlte sich an wie zu alten Zeiten, zumal nach der Lesung Zigaretten heraus geholt und geraucht wurden. Dazu dudelte die lautstarke Juke Box und verbreitete Stimmung. Übliche Szenegänger waren kaum auszumachen, eher Freunde, Wegbegleiter oder (ehemalige) Ureinwohner des Bezirks. Jochen Schmidt von der Lesebühne Chaussee der Enthusiasten wurde ebenfalls gesichtet. Mit einer Viertelstunde Verspätung rauschte ein gut gelaunter Knut Elstermann (bester Filmkritiker) herein – direkt aus den Jurten am Potsdamer Platz kommend, um die Lesung von OL, dem weltbesten Cartoonisten zu moderieren. Da die Räumlichkeiten vom Bötzowbuch den etwa 50, 60 Besuchern nicht standhielten, wurde die Lesung in die Jugendwerkstatt gleich um die Ecke verlegt.

Mit leiser, doch beeindruckend intensiver Stimme las OL aus seinen Jugenderinnerungen in der DDR, die er in Berlin und Potsdam verlebte, unterbrochen von Elstermanns Fragen. OL, der seit Jahren regelmäßig in Zeitungen und Zeitschriften wie zitty, Berliner Zeitung, tip, Tagesspiegel u.a. publiziert(e), hat mit „Forelle Grau – Die Geschichte von OL“ das Terrain der vertrauten Cartoons verlassen und sich den Schicksalsschlägen seines Lebens und den Absurditäten in der Diktatur zugewandt, die er unprätentiös und sogar mit Humor zu nehmen wusste. Wie Knut Elstermann ganz richtig bemerkte, blieb den Zuhörern jedoch häufig das Lachen im Halse stecken. Es geht um Jungsein, Freundschaft, Liebe, Stasi, Verhaftungen, Schlagfertigkeit, Verlassensein, Kunst und unbedingte Freiheit. Kein Lamento, keine Gefühlsduselei. Gequält hat OL sich beim Schreiben und nein, eine Fortsetzung wird es nicht geben, sagt er.

Wer wissen will, wie sich Alltag in der DDR anfühlen konnte, lese.

Zum Schluss der Aufruf, OL gute Witze zuzusenden, denn für die Zeit seines Sommerurlaubs muss er unendlich viele Cartoons im Voraus produzieren. Als Dank versprach er das Original des Cartoons, jedenfalls dem anwesenden Publikum.

PS: Als OL eines schönen Abends mit einer Axt und mit ein oder zwei Flaschen Wein, beides als Geschenk, unterwegs zur Party eines Freundes war, hielt ihn die Volkspolizei auf, weil sie ihn verdächtigte, am Einbruch in ein Geschäft beteiligt gewesen zu sein und den Wein gestohlen zu haben. Die Wirtin, bei der er zuvor den Wein erstanden hatte, erinnerte sich unglücklicherweise nicht sofort an ihn, sondern erst auf energisches Nachfragen: „Ach der mit der Axt…“ und ersparte OL die üblichen Unannehmlichkeiten. Wir wünschen ihm immer so viel Glück. Auf allen Wegen.

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