Handwerker Hannes rockte die Lesebühne „SoNochNie“

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lesebuehne-sonochnie-jan-2017-hohe-aufloesungWhat a night on the Reading Stage SoNochNie in Berlin! My fanbase surprised me so much – thank you for coming ❤ The keeper of the minutes believes that I love my protagonist „Craftsman Hannes“, who speaks Berlin idiom 🙂

 

„Volle Hütte“ an einem Montagabend, konstatierte der Protokollant der Lesebühne SoNochNie anlässlich der Lesung am 23. Januar 2017. Das lag zum großen Teil an meiner unglaublichen Fangemeinde, die es sich nicht nehmen ließ, aus den Weiten der Großstadt anzureisen. Vielen lieben Dank, Ihr habt mich schwer überrascht!

Weiter aus dem Protokoll (das auch die weiteren Lesenden bedenkt):

„Nach der Pause war die Andrea („andreamaluga.wordpress.com“) dran. Sie las zwei heitere Geschichten über den Handwerker Hannes. Sie leistete einen Beitrag zur Erhaltung der Berliner Schnauze. Ich glaube, sie liebt ihn (;-)), auch wenn sie ihn für einen Fall für den Frauenbeauftragten hält.“

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Aus meiner Schreibstube: Handwerker Hannes XIX – Silvestermetropole

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt / Aus meiner Feder“ gewähre ich Einblicke in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder Sondereditionen stammen. Hier nun eine Fortsetzung der Geschichten um Handwerker Hannes – wie immer im Auszug und im Berliner Dialekt.

Handwerker Hannes
XIX – Silvestermetropole

30. Dezember 2015

Einen Tag vor Silvester sind die Straßen in Berlin leer und die Geschäfte voll. Glücklicherweise habe ich schon alles erledigt und muss mich von der Hektik nicht anstecken lassen. Die Sonne scheint, ich will mir ein wenig Wind um die Nase wehen lassen und gehe nachmittags spazieren. Schon von weitem erkenne ich die Gestalt von Hannes, meinem Leib- und Magen- Handwerker sozusagen. Als er sich nähert, ist er völlig außer Atem, stellt seine schweren Taschen auf der Straße ab und spricht:
„Icke bin janz schön aus de Puste!“
Sein Kopf ist hochrot, er reißt sich die Mütze herunter:
„Icke war im Centa einkoofen, da war wat los! Jede Menge Leute. Und die Hitze! Ick hasse dit! Man weeß nich’ wohin mit seine Klamott’n, schleppt sich halbtot anne Einkäufe.
Zur Abkühlung könnte icke in’n See springen wie so’n Eisbader im Orankesee.

[…]
Icke! Wo ick doch nu’ Vertreta vonne Weltstadt Berlin bin, um nich’ zu saren Metropole. War’n wa ja schon mal, vor jut hundert Jahr’n, die berühmt-berüchtichten Joldenen Zwanzija. Aba dit is’ lange her, kann sich keena mehr erinnan.
Vorhin habick im Centa nämlich Radionachricht’n jehört […], dass Berlin in diesem Jahr die 30-Millionen-Marke knackt.“

Er wartet auf mein verwundertes Gesicht, das ich tatsächlich präsentiere.
„Icke meene nich’ die Schulden, da ha’m wa ville mehr zu biet’n als nur die poplijen 30 Mille. Scherz beiseite. Aba wir ha’m so ville Besucha in nur ee’m een’zjen Jahr, nämlich in diesem! Is’ dit zu gloo’m? 30 Milljonen Leute rollkoffan hier durch de Jejend, woll’n prima saufen oda sich an uns’re braunen Vajangenheit een’ abgruseln? War ick janz schön perplex, sare ick Ihn’! Wo sind die bloß alle? Hier in uns’re Jejend dringt wohl keena vor, es staut sich mehr inne City. Also, wat der werte Jast sich so als City vorstellt, jemess’n an sei’m Dorfanga. Dem nett’n Berlina wird ja allahand nachjeschrieen und jerne Größenwahnsinn untastellt, wat ick mia tunlichst vabitte, doch wat wahr is’ muss wahr blei’m! Wir ha’m nämlich nich’ nur eene City wie and’re Leute, sondan sojar drei Stadtzentren. […]

Beim Anheben seiner vielen großen Taschen murmelt er: „Eene Milljon Menschen soll’n morjen zum Jahreswechsel an’s Brandenburja Tor komm’! Ick fasset nich! Eens is’ sicha, ick bin nich’ da, ick tanze mit meena Süß’n Foxtrott um Mittanacht. Zu Hause!“

Handwerker Hannes und die deutsche Einheit (XVIII)

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt / Aus meiner Feder“ gewähre ich Einblicke in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder Sondereditionen stammen. Hier nun eine Fortsetzung der Geschichten um Handwerker Hannes – wie immer im Auszug und im Berliner Dialekt.

Es ist der 3. Oktober, 18 Grad Celsius im Schatten, die Sonne scheint wunderbar. Alles so, wie es sich für einen Feiertag gehört. Ich beschließe, einen Spaziergang zu unternehmen, um den Herbst zu genießen. Doch nach wenigen Schritten werde ich aufgehalten. Handwerker Hannes, diesmal nicht im Blaumann, sondern in einem grauen Anzug, der ihm schon beim Fall der Mauer nicht mehr gepasst haben dürfte, steht vor der Spätverkaufsstelle und wischt sich die Mundwinkel mit einer Serviette ab.
„Mahlzeit!“, mümmelt er und grinst. „Icke muss mia erst ma stärk’n für’n Stadtjang!“, erklärt er und bietet mir den Platz neben sich an. „Ooch ’ne Currywurscht uff de Faust?“
„Nein, nein“, ich lehne dankend ab, mein Frühstück liegt noch nicht lange zurück. Ich frage ihn, ob er zur Jubelfeier am Brandenburger Tor will.
„Och nee, dit is ja nur wat für Touris, die Drängelei is’ mir schon zu Silvester ’n Graus! Icke schlendere ’n bissken durch die Jejend und warte, wat sich erjibt. Sind ja jede Menge Leute unterwechs.“ Er zuppelt an seiner braun-orange-geblümten Krawatte, die ebenfalls aus den 1970er Jahren zu stammen scheint. Er bemerkt meinen Blick: „Is’ noch von meine Jurendweihe. Der Anzuch ooch, passt wie anjejossen!“, sagt er mit stolz geschwellter Brust. Die Jacke spannt so, das ich befürchte, dass die Knöpfe gleich durch die Gegend fliegen. Vorsichtshalber ziehe ich meinen Kopf ein und ducke mich. Aber sein nächster Satz klingt beruhigend: „Is’ noch Friedensware aus’m Osten, Präsent 20, dit hält ooch den Atomkriech aus!“ Er kichert und beißt in seine Currywurst.
Ich frage ihn die Frage des Tages und er antwortet:
„Icke bin janz glücklich mitte deutsch’n Einheit. Hat doch jut hinjehau’n. Der Westen lernt langsam, aba stetich vom Osten, kann also nur bessa wer’n! Wird ja ooch Zeit, schließlich feian wa heute Silbahochzeit.“
Woher er seine Gewissheit nimmt?
„Ick red’ ja nich von’t Ampelmännchen oder vom Rechtsabbiega-Pfeil uff de Straße, die janz Berlin heimlich übanomm’ hat. Dit is’ ja nich’ zu übaseh’n.
War ick letztens beim Arzt in Charlottenburch, ehemalijer tiefsta West’n, ’ne Dreiviertelstunde durch de City. Sitzt der Dokta nich’ in so ’ne edlen Altbau-Hütte wie ick jedacht hatte, sondan im „Ärztehaus“ mit allem pipapo. Wollte mir so ’ne Sista erstma die Vorteile von ihre moderne Bude erläutan. Allet an eem Fleck, Röntch’n und alle möchlich’n andan Jewerke. Da isse bei mia aba uff Granit jebiss’n. ‘Kenn’ ick’, hab’ ick jesacht. ‚Ick komm’ aus de JiDiAr, da nannte man dit Poliklinik.’
Uff’m Rückwech wollt’ ick ma wat Jutet jönn’ und bin ’rin zu Rogacki, dem Feinschmecka-Tempel des Westens schlechthin. Meene Oma hat da früha imma einjekooft, bevor se uns im Ost’n besuchen kam. Natürlich hieß der Laden bei ihr Ro-ga-cki, wie gackern, und nich’ Rogatzky, wie verarmter ponischa Landadel. Komisch eijentlich. Wie ick so durch die Jänge schlendere, jelüstet’s mich nach Bismarck-Hering-Schrippe. Nüscht wie ran an die Fischtheke. Nee, kräht die Vakäuferin, nich’ bei mia, sondan bei de Bäckerei. Nüscht für ungut. Icke als hin, keene 10 Meeta weita. Steh’n da unjelogen drei Vakäuferinnen rum, denen ick artich meinen Wunsch sage. Nee, sacht die eene pampich, Bismarck-Schrippe is’ alle und wir könn’ hier nich raus!’ Dabei klimpert se mit de Oog’n, dass mir janz plümerant wird. Die zweete schleppt wie zum Beweis een leeret Backblech ran, die dritte vasteckt sich vorsichtshalba hinta de Kasse. Wie dem ooch sei, dit janze Theata hätte ooch inne Koofhalle vor der Wende spiel’n könn. Ick war so erschrocken, wieso die armen Anjestellten da nich’ raus dürfen hinta ihrem Bäckatresen? Zur Strafe? Erst hatt’ ick übalecht, sie zu befreien oder ihn’ wenichstens die Arbeet zu erleichtern. Also erst bei den eenen die trockene Schrippe zu holen und denn een’ einzelnen Bismarckhering, aba denn war mir dit Jeschmadda doch zu groß und ick hab’s jelassen. Da sieht man, das die Einheit schon übaall Wurzeln jechlag’n hat. Im Westen isset jetze wie im Osten damals.“

[…]

Handwerker Hannes XVI: Wowi will weg

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OL und WowereitIn der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder Sondereditionen stammen.

Es folgt aus aktuellem Anlass, der Verabschiedung des Berliner Bürgermeisters Wowereit, eine weitere Geschichte um den allseits beliebten Handwerker Hannes, zur Feier des Tages ungekürzt.

Handwerker Hannes kommentiert die Ankündigung des Rücktritts im Sommer und wagt einen kleinen Rückblick, wie immer im erfrischenden Berliner Dialekt. Wer Auszüge aus anderen Handwerker-Hannes-Geschichten lesen möchte, bitte sehr:

Handwerker Hannes,

Handwerker Hannes schrebert,

Handwerker Hannes – Schnippschnapp, Haare ab,

Handwerker Hannes und der Bundeskönig.

Handwerker Hannes ist nie krank. Viel Spaß!

 

Karikatur: OL, danke für die freundliche Genehmigung!

Handwerker Hannes
Wowi will weg
30. August, 1. September 2014

Gestern begegne ich Hannes auf dem Weg zum Sportstudio. Als hätte er nur darauf gewartet, mich über die Hintergründe des Abgangs unseres Bürgermeisters Wowereit zu unterrichten, sprudelt er mit seiner Rede los:
„Wat saren se zu dieser Neuichkeit? Also ick find’ dit bessa, dass Wowi von aleene jeht. Bessa, als wenn se ihn vonne Bühne hätt’n zerren müssen, weil a nur noch Unsinn quatscht. So bleibt a als Party-Meesta in Erinnerung und nich nur als Fluchhafen-Chaot. Seine Thronfolga scharren ja ooch schon mitte Füße und wetz’n ihre Messa, damit se endlich anne Macht könn’. Der Könich is’ tot, es lebe der Könich. Na ja, is’ übaall so. Die Bewerba kenn’ ick alle jar nich. Wo die nu’ wieda herkomm’? Die sollt’n mal ’ne Frau ’ranlassen, dit wird bestimmt jut. Von der eenen, die inne Zeitung stand, hatt’ ick sojar schon wat jehört. Positiv natürlich. Nu’ lob’n se den Wowi noch schnell üban jrün’ Klee, damit a ooch ja abdampft und es sich nich’ noch mal andas übalecht und doch unsa Chef bleibt. Irjendwie war et ooch schön mit ihm, die Welt schaut uff uns’re kleene Stadt und schickt die Jugend her zum Rollkoffa-durch-de-Jejend-schieb’n, Studier’n und Feian oda umjekehrt. Schönet neuet Image, Somma, Sonne, allet schick, dank Wowi.
Obwohl, manchet Ding hatta sich aba ooch alaubt während seine Amtszeit, mein lieba Scholli. Ick denke nur an die Chose mit’m Tränenpalast anne Friedrichstraße. Ein Filetstück sondagleichen, jeder Krümel Erde is da ’ne Million Euro wert oda so ähnlich. Wat machen die beim Amt? Pennen und übaseh’n dabei, dass nich’ der jesamte Grund und Boden der Stadt Berlin jehört, sondan, dass die Deutsche Bahn noch uff een’n Zippel des Grundstücks sitzt. Ich frare Sie, wie kann man dit … Jut, ick will nich’ politisch wer’n, dit bringt eh nüscht. Jedenfalls kamen sich der neue Investor und die olle Bahn dermaßen in’t Jehege, dass Berlin für die Schlafmützichkeit dit janze schöne vadiente Jeld als Entschädjung anne Bahn abjeh’m musste. Keen Wunda, dass die Stadt so pleite is’. Arm, aba sexy, hatte Wowi schon jeprächt. Ja, mit de Sprüche hatt’ a et ja jehabt: Ick bin schwul und dit is’ ooch jut so, dit war seine Antrittsrede, kurz und knackich. Nich’ schlecht, wa? Da ha’m die Bürja sich erstma’ die Oog’n reib’n müss’n, so viel Weltstadt musste ooch erst mal vadauen. Aba, ha’m wa jut hinjekricht. Schade is’ nur, dass de Loveparade nu abjewandat is’ inne Provinz. Die Nackideis fand’ ick schon janz niedlich. Hab’ ick mia aba vorsichtshalba imma nur im Fernseh’n anjekiekt, nich’ dass sich meene Süße ’nen andan krallt, wenn sie die vielen hübschen internationalen Bodys in echt sieht.
Ansonten fällt mia bei Wowi noch Sparfuchs ein, dit sacht man doch, wenn eena uff Deibel komm raus spart, bis die Nähte quietsch’n. Wenija Beamte, wenija Schwimmhallen, wenija bezahlte Kultur und kaum noch Jeld für die Jör’n. Die Hochzeit zwischen Berlin-Brandenburch is’ schon zweemal jescheitert, die Braut will nich’, weil Berlin nich’ reich jenuch is’ und nur nach ihrer Knete schielt.
Bei de Tempelhofa Freiheit uff’m alten Fluchhafenjelände hat Wowi sich ja ooch die Zähne ausjebissen. Volkes Wille wollte seine Freiheit, deswejen wird da nach’m Volksentscheid nüscht jebaut. Dit sieht ja ooch ’n Blinda mit’m Krückstock, dass da nie im Leb’n wie versproch’n Sozialwohnungen hinjebaut worden wär’n, dit wär’n bloß wieda irjendwelche Prestieschbauten und Eijentumsbuden jeword’n.
Bei uns inne Firma hängt ’n Zettel am Schwar’n Brett, da steht: Berlin kann allet außa Flughafen, S-Bahn und 1. Bundesliga. Fies, wa? Da sieht man mal, dass der Berlina an sich einfach mal durchsieht.
Jenuch jemeckat, schön’ Nachmittach noch, man sieht sich. Obwohl, wenn ich ma dit Herbstwetta da draußen bekieke, mitt’n im Aujust. Aba man kann Wowi ja nu’ ooch nich’ für allet vaantwortlich mach’n. Bis Dezemba darf er ja noch, hoffentlich jibt’s dann erst Schnee. Atschö!“

Handwerker Hannes ist nie krank (IX)

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Es folgen Auszüge aus meiner neunten Geschichte um Handwerker Hannes, der inzwischen schon einen kleinen Fankreis um sich versammelt hat 😉

Heute erzählt Hannes von seinen Erfahrungen mit Ärzten, wie immer im erfrischenden Berliner Dialekt. Wer mehr aus den bisher in Auszügen veröffentlichten Teilen der Handwerker-Hannes-Geschichten lesen möchte, klicke hier. Wie immer wünsche ich viel Spaß!

Gerade hebe ich meine Hand, um den Türöffner am Haus meiner Ärztin zu betätigen, da wird von drinnen die Tür aufgerissen und vor mir steht Handwerker Hannes, außer Atem und mit hochrotem Kopf. „Jut, dat ick Se treffe, stelln Se sich mal vor, de Doktorsche wollt ma zum Irrenarzt schicken. Irgend son Psychofuzzi. Ick hab doch keene Macke, mir tut nur dit Knie weh.“

Der Ärmste wirkt so derangiert, dass er mir leid tut. Ich biete ihm an, ein paar Schritte mit ihm zu gehen und sogleich macht er seinem Ärger Luft: „Dit is ja furchtbar nett von Ihn’. Ick weeß jar nich, wat ick saren soll. Da jeh ick schon mal zum Medinzinmann, oda sacht man da Medizinfrau? Und denn sowat. Ejal: Ick komme nüscht ahnend rin, da fracht se mir ooch schon, wat ick so esse. Als ob meen Knie da Mitspracherecht hätte bei meim Jeschmack. Lassen wa dit. Da meent se: ja, ick soll uffpassen wejen dit Purin, dit lagert sich inne Jelenke ab und denn knirschts bei mir irjendwann im Jebälk und tut höllisch weh. Ick sare: Meine Jute, wat darf ickn übahaupt noch essen, wenn ick ihre Riesenverbotsliste sehe, werd ick glei zum Topmodel. Wie siehtn dit aus, viel zu dünne. Außadem bin ick n schwer arbeitenda Mensch, ick brauch meene Kalorjen. Sonst muss mia de Kundschaft die Werkzeuchtasche nach oben schleppen, wa?“ Grinsend sieht er mich von der Seite an und hatte offensichtlich seine gute Laune wieder gefunden. Er schlenkert mit seinen langen Armen und schreitet munter aus: 

…„Denn meentse, ick soll nichn janzen Tach in die Arbeitsbotten rumlatschen. Is aba Vorschrift! Wat gloom Se, wat los is, wenn mia mal n Vorschlachhamma oda ne Kloschüssel uffn Zeh fällt. Da jibt sich die Unfallkasse gleich janz bedeckt, jibt ja ooch imma wieda Arbeitsschutzbelehrungen für sowat. Denn kiekt se mein großen Onkel an, ob er hübsch jewachsen is oda wat. Ob ick mal Schmerzen links hatte. Nee, sarick, aba rechts. Du, da hattick mal zwee Gichtanfälle vom Feinsten, da hatts mir glatt vom Hocka jehaun. Denn war nüscht mehr, deshalb denk ick, dass ick keene Gicht habe.“

…Ich frage, was ihm die Ärztin nun geraten hätte, ein Psychologe würde bei diesen Symptomen wohl nicht helfen können. Außer, wenn er sich seine Schmerzen nur einbilde. „Wieso Psychologe? Ick soll zum Physiotherapeuten, írjendwat bestrahlen lassen, vielleicht willse meene Jedanken beeinflussen damit. Und zum Sport soll ick ooch noch, ick bitte Sie. Ick war mal weltbesta Ringer bei uns inne Kreisliga U14. Dit hält bis heute an. Und manchmal fahr ick mitm Hollandrad von meena Süßen bis zum Bäcka anne Ecke. Is doch ooch wat, wa?“ Fragend schaute er mich an und fügte hinzu: „Apropos, meine Liebe, wo wa grad hier so schön anne Bäckaecke sind, wolln wa unsa trautet Beisammensein nich mitn Käffchen krönen? Ick spendier ooch, Se sehn ja, weil ick meene Spendierhosen und nich den Handwerkerblaumann anhab.“

Wir tranken zusammen Kaffee, plauderten über dies und das und schieden in Frieden.

 

 

Handwerker Hannes schrebert (IV)

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Es folgen Auszüge aus meiner vierten Geschichte um Handwerker Hannes, der inzwischen schon einen kleinen Fankreis um sich versammelt hat 😉

Heute schwitzt Hannes in der Sommerhitze und erzählt von seinem neuen Kleingarten, wie immer im erfrischenden Berliner Dialekt. Wer Auszüge aus den ersten drei Teilen der Handwerker-Hannes-Geschichten lesen möchte, klicke hier und hier sowie hier. Wie immer wünsche ich viel Spaß!

„Puh, wat fürne Affenhitze!“ Wieder einmal stand Handwerker Hannes vor meiner Tür. Allerdings musste er diesmal nichts in meiner Wohnung reparieren, sondern in der Wohnung nebenan. Irgendetwas war an der Heizungsanlage defekt. „Ick gloob, heut isset soweit, dass ick zerfließe! Uffn Thermometa hatt ick heut morjen um sieme schon 25 Grad“, stöhnte er und wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. „Tschuldjen Se, dass ick Se so unverhofft uffschrecke, aber ick bräuchte mal den Kellaschlüssel.“

[…] Handwerker Hannes begann zu plaudern: „Ick hab ja seit kurzem nen Schreberjartn. Hab ick dit schon erzählt? Bei die Vielzahl der Kunden weeß ick schon nich mehr, wem ick wat anvatraut habe.“ Abwartend hob er seinen Blick. Ich überlegte kurz, was ich bisher von Hannes wusste. Er hatte eine neue Freundin, sein Sohn lebte bei seiner Ex-Frau, zu der er ein gespanntes Verhältnis hatte. Er mochte den alten Bundeskanzler nicht, kannte sich in der Familie der englischen Königin aus und zu Weihnachten stellte er sich einen Plastikbaum in sein Wohnzimmer. Aber von einem Garten hatte er noch nichts verlauten lassen.

Ich schüttelte den Kopf, Hannes nahm einen großen Schluck Limonade und begann zu berichten: „Dit is ja heute wien Sechsa im Lotto, een anständjen Jarten zu nem annehmbaren Preis zu kriegn. Ick mein, in Hinterposemuckel wär dit allet keen Problem, aba ick wollte inne Stadt bleim. Dit ewije Rausjejuckele wär mir nüscht. Sie müssn bedenken, dass ick ja schon inne Woche ständich uff Achse bin. Da will ick am Wochenende wenichstens meene Ruhe ham. Ick seh schon, Sie vastehn mich.“ Er hustete, weil er sich an der Limonade verschluckt hatte. „Aba Glück muss der Mensch ham, und so kam et, dass ick vonnem alten Mütterchen hörte, die ihrn Jarten uffjebn wollte. Se wollte nich mehr uff de Leiter kraxeln und ooch sonst hatte Probleme mitm Bücken und so. Obwohl, hab ick schon jescherzt, wenn der Järtner nich mehr so jut kiekn kann, lebta ruhiga, weila dit janze Unkraut nich mehr sieht. Is eijentlich praktisch. Aba dit Mütterchen konnte nich drüba lachen. Sie is noch vonne Kriegsgeneration, die vom Ertrach des Jartens leben musste. Und Unkraut war der größte Feind, kam glei nach den vier größten Feinden des Sozialismus. Kennen Se die noch? Ach nee, Sie sind viel zu jung, wie die Zeit vajeht.“ Hannes hatte mein verständnisloses Gesicht gesehen und erklärte deshalb: „Die vier größten Feinde des Sozialismus warn Frühjahr, Sommer, Herbst und Winta. Fand man früha lustich, den Witz. Früha war noch nüscht mit Bio, da hamse durch intensive Landwirtschaft dit Maximale ausm Boden rausholen wolln. Leida spielte nich imma dit Wetta mit, mal war dit Frühjahr zu kalt, mal der Somma zu nass, der Winta zu hart, ach, wat weeß ick. Jedenfalls wurde dit imma lang und breit inne Aktuellen Kamera, dit war die Nachrichtensendung, begründet, warum die Bauern nu wieda nen heroischen Kampf fürt Vaterland zu bestehen hattn. Dabei hattn die alten Bauern, die ooch Ahnung vom Wetta hattn, jar nüscht mehr zu saren. Da kamen dann die Schnösel vom Studium und wollten allet bessa wissen. Is übaall dit gleiche: Neue Besen kehren jut.“

Hannes schien völlig erschöpft von der Erinnerung und ich fragte ihn, was nun mit seinem Schrebergarten sei. Sein Gesicht hellte sich auf und er fuhr fort: „Son Schreberjartn is wien Dorf im Miniformat. […]Und Sprüche jibts ooch alle möglichen dazu, da kann icke sojar noch wat lernen, sarick Ihnen. Von wejen: Hamse nüscht zu tun, wenn de dir mal erlaubst, n Schluckchen Bier zu nehm. Oder: Ick seh sie jarnich mehr hinter all ihrm Unkraut. Oder dit beste: die dümmsten Bauern ernten die größten Kartoffeln. Naja, da is man erstmal satt, wenn man dit hört, aba dit is allet nur halb so böse jemeint. Deshalb redet man sich untaeinanda ooch als „Jartenfreund“ an. Find ick ja n bißken affich, die Versammlungen. Aba ohne dem jinge dit drunta und drüba, denk ick mir. Trotzdem klingtet lustich, wenn olle Ede plötzlich mit „Jartenfreund Hans-Eduard“ anjeredet wird. Der hat sich richtich erschrocken, weil er seinen vollen Namen sonst nur von seiner Frau hört, wennse mit ihm saua is. Dit Jute is außadem, dass wa so ville Mitglieda ham in unsam Verein. Wenn de dich mit eenem nich vastehst, jibts imma noch jenuch andere. Unsre Anlage hat über 400 Järtn, bald ham wa 100. Jeburtstach. Dit wird jefeiat mit allem Chichi, sarick Ihn‘. Wir ham sojar schon ne Kapelle jeordert, mit Tambourmajor und Mädels in kurzen Röckchen wie im Kölner Karneval. Abends wollnse den Nachbarn mitm Schifferklavier überreden, noch mal n paar olle Kamellen zum besten zu jebn. Na, dit wirtn Spaß. Aba da erzähl ick n andamal von. So, icke muss los. War nett, mit Ihn‘ zu plauschen. Schöne Tare anne Ostsee, gluckern Se nich ab, bis denne.“ Er erhob sich, sichtlich erfrischt, grüßte mit der Hand und rannte die Treppe hinunter.

Handwerker Hannes III – Schnippschnapp, Haare ab!

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Es folgen Auszüge aus meiner dritten Geschichte um Handwerker Hannes. Und es geht immer weiter und weiter, so dass ich wohl im Sommer ein Bändchen über Hannes meiner Sonderedition hinzu fügen werden muss…

Heute erzählt Hannes von seinem Friseurbesuch, wie immer im erfrischenden Berliner Dialekt. Wer Auszüge aus den ersten beiden Teilen lesen möchte, klicke hier und hier. Viel Spaß!

Handwerker Hannes III –

Schnippschnapp, Haare ab!

„Ick jeh ja imma vorne anne Schönhauser zum Friseur, kennen Se den? Hübsche Mädels und können können Se ooch wat. Kleener Scherz! Für’n Zehner machen die echt’n neuen Menschen aus dir, na jut, die Frauen müssn meist noch ’n Fuffi rufflejen, aber die lassn sich ja ooch glei rundumerneuern. Jedenfalls kam jestern irjendwann ne Langhaarije in’n Salon und sacht: Schnippschnapp, Haare ab und grinst dabei.“ Hannes machte eine Kunstpause und schlürfte den ersten heißen Schluck aus seiner Kaffeetasse, die ich ihm vor die Nase gestellt hatte. „Die Friseurin – wussten Se eijentlich, dass man nich Friseuse saren soll? Dit diskriminiert die Damen, weil man da an Masseuse, also ne verkappte Prostituierte, denkt, sacht man. Is ja ejal, ne Kopfmassage is bei meine Friseurin trotzdem inklusive. Jut, die Langhaarije grinst imma noch und die Friseurin sacht: ‚Aba Zeit hat se mitjebracht?’ Find ick imma lustich, is Ihn’ dit ooch schon uffjeffalln, dass Friseurinnen ein’ grundsätzlich inne dritten Person ansprechen? Vielleicht könnense sich nich mehr die janzen Namen von den vielen Kunden merken oder wat? Weita: Die Langhaarije mault irjendwat rum, von wejen, dasse sich uff ne Warteliste setzen lassn will und späta noch mal wiedakommt, aber da blitzt se schon bei meina Friseurin ab: ‚Bei uns is ohne Termine!’ kräht se und sacht, mit Blick uff meenen hübschen Wintapelzkopp: ‚Ne Stunde wird se wartn müssn.’ Na, die hat sich dann jefücht, sich nen Platz am Fensta jesucht und n schlauet Buch aus ihra Tasche jekramt. Dacht ick mia gleich, das dit sone Intellektuelle is, n bisschen dicklich, glatte, lange Haare, Brille. Nüscht zum Unterhalten. Schade. Aber – klingklangklong – die Ladenglocke bimmelt und bringt drei Grazien in die jute Stube. Mutta und Tochta, kaum zu untascheidn in ihrn Klamotten, so Glitzerjeans und Hackenschuhe. Die Fraktion, die imma noch inne 80er Jahre des vorjen Jahrhunderts lebt. Die Jungsche so Mitte 40 und Muttern entsprechend. Beede uffjetakelt, ham se sone kleene Scheue mit Toppschnitt im Schlepptau, könnte die Arbeitskollejin sein oder so. Jedenfalls haun die sich alle drei in die Sessel und blättan wie wild inne Katalore rum, welchen Haarschnitt se nu ham wolln. Bei den Glitzertanten isset glei klar, een Millimeter kürzer und den Ansatz eenmal knallschwarz und eenmal blond nachfärm, wie zu erwartn. Aba dit Schärfste war, wie die der Kleenen einjeredet ham, dasse sich nen Meckischnitt verpassn lassn soll. Kenn Se dit übahaupt noch? Sie sind ja noch nich so alt.“

Ich bedankte mich brav für seine Einschätzung und ließ ihn weiter erzählen…

Fortsetzung folgt.

Handwerker Hannes

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Aufmerksame Leser meines blogs haben schon längst Bekanntschaft mit ihm geschlossen: Handwerker Hannes, mein persönlicher Handwerker-Albtraum… Er kommentiert alles und jeden, die politische Weltlage genauso wie familiäre Geheimnisse. Lustige Alltagsgeschichten im Berliner Dialekt.

Nebenbei: Die Begebenheiten sind (fast) frei erfunden und spiegeln nicht das Verhalten eines  gesamten Berufsstandes wider. Aber den perfekten Handwerker, der mir meinen Küchenboden repariert, habe ich immer noch nicht gefunden;-)

Unter anderem sind enthalten:

Handwerker Hannes schrebert.

Handwerker Hannes und der Bundeskönig.

Handwerker Hannes lässt sich nicht gentrifizieren.

Handwerker Hannes ist nie krank.

Schnippschnapp, Haare ab.

 

Schreibwerkstatt: Handwerker Hannes und der Bundeskönig

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Es folgen aus aktuellem Anlass und auf vielfachen Wunsch Auszüge aus Teil II der Geschichten um Hannes, den fidelen Handwerker aus Berlin:
[…]
Blitzschnell schätzte ich die Situation ein und schlug vor, eine Kaffeepause zu machen. Dankend ließ Handwerker Hannes sich auf dem angebotenen Stuhl nieder. Während ich mit Wasser, Kaffeepulver und Tassen hantierte, begann er zu plaudern: „Der Herr Wulff is ja nu in alla Munde, wa? Ick mein den Bundeskönich.“ Er kicherte über seine Bemerkung. „Ham Se schon jehört, dass der jetze sone Riesenpängsjon kricht? Sein janzet Leben lang. Und dit, wo der noch 40 Jahre lebt, wenn wa Pech ham.“ Er schnalzte mit seiner Zunge. „Der muss nie nie wieda abeeten jehn, dit müssen Se sich mal vor Ogn haltn. Klasse, wa? Nüscht tun, sich die Teile schaukeln und schön abkasssiern. Den hättense mal uff seim Postn lassen solln, da hätta wenichstens wat tun müssen für sein Jeld. Aber irjentwie konnt ick mir den ooch nich mehr ankieken. Der mit seine komischen Freunde. Und die janzen Schwindeleien. Und seine Frau erst… Wat hat mir die jewisse Zeitung mit den großen Buchstabn immer für Schlachzeilen entjejenjeschrien, ob ick wollte oda nich, ick habs ja doch jelesen. Bettina hattn Tattoo, Bettina hattn Glämmerfaktor, ick weeß janich, wat dit sein soll. Früher hatte der Bundespräsident sone Mutti mit Lockenwelle als Frau, die stand imma drei Schritte hinter ihrm Jatten, hatte hässliche Klamotten an und konnte jut kochen, dit sah man schon. Aba nu? Wir sind doch nich in England bei de Queen mit ihrm janzen Jemache. Vasteh ick sowieso nich, wie die dit da machen uff de Insel. Dit zahlt doch allet der Steuerzahler, die Schlösser und die Hochzeiten. Obwohl – war dit letztet Jahr mit de Hochzeit von Willi und Kate? War schon niedlich, die kleene Prinzessin, wien Märchen, ein Kind ausm Volke heiratet den Prinzen. Obwohl der ja nu ooch nich mehr dit Jelbe vom Ei is, wa? Hamse die Glatze von dem jesehn? In dem Alta? Wer weeß, wat noch nich mehr bei dem funktioniert. Wir wern sehn. Dass die Royals da keen Schiss ham, das dit Volk mal sacht: Nee, macht ma euern Mist allene, von mir jibts keen Penny mehr. So wie bei uns. Den Bundeswulff ham wa einfach inne Wüste jeschickt. Na jut, mit Schatzkiste, sozusagen. Aba ansonsten is der Mann erledicht, na ja, nich mein Problem. Wer hoch hinaus, der tief fällt. Alta Spruch von Oma, jilt imma. So.“
Handwerker Hannes erhob sich, bog das Kreuz durch und schaute mir tief und ernst in die Augen…

Schreibwerkstatt: Handwerker

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Hier die erste von vielen Geschichten um Handwerker Hannes, der uns mit seinem Berliner Dialekt erfreut:

Handwerker

„Tach, jute Frau!“, so begrüßte mich der Mann in Latzhose, als ich auf sein Klopfen hin meine Wohnungstür öffnete. „Sie haben mich sicha schon sehnsüchtich erwartet, wa?“ Etwas überwältigt von seiner überschwänglichen Art, prallte ich zurück und gab ihm damit die Möglichkeit, in meinen Flur zu poltern. Krachend setzte er seine schwere Werkzeugtasche auf dem Boden ab. „Soll ick die Schuhe ausziehn?“ Kritisch ließ er seinen geschulten Blick wandern: „Ick seh schon, keen Teppich, bloß Dielen. Denn kann ick die Botten wohl anlassen, oda?“ Ich öffnete den Mund und holte Luft, um ihm zu antworten, oder wenigstens, um ihn zu begrüßen, aber diese Sekunde Pause war zuviel, denn schon redete er weiter: „Sooo, wo ham wa denn die Wasseruhren? Ick hab hier uff meim Auftrach, ehm, richtich: drei Wasseruhren, zu stehen. Stimmt dit?“

Irritiert schaute ich ihm auf den vorgeneigten Kopf, auf dem ich eine beginnende Glatze konstatierte. Eigentlich hatte ich den Ablesedienst erwartet, der jährlich die Verbrauchswerte für Wasser und Heizung feststellte: „Nee, jute Frau, Irrtum! Ick bin zwar vonne gleichen Bude, aba icke bin für die“ – er machte eine theatralische Pause – „wie schon jesacht, Wasseruhren zuständich, die soll ick auswechseln. Fürt Ablesen kommt noch mal n Kolleje, aba erst im neuen Jahr. Könnense nochn bisschen wat verbrauchen bis dahin, wa?“ Er grinste bis zu den Ohren über seinen Calauer. Ich verdrehte innerlich meine Augen und wies ihm den Weg zum Badezimmer. „Da ham wa ja dit jute Stück. Äh?“ Er stutzte. „Wat isn dit fürn Modell? Hab ick janich notiert. Ach, die Vermieta wieda. Keene Ahnung von nüscht. Dit stimmt hier vorne und hinten nich, hab ick bei ihrer Nachbarin ooch schon jemerkt. Sone kleene Niedliche, saren Se mal, ist die schwanger?“ Er gab mir keine Zeit zu antworten. „Na, ick hab oochn kleenen Sohn, der is schon n janz schöna Rotzbengel, wenn Se wissen, wat ick meine. Aba der is bei meine Ex, dem alten Luder. Kann ja nüscht wern aus dem Kleenen. Jetze hab ick ne Neue, sone schmale Blonde, n Hämeken. Die könnt ick mit zwee Fingan hochheben – nich so wie Sie, aba dit trau ick mir jar nich. Du, die hat Haare uff de Zähne, mein lieba Herr Jesangsverein. So, nu komm ick wieda ins Quatschen. Is imma so bei mia, wenn ick bei die Hausfrauen bin.“

Verblüfft über seine Frechheiten, blieben mir die Worte im Halse stecken. Nicht nur, dass er über meine Figur schwafelte, auch dass ich schon geschlagene drei Stunden auf ihn gewartet hatte und zuvor bei meinem Chef einen Urlaubstag hatte aushandeln müssen, um zu Hause bleiben zu können…

Schon schwadronierte er weiter: „Ick seh schon…“ Er schraubte an der Verblendung der Wasseruhr herum: „Mann, da ham Se aba Glück, dass ick jetze hier bin. Eijentlich hätten die schon vor Jahren ausgetauscht werden müssen. Sacht der Jesetzgeber. Ick bin ja anderer Meinung. Aba uff die Fachleute wird ja nirgends jehört. Is ja imma so. Könn Se sich schon mal merken, junge Frau.“ Als ich sah, mit wie viel Elan er hantierte, fragte ich, ob ich den unter der Wasseruhr befestigten Handtuchhalter besser abnehmen sollte. Es war nicht irgendein Handtuchhalter, sondern das Geschenk einer lieben Freundin und mir deshalb wertvoll. „Ach, dit jeht schon. Ick muss ja nur… Ach Du Schande!“ […]

Fortsetzung folgt in diesem Blog.