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Aus meiner Schreibstube: Berlin/Brandenburgs Geschichte für Kinder erzählt – Von den Anfängen

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PTDC0712Bild: FantaghiroArt, mit freundlicher Genehmigung ❤

Ich habe vor einiger Zeit begonnen, für Kinder ab 8 Jahre über die Geschichte von Berlin/Brandenburg zu schreiben. Gefällt’s Euch?

Wir wohnen in der großen Stadt Berlin. Aber unsere Stadt gab es nicht schon immer, denn vor langer Zeit, vor 800 Jahren, gab es unsere Stadt noch gar nicht.

Hier wohnten auch gar keine Deutschen mehr, denn die waren wie alle Völker in dieser Zeit woanders hin gezogen. Mit der Völkerwanderung kamen nun die Slaven und wohnten hier, woher sie kamen, wissen wir nicht genau. Die Slaven ließen sich nieder, bauten Burgen und lebten in verschiedenen Stämmen. Ein Stamm wohnte am Havelfluß und sie nannten sich Heveller, ein anderer Stamm lebte am Ufer der Spree und hieß Spreewanen. Es gab noch viele andere Slaven, die Obodriten, Redarier, Sorben und Lutizen hießen. Die Stämme lebten voneinander getrennt, jeder Stamm hatte sein eigenes Land und dazwischen wuchs dichter Wald.

Manchmal führten die Slaven Krieg gegeneinander, aber die meiste Zeit vertrugen sie sich. Dann trafen sie sich zu Versammlungen, den Things, wo sie wichtige Dinge besprachen. Jeder Stamm schickte ein paar kluge, starke Männer zu diesen Treffen. Diese Männer überlegten sich, was sie als nächstes machen wollen, wie sie sich wieder vertragen können oder ob jemand Hilfe braucht. Einen König, der über alles allein bestimmte, gab es nämlich nicht.

Das Land der Slaven war sehr groß, es reichte von der Ostsee bis zum Spreewald. Die Slaven hatten viele Nachbarn: Polen, Sachsen, Franken, Deutsche… Diesen Nachbarn gefiel das Land der Slaven so sehr, dass sie es gern selbst besitzen wollten. Sogar die Wikinger kamen übers Meer gefahren, um das Land zu erobern und auch die wilden Ungarn stürmten auf ihren Pferden von weit her heran, um gegen die Slaven zu kämpfen. Aber niemand konnte die Slaven besiegen.

Die Slaven hatten ihre Burgen aus Holz und Lehm gebaut, die wie ein riesengroßer Ring aussahen, in dem sie sich verstecken konnten, wenn die Feinde kamen. Die größte Burg der Heveller hieß Brennaburg, die es aber heute nicht mehr gibt. Ganz in der Nähe war ein Hügel, auf dem ein kleiner Tempel stand. In diesem Tempel dachten die Heveller an ihren Gott Triglaw, sie brachten ihm Geschenke und baten ihn darum, ihre Wünsche zu erfüllen. [wird vielleicht fortgesetzt 😉 ]

Lesung am Langen Tag der StadtNatur

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langer tag der stadtnatur 2016 meine ankündigung

Do you see this announcement?  Next Sunday I’m reading in the Botanical Garden Blankenfelde on the occasion of Urban Gardening Day 2016. 2 pm. Mo and his friends are waiting for you and your parents 😉

Könnt Ihr die Anküdigung alle gut sehen, ja? Ich lese nämlich zum Langen Tag der StadtNatur am Sonntag, den 19. Juni 2016, ab 14 Uhr so ein zwei Stündchen, je nach Wetter, wie immer in der Botanischen Anlage Blankenfelde. „Mo und der Spatzenbusch“ ist angekündigt, die Frühlingsgeschichte vom Brennerberg. Die anderen Jahreszeitengeschichten von Mo und seinen Freundinnen bringe ich auch mit, keine Sorge. Ob „Kater James“ mitkommt, weiß ich nicht so genau. Ich hatte gehofft, dass er noch Zeit findet, mir seine Geschichten ins Ohr zu miauen, aber vielleicht bin ich zu sehr mit dem ZeilenZauber-Schreibwettbewerb beschäftigt, da kann ich wohl nicht richtig zuhören. Dabei fällt mir ein, dass ich mein Manuskript für meinen Schulroman einpacken könnte, um zusätzlich daraus vorzulesen. Also ich denke, Langeweile wird nicht aufkommen, Kinder! Bringt Eure Eltern mit, sie können sich auf meiner fabelhaften Picknickdecke ausruhen, auf einem Grashalm kauen und die Landschaft genießen, während ich Euch vorlese 😉

Mein Beitrag zur Lesebühne „So noch nie“ am 25.4.2016

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Lesebühne sonochnieThank you so much, „Zimmer 16“ and reading stage „So noch nie“ for being such a nice host for literature! I was here twice and liked the friendly atmosphere and useful comments.

Vielen Dank der Lesebühne „So noch nie“ im Zimmer 16, die unermüdlich allen Schreibwütigen die Tore öffnet und auch mir schon zweimal die Möglichkeit gegeben hat, meine Texte vorzustellen. Das erste Mal las ich dort vor einem Jahr meine Geschichte „Sommerfrische“ aus der Sammlung „Über Grenzen – Mauergeschichten“, diesmal „Regine“ aus der Porträtsammlung „Alles Leben“.

Freundlicher Beifall  und Hinweise inklusive, jeden 4. Montag des Monats, 20 Uhr.

PS: Vielen Dank den drei „Abgeordneten“ meiner Fangemeinde, die sich zu später Stunde noch auf den weiten Weg nach Pankow machten 😉 So war ich fast gar nicht aufgeregt!

PPS: Hat jemand die Sanduhr der Lesebühne gefunden?

Hier die Inhaltsangabe, von „So noch nie“ herausgegeben:

Andrea ließ uns mit „Regine“ ein ebenso alltägliches wie unerträgliches Schicksal aus dem Leben in der DDR kennenlernen. Eine Kraftwerksarbeiterin mit Mann und Kindern telefoniert im Jahr 1968, das Bitterfelder Chemie-Kombinat ist, so gehen Gerüchte um, gerade explodiert, mit einer Freundin. Viele sind es noch nicht, die 1968 in der DDR ein eigenes Telefon zu Hause haben, trotzdem halten die beiden sich für unwichtig genug, dass sie sich politische Witze zu erzählen trauen – die werden sie schon nicht abhören. Falsch gedacht […]

Keine erfundene Geschichte, aber schlicht und einfach und leider immer wieder so oder ähnlich passiert.

Berlinale 2016: „Rauf“(Türkei 2016)

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First love is often painful. Still, that’s not going to stop Rauf from showing Zana how much he fancies her. Alas, the eleven-year-old’s advances only elicit amused smiles from the young woman. Fortunately, Rauf has a couple of loyal friends at his side that he can count on for advice and perspective. Undeterred by the tragic consequences of war, or the fact that he’s already dropped out of school to apprentice as a carpenter, the boy holds on to his one hope: Rauf sets off on a quest to find the special colour that symbolizes his love. This turns out to be no trivial undertaking in his snowy little isolated corner of Anatolia. When he finally happens upon the object of his quest, as winter snow gives way to the early flowers of spring, Rauf isn’t a little boy anymore. (Source: BERLINALE)

Nun ist es fast schon Tradition, dass ich mit den Kindern meiner ZeilenZauber-Schreibwerkstatt dem Internationalen Filmfestival BERLINALE einen Besuch abstatte. Letztes Jahr besuchten wir den Film „Das himmlische Kamel“, in diesem Jahr hatten wir die Möglichkeit, den türkischen Film „Rauf“ zu sehen. (Empfohlen ab 9 Jahre)

Rauf lebt in einer Gegend, die seit Jahrzehnten von Krieg heimgesucht wird. Am Horizont ist nachts der Lichtschein von abgefeuerten Geschützen zu sehen, oft donnern die Kanonen in der Ferne. Ein Film von Liebe in Zeiten des Krieges. Von Freundschaft, Respekt und Tod.

Nach der Vorführung des Films gaben der Regisseur, der Produzent, der Darsteller des „Sargmachers“, die Schauspielerin von „Zana“ und der Hauptdarsteller „Rauf“ den Fragen des Publikums Rede und Antwort:

Für „Rauf“ war es die erste Rolle seines Lebens. Auf der BERLINALE hat er zum ersten Mal den gesamten Film gesehen. Seine Lieblingsstelle war das gemeinsame Bad mit seinen beiden Freunden im Waschzuber, obwohl er sich bei den Dreharbeiten ein bisschen geschämt hatte. Gefroren haben er und die anderen Kinder nicht, sein Betreuer hat darauf geachtet, sie gut zu ernähren 😉 Er war sehr aufgeregt und würde gern Schauspieler werden.

Der Regisseur und der Produzent trafen sich bei anderen Dreharbeiten, als die Idee entstand, den Krieg mit den Augen eines Kindes darzustellen. Beide arbeiteten von Beginn an mit dem türkischen Kulturministerium zusammen. In dieser Zeit begann eine Feuerpause zwischen den Rebellen und der türkischen Armee, daher war der Film auch von der türkischen Regierung erwünscht. Sie wollten zeigen, dass „Nationalität“ und „Freiheit“ für Kinder keine Rolle spielen, sondern andere Dinge, wie die Suche nach der Farbe Pink. Der Film soll wie ein Gedenkstein für die Toten des Konflikts fungieren. Der Film wird in der Türkei in den Kinos gezeigt werden, ungeachtet des weiterhin schwelenden Konflikts ist er ein Zeichen für Hoffnung und Frieden. Das Schicksal der Großmutter ist offen geblieben, vielleicht ist ihr Sohn zurückgekehrt aus den Bergen, möglicherweise ist sie auch gestorben.

Der Kameramann arbeitete wie bei einem Dokumentarfilm ohne künstliches Licht, was eine sehr große Herausforderung darstellte, ebenso wie die große Kälte, der sie ausgesetzt waren. Dadurch ist der Film intensiver geworden.

Die Schauspielerin von Zana meinte, dass Zana zu den Befreiungskämpfern in die Berge gegangen ist, um frei von den Zwängen ihres Lebens sein zu können. Sie ist nicht glücklich über die Entscheidung, sieht jedoch keine andere Lösung.

Die ZeilenZauberKinder (alle sind etwa 12 Jahre alt) rezensierten den Film „Rauf“ folgendermaßen:

Hattet Ihr eine Lieblingsstelle?

Rosa: Ich fand die Stelle, wo Rauf mit seinen Freunden die Straße mit den Luftballons runtergegangen ist am besten, weil das so schön aussah mit den verschiedenen Farben.

Nele: Als Rauf die pinken Blumen auf das Wasser und den Sarg von Zana warf. Diese Stelle war wunderschön und für einen Augenblick habe ich die Trauer über Zanas Tod vergessen.

Was Du während des Films gedacht und gefühlt?

Lucia: Die Geschichte war ergreifend, und es war schon traurig dass Rauf so viele leidende und sterbende Leute sah. Er selbst aber konnte nur traurig sein, als Zana starb.

Nele: Ich musste an die vielen, schlimmen Kriege in der Welt denken. Und daran, wie manche Menschen deswegen leben müssen. Aber Raufs Liebe zu Zana hat alles ein bisschen aufgelockert.

Rosa: Ich musste an den Krieg denken und dass es endlich einen Film gibt, wo ein Kind zeigt, wie es sich im Krieg fühlt.

Wie hat Dir die Art des Films gefallen?

Namiko: Die Außenaufnahmen waren sehr naturgetreu. Man vergaß fast, dass es nur ein Film war, man lebte praktisch auch in diesem Dorf. Was ich allerdings verändern würde, ist, dass nicht viel zum Krieg erklärt wurde, man hat nicht wirklich erfahren, in welcher Lage sich die Protagonisten befanden.

Rosa: Ich fand es gut, dass mit Tageslicht gearbeitet wurde und nicht mit künstlichem Licht, weil es dadurch natürlicher gewirkt hat. Ich habe es nur am Anfang nicht verstanden was mit „in die Berge gehen“ gemeint war.

Lucia: Ich fand fast alles gut. Außer: Ich mag Filmmusik, und die hat mir ein wenig gefehlt. Dennoch wurde die Musik, wenn es welche gab, bei den richtigen Szenen eingesetzt.

Habt Ihr eine persönliche Botschaft für den Regisseur?

Louis: Die Bilder waren sehr schön. Der Film hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Namiko: Sie haben den Krieg sehr gut dargestellt, durch diesen Film erfahren sehr viele Leute, wie schrecklich Krieg auch für Kinder ist. Die Handlung war wirklich ergreifend.

 

BERLINALE 2016: Mia schläft woanders (Schweden / Niederlande 2016)

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Natürlich teile ich gern meine BERLINALE-Erlebnisse mit Euch und beginne mit dem Eröffnungsfilm des Programms „Generation K+“, dem schwedisch-niederländischen Film „Siv sover vilse“, der in der deutschen Übersetzung seltsamerweise den Titel „Mia schläft woanders“ trägt.

Basierend auf der Bilderbuchgeschichte von Pija Lindenbaum (dt. 2011) haben Lena Hanno Clyne und Catti Edfeldt diesen magischen Film für Leute ab 7 Jahre gedreht. Siv/Mia will zum ersten Mal bei einer Freundin schlafen. Ein wenig Herzflattern hat sie schon bei dem Gedanken, woanders zu übernachten, aber Papas Telefonnummer auf einem kleinen Zettel gibt ihr Sicherheit. In der Wohnung der Freundin ist alles anders als zu Hause, z.B. die Regeln innerhalb der Familie. Und echte Tiere bevölkern die Nacht!

Kurzkritik fantaghiro (12 Jahre): „Der Film war süß gemacht, vor allem für jüngere Kinder. Siv/Mia, die zunächst schüchtern ist und kaum etwas sagt, verändert sich im Laufe der Geschichte sehr und traut sich zum Schluss sogar, die Freundin zu kritisieren.“

Zur Premiere auf der Berlinale 2016 waren die beiden jungen Hauptdarstellerinnen Astrid Lövgren und Lilly Brown angereist, ebenso die Regisseurin, die Autorin, der Kameramann u.a. Im Interview nach der Vorstellung habe ich folgende Antworten auf die Fragen der Kinder notiert:

Wie kam die Magie in die Wohnung der Freundin? Sie wussten ja beim Bau nicht, dass das Haus magisch ist? Der Kameramann antwortete: „Die Magie kam durch die inspirierende Atmosphäre im Filmteam zustande. Außerdem haben wir zwei Zimmer gebaut, ein großes und ein kleines und dadurch diese Magie verstärkt.“

Wie lange habt Ihr gedreht? „Insgesamt 5 Wochen drinnen und 4 Tage draußen im Schnee.“

Habt Ihr richtige Tiere verwendet? „Wir hatten ein echtes Rentier am Set, aber unglücklicherweise ist ihm eine Schaufel abgebrochen, die wir dann digital hinzufügen mussten. Die Dachse wurden von Handpuppenspielern gespielt.“

Gibt es ein Buch als Vorlage? „Ja, ein Bilderbuch, das wir erweitert haben.“

Wie sehr musstet Ihr Euch als Schauspielerinnen verändern? „Zu 88%,“ antworteten Astrid und Lilly.

Warum habt Ihr mitgemacht bei dem Film? „Ich wollte neue Leute kennen lernen“, sagte Astrid.

Woher kommt Ihr? „Lilly stammt aus Stockholm und Astrid aus dem Norden Schwedens.“

Wie alt seid Ihr? „Wir sind beide 9 Jahre alt.“

 War es schwer, zu schauspielern? „Ja, weil manche Dinge erst im Computer hinzugefügt wurden und stattdessen Tennisbälle als Platzhalter her hielten. Freundlicherweise hatten sie für uns Smileys darauf gemalt.“

Seid Ihr beiden jetzt befreundet? „Ja, beste Freundinnen!“

Seven-year-old Siv’s first night sleeping over at her new friend Cerisia’s place turns out to be a magical one. In the early evening, many things are already beginning to seem odd, the exotic food, all of the animals … At night though, the unfamiliar flat really starts to become a realm full of secrets. There is spooky and puzzling stuff waiting to be discovered behind every door. The little girl’s worries and desires are mirrored in the purple adventure and they help her at the same time to gain her own perspective on things. The dream-like scenery resembles that of Lewis Carroll. The film’s love for the unconventional also recalls the work of Astrid Lindgren, with whom filmmaker and author Catti Edfeldt collaborated frequently in the early days of her career. (Source: Berlinale)

BERLINALE 2016

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Photo7309It’s February, cold, wet and foggy. But we have the International Film Festival BERLINALE in the city, yeah!! The opening show for section „Generation“ was presented by Maryanne Redpath, who lead this section. There are 28 films and 35 short films. All films will be evaluated by a wonderful jury. But only one film will be the winner of the prize „Gläserner Bär“! I will report about this festival.

Hej, es ist Februar. Karneval, Valentinstag und BERLINALE innerhalb einer Woche, ich fasse es nicht! Gut, Karneval und Valentinstag ist je nach Verfassung Geschmackssache, aber das Internationale Filmfestival BERLINALE haut ja wohl jeden um 😉 Jedenfalls werde ich mindestens fünf Filme gesehen haben und danach schlauer, trauriger, glücklicher und alles andere auch sein. Natürlich teile ich gern meine Erlebnisse mit Euch und werde berichten!

Die Eröffnung der Sektion „Generation“wurde am Freitag charmant von der Chefin Maryanne Redpath präsentiert. Das Programm dieser Sektion umfasst 28 Lang- und 35 Kurzfilme, die  von der Kinder- und Jugendjury sowie die Internationale Jury bewertet und mit dem Gläsernen Bären ausgezeichnet werden.

 

Aus meiner Schreibstube: Das Maerchen vom geizigen Mann II

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Mein NaNoWriMo-Roman „Das Maerchen vom geizigen Mann“ nimmt Formen an. „Ich“, das ist Johannes, so ein Menschenscheuer, der selten seine Wohnung verlaesst, macht sich nach vielem Hin und Her auf in seine Vergangenheit und wird mit dem Leben konfrontiert…

„[…]Bevor der Fahrer den ersten Gang einlegte und schaukelnd los fuhr, rettete ich mich auf den naechsten freien Sitzplatz, der sich im mittleren Teil des Busses befand. Als ich endlich sass und zu Atem gekommen war, bemerkte ich, dass mir gegenueber ein Grossmuetterchen hockte. Sie war bemueht, ihr Hab und Gut, bestehend aus prall mit Einkaeufen gefuellten diversen Plastiktaschen, zusammenzuhalten. Mit duennen, farblosen Lippen laechelte sie mir zu und rueckte ein Stueck beiseite, damit ich bequemer sitzen konnte. Ich nickte und deutete ein Laecheln an, nicht mehr, um sie nicht zu Vertraulichkeiten zu ermuntern. Doch meine Zurueckhaltung erfuellte ihren Zweck nicht. Schon bevor wir die naechste grosse Kreuzung erreicht hatten, richtete sie das Wort an mich: „Junger Mann, haetten sie wohl die Freundlichkeit, mir an der Haltestelle Herkules-Allee Bescheid zu geben?“ Irritiert blickte ich auf. Schon zum zweiten Mal an diesem Tage hatte mich jemand als „jungen Mann“ bezeichnet. Ich wusste nicht genau, was ich davon halten sollte. Beim ersten Mal haette ich muehelos der Grossvater sein koennen, also tat ich die Anrede als Floskel ab. Meine Busnachbarin und mich trennten hingegen nur wenige Jahre, die sie aelter sein mochte. Mich raeuspernd beeilte ich mich zu antworten: „Gewiss, meine Dame, ich sage rechtzeitig Bescheid.“

„Danke fuer die Muehe!“ Sie erroetete leicht als sei sie ein junges Maedchen. Der Gedanke daran, dass sie und demzufolge auch ich einmal jung und sogar im aehnlichen Alter gewesen waren, verwirrte mich. […] Ich tat, als saehe ich aus dem Fenster, um die tristen Haeuserreihen oder die wenigen Fussgaenger zu betrachten. Insgeheim  beobachtete ich die Alte hinter vorgehaltener Hand. Ihre hellen, blauen Augen, die schon das Ende zu sehen schienen, ihr weisses, sorgfaeltig in Wellen gelegtes Haar und das von feinen Linien ueberzogene Gesicht, ganz wie Krakelee auf einem alten Gemaelde. Wenn ich mit den Augenlidern blinzelte, konnte ich mir muehelos vorstellen, wie sie in frueherer Zeit ausgesehen hatte. Ich ueberlegte, wie damals die Kategorien von Schoenheit benannt wurden. Flott, adrett, kokett. Welche Beschreibung haette ihr gegolten? Ein adrettes Hausmaedchen mit halber, spitzenumrandeter Schuerze, weiss und perfekt gestaerkt? Oder ein flotter Kaefer, ein bisschen vorlaut, modern und unabhaengig? Oder eine Kokette, die gern mit den Maennern schaekerte und nie etwas anbrennen liess?

Die weiche Stimme der Ansagerin liess mich aufschrecken: „Herkules-Allee.“[…]

„…Ach der mit der Axt!“ Lesung von OL in Berlin

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20160122_215700.jpgfoto: fantaghiro

A splendid event in Berlin- Prenzlauer Berg! The world-beating cartoonist OL was here and read autobiographic details from his new book „Forelle Grau – Die Geschichte von OL“. His childhood in the GDR was marked by dictatorship and blows of fate, but he was young and full of grim sense of humor. This kind of humor you can notice in each of his cartoon strips, which he is publishing in well-known newspapers and journals like Berliner Zeitung, Tagesspiegel, zitty or tip. OL’s life can be characterized by his search for freedom without lamentation.

Ein famoser Abend im Prenzlauer Berg, es fühlte sich an wie zu alten Zeiten, zumal nach der Lesung Zigaretten heraus geholt und geraucht wurden. Dazu dudelte die lautstarke Juke Box und verbreitete Stimmung. Übliche Szenegänger waren kaum auszumachen, eher Freunde, Wegbegleiter oder (ehemalige) Ureinwohner des Bezirks. Jochen Schmidt von der Lesebühne Chaussee der Enthusiasten wurde ebenfalls gesichtet. Mit einer Viertelstunde Verspätung rauschte ein gut gelaunter Knut Elstermann (bester Filmkritiker) herein – direkt aus den Jurten am Potsdamer Platz kommend, um die Lesung von OL, dem weltbesten Cartoonisten zu moderieren. Da die Räumlichkeiten vom Bötzowbuch den etwa 50, 60 Besuchern nicht standhielten, wurde die Lesung in die Jugendwerkstatt gleich um die Ecke verlegt.

Mit leiser, doch beeindruckend intensiver Stimme las OL aus seinen Jugenderinnerungen in der DDR, die er in Berlin und Potsdam verlebte, unterbrochen von Elstermanns Fragen. OL, der seit Jahren regelmäßig in Zeitungen und Zeitschriften wie zitty, Berliner Zeitung, tip, Tagesspiegel u.a. publiziert(e), hat mit „Forelle Grau – Die Geschichte von OL“ das Terrain der vertrauten Cartoons verlassen und sich den Schicksalsschlägen seines Lebens und den Absurditäten in der Diktatur zugewandt, die er unprätentiös und sogar mit Humor zu nehmen wusste. Wie Knut Elstermann ganz richtig bemerkte, blieb den Zuhörern jedoch häufig das Lachen im Halse stecken. Es geht um Jungsein, Freundschaft, Liebe, Stasi, Verhaftungen, Schlagfertigkeit, Verlassensein, Kunst und unbedingte Freiheit. Kein Lamento, keine Gefühlsduselei. Gequält hat OL sich beim Schreiben und nein, eine Fortsetzung wird es nicht geben, sagt er.

Wer wissen will, wie sich Alltag in der DDR anfühlen konnte, lese.

Zum Schluss der Aufruf, OL gute Witze zuzusenden, denn für die Zeit seines Sommerurlaubs muss er unendlich viele Cartoons im Voraus produzieren. Als Dank versprach er das Original des Cartoons, jedenfalls dem anwesenden Publikum.

PS: Als OL eines schönen Abends mit einer Axt und mit ein oder zwei Flaschen Wein, beides als Geschenk, unterwegs zur Party eines Freundes war, hielt ihn die Volkspolizei auf, weil sie ihn verdächtigte, am Einbruch in ein Geschäft beteiligt gewesen zu sein und den Wein gestohlen zu haben. Die Wirtin, bei der er zuvor den Wein erstanden hatte, erinnerte sich unglücklicherweise nicht sofort an ihn, sondern erst auf energisches Nachfragen: „Ach der mit der Axt…“ und ersparte OL die üblichen Unannehmlichkeiten. Wir wünschen ihm immer so viel Glück. Auf allen Wegen.

Aus meiner Schreibstube: Handwerker Hannes XIX – Silvestermetropole

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt / Aus meiner Feder“ gewähre ich Einblicke in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder Sondereditionen stammen. Hier nun eine Fortsetzung der Geschichten um Handwerker Hannes – wie immer im Auszug und im Berliner Dialekt.

Handwerker Hannes
XIX – Silvestermetropole

30. Dezember 2015

Einen Tag vor Silvester sind die Straßen in Berlin leer und die Geschäfte voll. Glücklicherweise habe ich schon alles erledigt und muss mich von der Hektik nicht anstecken lassen. Die Sonne scheint, ich will mir ein wenig Wind um die Nase wehen lassen und gehe nachmittags spazieren. Schon von weitem erkenne ich die Gestalt von Hannes, meinem Leib- und Magen- Handwerker sozusagen. Als er sich nähert, ist er völlig außer Atem, stellt seine schweren Taschen auf der Straße ab und spricht:
„Icke bin janz schön aus de Puste!“
Sein Kopf ist hochrot, er reißt sich die Mütze herunter:
„Icke war im Centa einkoofen, da war wat los! Jede Menge Leute. Und die Hitze! Ick hasse dit! Man weeß nich’ wohin mit seine Klamott’n, schleppt sich halbtot anne Einkäufe.
Zur Abkühlung könnte icke in’n See springen wie so’n Eisbader im Orankesee.

[…]
Icke! Wo ick doch nu’ Vertreta vonne Weltstadt Berlin bin, um nich’ zu saren Metropole. War’n wa ja schon mal, vor jut hundert Jahr’n, die berühmt-berüchtichten Joldenen Zwanzija. Aba dit is’ lange her, kann sich keena mehr erinnan.
Vorhin habick im Centa nämlich Radionachricht’n jehört […], dass Berlin in diesem Jahr die 30-Millionen-Marke knackt.“

Er wartet auf mein verwundertes Gesicht, das ich tatsächlich präsentiere.
„Icke meene nich’ die Schulden, da ha’m wa ville mehr zu biet’n als nur die poplijen 30 Mille. Scherz beiseite. Aba wir ha’m so ville Besucha in nur ee’m een’zjen Jahr, nämlich in diesem! Is’ dit zu gloo’m? 30 Milljonen Leute rollkoffan hier durch de Jejend, woll’n prima saufen oda sich an uns’re braunen Vajangenheit een’ abgruseln? War ick janz schön perplex, sare ick Ihn’! Wo sind die bloß alle? Hier in uns’re Jejend dringt wohl keena vor, es staut sich mehr inne City. Also, wat der werte Jast sich so als City vorstellt, jemess’n an sei’m Dorfanga. Dem nett’n Berlina wird ja allahand nachjeschrieen und jerne Größenwahnsinn untastellt, wat ick mia tunlichst vabitte, doch wat wahr is’ muss wahr blei’m! Wir ha’m nämlich nich’ nur eene City wie and’re Leute, sondan sojar drei Stadtzentren. […]

Beim Anheben seiner vielen großen Taschen murmelt er: „Eene Milljon Menschen soll’n morjen zum Jahreswechsel an’s Brandenburja Tor komm’! Ick fasset nich! Eens is’ sicha, ick bin nich’ da, ick tanze mit meena Süß’n Foxtrott um Mittanacht. Zu Hause!“

Bye-bye. Zum Abschied der Lesebühne „Chaussee der Enthusiasten“

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Chaussee der Enthusiasten Straßenschildchaussee der enthusiastenFotos: Chaussee der Enthusiasten

Bye-bye! A fine Berlin reading stage is closed forever. The Lesebühne „Chaussee der Enthusiasten“ was one of the oldest reading stages, existed 16 years. And the nicest authors of the City – the own statement and besides me –  read every Thursday evening. The only comfort is: we have another splendid reading stages like Surfpoeten,  LSD,  Reformbühne Heim & Welt, Fox and Sons et al.

Enjoy the „enthusiastic“ song playlist and the quiz below.

Die Chaussee der Enthusiasten machen Schluss. Eine Ära geht zu Ende. Nach gefühltem Immer-Dasein wird es eine Lesebühne weniger in Berlin geben. Es gab sie 16 Jahre, was in einer schnelllebigen Stadt wie Berlin sehr lange ist. Die längste Zeit konnte der geneigte Zuhörer die Helden der Lesebühne auf dem RAW-Gelände Friedrichshain treffen, jeden Donnerstag, in wechselnden Formationen. Ich erinnere mich an den Beginn des Phänomens, als an allen Ecken und Enden der Stadt Lesebühnen wie Pilze nach einem warmen Sommerregen aus dem Boden schossen. Eine der ersten und wunderbarsten war die Chaussee der Enthusiasten, nach eigener Aussage die mit den schönsten Schriftstellern Berlins (siehe Foto 😉 ). Die da sind: Jochen Schmidt, Dan Richter, Stephan Serin, Andreas Kampa. Robert Naumann, Kirsten Fuchs, Volker Strübing, Andreas Gläser.

Am vergangenen Mittwoch feierten sie tränenreich Abschied in der Alten Kantine. 250 Zuschauer kamen und lauschten den alten und neuen Texten, huldigten mit standing ovations. Alle waren ergriffen. Weil ein Urgestein der Berliner Lesebühnenkultur dicht macht. Mitglieder anderer Lesebühnen machten ihre Aufwartung. Es bleiben Reformbühne Heim & Welt, Surfpoeten, LSD und einige andere.

Nun sind sie weg. Und haben versprochen, von sich hören zu lassen. Ein Sprössling sei genannt: die Lesebühne Fuchs und Söhne. Wir harren der Dinge.

Und hören derweil die letzte und All Time Favorite Playlist der Chaussee-der-Enthusiasten-Pausen-und-Disco-Musik (Quelle: facebook 13.12.2015):

1. The Roots Cody Chestnutt – The Seed (3:19)
2. Goldfrapp – Lovely Head (3:47)
3. Frank Popp Ensemble – HipTeens don’t wear blue jeans (3:45)
4. Outkast – Hey Ya (4:08)
5. Jonathan Richman – When She Kisses me (3:25)
6. Leningrad – Polnye karmany (4:06)
7. The Lion / Bing Crosby (2:54)
8. Gerald Clark / Man Smart – Woman Smarter (3:02)
9. Strokes – Room On Fire – 12:51 (2:33)
10. Seeed – Dickes B (4:45)
11. Wir sind Helden – Guten Tag (3:35)
12. MIA – Paper Planes (3:23)
13. The Streets – Let’s Push Things Forward (3:45)
14. TOCOTRONIC – Drüben auf dem Hügel (2:13)
15. The Pogues – Dirty Old Town (3:46)
16. AG Geige – Fischleim (2:08)
17. Eminem – Lose Yourself (5:22)
18. camille – le fil – ta douleur (3:06)
19. Noir Desir & Manu Chao – Le Vent Nous Portera (4:48)
20. serge gainsbourg – elisa (2:28)
21. Alizée – Moi … Lolita (4:25)
22. leroy anderson – the typewriter (1:37)
23. Reinhard Mey – Gute Nacht Freunde (2:46)

Um die Abschiedstränen zu trocknen, gibt es ein Quiz. Die Frage: Welches Stück hat wer von den Enthusiasten vorzugsweise aufgelegt?

Was es zu gewinnen gibt, überlegen sich die Enthusiasten und ich gerade. Versand innerhalb Deutschlands, würde ich mal sagen. Mitmachen ab 12 Jahre erlaubt. Einsendeschluss 24.12.2015, 0 Uhr. Viel Glück!