Schlagwort-Archive: Feuilleton

Such mich / Search for me No. 5

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Mein blog wird gern gelesen, was mich freut. Interessant ist manchmal, wie die Leser auf  mich stoßen, welche Stichworte sie bei der Suche eingeben. Hier einige Kostproben:

Many people like my blog. It’s very interesting for me to see which keywords are relevant to locate me. Here is a little taste:

1. skandinavisches viertel prenzlauer berg: Ab und zu begebe ich mich auf Spurensuche und unternehme Stadt- und Landgänge, diesmal im viel geliebten Stadtteil Berlins, Prenzlauer Berg.

2. milchmanns: ein Lieblingskaffeehaus, nicht nur für Autoren.

3. rote grütze-geschichten: Mein Hermann, den ich mal geschenkt bekam, wohnte in einem Rote-Grütze-Plastikeimer, bevor ich mich seiner liebevoll annahm und in eine Keramikschüssel einziehen ließ.

4. vatikanbrot geschichte: Hermann aka Vatikanbrot… siehr Nr. 3.

5. kompott duden: Du sollst Dein Kompott nicht essen, bevor Du nicht im Duden die Schreibweise nachgeschlagen hast? Jedenfalls merkte ich an, dass man den Rumtopf auch als Kompott genießen kann. Vielen Dank an meine Blog-Kollegin von Alte Liebe Hamburg, die mir freundlicherweise das Foto und das Rezept zur Verfuegung gestellt hat.

6. mit beiden augen, grafik, wolfgang würfel: Der Maler Wolfgang Würfel hat in seinem Schaffen ua. 1000 Feuilletons von Heinz Knobloch mit Vignetten versehen, die Rubrik in der „Wochenpost“ hieß „Mit beiden Augen“.

7. schreibwettbewerb 2015: Nun schon zum zweiten Mal veranstaltete ich im Rahmen meiner Schreibwerkstatt ZeilenZauber einen Schreibwettbewerb, diesmal zu Thema „Frieden“, es nahmen etwa 100 Kinder teil!

8. tausendsassa duden: In meiner Rubrik „Versunkene Schätze“ spüre ich vergessenen Wörtern nach, hier also „Tausendsassa“.

9. claudius von stolzmann new york: Da hat wohl jemand meine BERLINALE-Rezension des Films „Kopfueber – Upside down“ gefunden!

10. osterhase kiepe zeichnen: Beim Zeichnen konnte ich sicher nicht behilflich sein, aber über den Ursprung der Kiepe aufklären.

Ich wünsche, wohl gelacht zu haben.

Versunkene Schätze / Hidden treasures: Flitzpiepe

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In this column „Versunkene Schätze“ I describe hidden words, i.e. „old“ and unusual words.

The word ’nitwit‘ is neither an old nor an unusual but a funny word. It was used by our grandparents. Its meaning varies between the abuse of strange persons and parent’s disproval that fortune favors fools (one got  a good grade at school for doing nothing). There is no entry about the meaning of the german word „Flitzpiepe“ in any lexicon including Grimm. But let me try my own definition: It is a blatherskite having crazes which is to weak or stupid completing his ideas but incite another person. In case of a failure, the „Fltzpiepe“ is the first person which is absent but left the other person into trouble or better Schlamassel .

Mit spitzer Feder kämpfe ich für die Erinnerung an verschwundene Wörter der deutschen Sprache. Deshalb werden in meinem blog unter dem Titel „Versunkene Schätze“ in losen Abständen Wortschätze ans Licht gehoben. Viel Vergnügen beim Entdecken!

Gut, ein versunkener Schatz ist „Flitzpiepe“ vielleicht nicht gerade, aber als ich das Wort eben las, musste ich so laut lachen, dass ich sofort nachschauen musste, was es damit auf sich hat. Die Leute, die jetzt im Großeltern-Alter sind, hatten die Flitzpiepe noch im aktiven Wortschatz. Ich erinnere mich jedenfalls, dass ich es als Kind häufig gehört habe. Es klingt sehr lustig, changierte in seiner Bedeutung jedoch zwischen übler Beschimpfung fremder Personen und anerkennend-belustigter Missbilligung durch beispielsweise die Eltern, wenn das Kind „mehr Glück als Verstand“ hatte und gerade so eine gute Zensur in einem Unterrichtsfach erlangt hatte, ohne dafür genügend gelernt zu haben.

Zur Herkunft befragt, sind Grimms leider ratlos und auch das allgewaltige Internet hat außer ein paar wackeligen Synonymen nichts zu bieten. Nur ein Befund hat ergeben, dass es sich um einen Ausdruck im Berliner Dialekt handeln solle, woraufhin ein Spaßvogel antwortete, es gäbe auch sächsische Flitzpiepen 😉 Hier ist also noch Aufklärungsbedarf. Was sagt die österreichische Leserschaft zu den Flitzpiepen? Oder die Urberliner?

Das Etymologische Wörterbuch kennt nur „flitzen“ und „piepen“, keine „Flitzpiepen“.

Flitzen bezeichnet seit dem 19. Jahrhundert eine pfeilschnelle Bewegung, da das altfranzösisch „fleche“ für Pfeil zugrunde liegen soll. Daher hatte „flitzen“ im 16. Jahrhundert noch die Bedeutung von „fliegen“, konserviert in dem Wort „Flitzebogen“, dem alten Kinderspiel, in dem die Kinder mit Pfeil und Bogen üben. Heute sind die Flitzer auf der Straße oder im Stadion zu beobachten: entweder als kleine, schnelle Autos oder als nackte Personen, die während der Fernsehübertragung durchs Bild huschen…

Lautmalerischer Herkunft ist das „Piepen“ als heller, preifender Ton, den Vögel und kleinere Tiere von sich geben. Mit piepsiger Stimme zu sprechen zeugt von Schwachheit oder Kranksein. Umgangssprachlich hat man einen Vogel oder einen Piep, wenn man „fixe Ideen im Kopf hat, überspannt oder verrückt“ ist. Zur „Piepe“ wäre noch einiges zu sagen im Hinblick auf die niederdeutsche Piepe zum Rauchen und zu den umgangssprachlich so genannten Piepen (= Geld), die man selten in genügender Menge zur Verfügung hat. Aber ich wende mich ab und versuche eine allseits erhellende Definition:

Flitzpiepe: ein Großmaul mit fixen Ideen, der selbst zu schwach oder zu dumm ist, sie auszuführen, jedoch Andere dazu anstachelt. Wenn die Sache schief geht, ist die Flitzpiepe die erste, die sich schnell weg duckt,  davon huscht und den Anderen im Schlamassel sitzen lässt.

Im Englischen wird übrigens „nitwit“ als Übersetzung angeboten.

Gedenkminute: „Wochenpost“ zum 60. Geburtstag am 22. Dezember 2013

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Wochenpost LogoPhoto: ddr-comics.de

Why do I remember on a newspaper which is not available since nearly 20 years?

In december, 22nd 1953 a new weekly-released journal „Wochenpost“ appeared for the first time quite after the rebellion in June. Soon, it became the family journal of the GDR. Away from the usual propaganda, it presented modern topics in a casual manner. In their best times, the „Wochenpost“ had a circulation of about 1.25 million newspapers. But every newspaper was read along 4 other people to reach 5 million people in a country of about 17 million inhabitants.

The „Wochenpost“ based on the newspaper „Grüne Post“ dated back to the 1920’s. It had a mixture of totally different topics like the legendary feuilleton of  Heinz Knobloch supplemented by the graphics of Wolfgang Würfel or the court report by Rudolf Hirsch breaking the taboo of no crime in the GDR. Inimitably are also the small advertisements or the childreen page. Every article had aroused many discussions in the editorial office which were mainly carried out in the cafeteria. A process totally unusual in this time…

That’s why I did remember on this newspaper. It was special among all propaganda journals of the GDR. The editorial office took the reader seriously and reassured them to master the everyday life. (translation Doc T.)

Warum erinnere ich an eine Zeitung, die schon seit fast zwanzig Jahre nicht mehr in den Kiosken zum Verkauf ausliegt?

Am 22. Dezember 1953 gegründet als beruhigende Antwort der DDR-Regierung auf die Arbeiteraufstände im Juni, wurde die „Wochenpost“ die Familienzeitschrift der DDR. Abseits der allgemein üblichen Phrasen in den übrigen Zeitungen (Ausnahmen bilden der „Eulenspiegel“, „Das Magazin“ und wenige andere) bot sie in lockerem Ton moderne Themen für ein Millionenpublikum an. In ihren besten Zeiten erreichte die „Wochenpost“ eine Auflage von 1,25 Millionen Exemplaren plus jeweils vier mitlesende Personen pro Ausgabe. Das bedeutete bei einer Gesamtbevölkerung von 17 Millionen Bürgern eine Reichweite von 5 Millionen Lesern!

Basierend auf der in den 1920er Jahren erschienenen „Grünen Post“, präsentierte die wöchentlich bis 1996 erscheinende „Wochenpost“ einen bunten Mix in verschiedenen Rubriken. Legendär ist beispielsweise die Rubrik „Mit beiden Augen“ des Feuilletonisten Heinz Knobloch und des Graphikers Wolfgang Würfel, der mit seinen famosen Vignetten Knoblochs Feuilletons kongenial umsetzte. Ebenso beliebt und viel besprochen waren die Gerichtsreportagen von Rudolf Hirsch, weil sie unspektakulär daher kamen und einen Einblick in die ansonsten tabuisierte Welt des Verbrechens erlaubte. Einzigartig war gleichfalls der sonst unübliche Kleinanzeigenmarkt und die „Kinder-WoPo“ für den Nachwuchs.

Über Artikel wurde innerhalb der Redaktion oft stundenlang gestritten, die Diskussionen fanden ihre Fortsetzung in der Kantine, wie Knobloch berichtete: „… hier wurden Probleme diskutiert, wie sie in den Versammlungen nie zur Sprache gebracht werden konnten. Hier lernte man Zuhören und Fragen.“ Vor allem das Fragen war in dieser Zeit ungewöhnlich.

Deshalb erinnerte ich an diese Zeitung, weil sie so besonders war in der ansonsten gleich geschalteten Medienlandschaft der DDR. Weil die „Wochenpost“ ihren Lesern Mut machte, den mit den vielen kleinen  Entwürdigungen belasteten Alltag zu bestehen. Weil die Redakteure ihre Leser ernst nahmen.

Berliner Stadtgang: Es lebe die Musik!

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Das Kind soll sich musisch bilden und will ein Instrument spielen lernen. Es hat Vorkenntnisse, weil ein Musikschullehrer in die Schule kam, um Unterricht anzubieten. Eine kleine Gruppe lernte ein Jahr lang Gitarre spielen mit mäßigem Erfolg. So weit so gut.

Ein plötzlicher Schulwechsel mitten im laufenden Schuljahr beendete die im Grunde praktische Zusammenarbeit, denn dem Kind wurde es als nunmehr Schulfremde sofort verboten, weiter am Unterricht teilzunehmen, obwohl es gern weiter gelernt hätte. Also wurde auch die Zahlung von Elternseite eingestellt. Das rief die Musikschule auf den Plan, die gern zwei weitere Monate das Entgelt kassiert hätte. Erst nach mehreren persönlichen Gesprächen am Telefon mit sehr freundlichen Damen, die sich jedoch leider, leider nicht zuständig fühlten, aber uns grundsätzlich zustimmten, nach drei unerquicklich fordernden Mahnungen sowie diversen, enervierenden e-mails, klärte sich die Sache zugunsten der Eltern.

Nach längerer Eingewöhnung ein neuer Anlauf, das Gitarrespielen fortsetzen zu können. Neues Jahr, neues Glück. Jedoch alles In-der-Nachbarschaft-Umhören erbringt nichts Erfreuliches:

Der billigste Anbieter, ein bulgarischer Künstler, lebt zwar in der Nähe, aber in solch prekären Verhältnissen, dass dem Kind der Anblick leerer Bierflaschen und immenser klebender Unordnung nahe der Vermüllung nicht zugemutet werden soll. Via Internet wird ein Gitarrenlehrer, ein junger, aufstrebender Preisträger, in einer sehr freundlichen Nachricht angefragt, ohne jemals Antwort zu bekommen. Wahrscheinlich startet er eben seine Weltkarriere und hat keine Zeit für kleine, ungeschickte Kinderhände. Die private Musikschule in der aufgehübschten und gentrifizierten Querstraße bietet seltsamerweise nur E-Gitarrenunterricht an. Die Familie mag AC/DC, daran liegt das Missfallen nicht. Doch es schwebte allgemein Lagerfeuerromantik vor den geistigen Augen oder ein lustig geklampftes Wanderliedchen. Und ist E-Musik eher nicht etwas laut, ich frage nur im Sinne der Nachbarn.

Also wird die öffentlich geförderte, staatliche Musikschule hinzugebeten. Schlechte Erinnerungen, die von vor dem Fall der Mauer herrühren, werden flugs beiseite geschoben. Ist zu lange her und inzwischen werden nicht nur die Begabtesten gefördert und auch das Kind wird nicht ausgeschlossen werden, so wie es damals den meisten erging. Auch die Unterrichtsmethodik wird sich geändert haben und die Elitenförderung im Orkus gelandet sein.

Schon zwei Wochen nach der Anmeldung erreicht die harrende Familie eine Anwort. Maschinell erstellt und ohne Unterschrift gültig. Tenor: Sollte nach einem Jahr weiterhin Bedarf bestehen, müsste das Begehren nochmals schriftlich manifestiert werden. Wohlgemerkt in einem Jahr. Zum Trost darf unter einer kleinen Telefonnummer nachgefragt werden, wie lange die tatsächliche Wartezeit beträgt. Womöglich länger als ein Jahr.

Gedenkminute: Reiner Kunze zum 80. Geburtstag

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In the topic “Gedenkminute” I will remember on writers, thinkers and things around books, words and/or stories.

During my inquiry for the magister thesis about the East german feature writer Heinz Knobloch, I visited the widow who presented some books as gift. At home I realized that one book with the book cover „Heinz Knobloch – Pardon für Bütten“ contained the book of Reiner Kunze “Die wunderbaren Jahre” published in 1976 at Western Germany (BRD). The author Reiner Kunze had to leave the DDR in 1977. The government had banned him from his profession as writer. His poems and books were prohibited long ago, i.e. never saled or offered in libraries. In particular, the ownership was strictly forbidden and outlawed. But nonetheless, his work was read and circulated secretly. Someone wrote the texts by hand. It was the time where a teacher showing his pupils the journal of the National geographic was sent at home permanently. Pupil were sent at home when carrying a Blue Jeans or bringing a plastic bag with commercial to the school. Or, as Kunze wrote, carrying metal-rimmed glasses was a sign for decadence and one was under a cloud to be influenced by the “imperialistic vogue”. All these small denunciations and large betrayals of confidence were described by Kunze in his book “Wunderbare Jahre” so that the breath of the today’s reader caught. One has a feeling of the life in the small country called DDR…

Heinz Knobloch has hide the book of his friend between his own books for nearly 30 years until his death. Nobody knew it.

I read the book “Wunderbare Jahre” 29 years after the wall falls down. Since then, I’m fall for the poetry and eloquence of Reiner Kunze.

All the best for you to the 80th birthday, dear Reiner Kunze.

(Thank you for translation: doc T.)

In der Rubrik  “Gedenkminute” erinnere ich an Dichter, Denker und Dinge rund um Bücher, Wörter und Geschichten.

Während meiner Recherchen zur Magisterarbeit über den Feuilletonisten Heinz Knobloch besuchte ich auch dessen Witwe. Wir hatten ein sehr schönes Gespräch und zum Schluss durfte ich mir aus dem Nachlass Heinz Knoblochs einige seiner selbst geschriebenen Bücher als Geschenk heraussuchen. Als ich zu Hause eines dieser Bücher mit dem Titel „Heinz Knobloch – Pardon für Bütten“ auf dem Schutzumschlag aufschlug, war ich überrascht. Es befand sich nicht das Erwartete darin, sondern Reiner Kunzes „Die wunderbaren Jahre“. Die Ausgabe ist aus dem Erscheinungsjahr 1976, erschienen im S. Fischer Verlag Frankfurt am Main (Bundesrepublik Deutschland). Der Schutzumschlag ist fest verklebt mit dem Buch, sodass der wirkliche Titel nicht erkennbar ist.

Was es damit auf sich hat? Der Autor Reiner Kunze, dem durch Berufsverbot das Leben in der DDR unmöglich wurde, hatte 1977 die DDR verlassen und war in die BRD übersiedelt, Seine Gedichte und Bücher waren in der DDR längst verboten, sie wurden weder verkauft noch in Bibliotheken angeboten und der Besitz war strafbar. Und trotzdem fanden sie ihr Publikum, denn die Texte wurden in der DDR von Hand abgeschrieben und heimlich weitergereicht. In einer Zeit, als ein Geographielehrer, der die amerkanische „National geographic“ seinen Schülern im Unterricht zeigte, zur Strafe zwangsberentet wurde. Wo Schüler wieder nach Hause geschickt wurden, wenn sie in Blue Jeans oder mit einer Plastiktüte in der Schule erschienen. Die vom Schuldirektor nach einem erniedrigenden Gespräch gezwungen wurden, unliebsame Aufnäher der Friedensbewegung „Schwerter zu Pflugscharen“ von der Jacke abzutrennen, oder in Kauf zu nehmen, von der Schule verwiesen zu werden. Oder, wie Kunze schreibt, das Tragen von Nickelbrillen als dekadent galt und unter Verdacht des „imperialistischen Modeeinflusses“ stand. All diese kleinen Denunziationen und großen Vertrauensbrüche vermag Kunze in den „Wunderbaren Jahren“ so zu schildern, dass auch dem heutigen Leser der Atem stockt. Weil ein Nachspüren möglich wird vom Leben in diesem kleinen Land DDR

Heinz Knobloch hat das Buch seines Freundes fast 30 Jahre zwischen seinen eigenen Büchern versteckt und bis an sein Lebensende aufbewahrt. Niemand hat davon gewusst.

Ich las das Buch „Die wunderbaren Jahre“ 29 Jahre nach dem Fall der Mauer, und bin seitdem der Poesie und Sprachgewalt Reiner Kunzes verfallen.

Allerbeste Wünsche zum 80. Geburtstag, lieber Reiner Kunze.

Gedenkminute: Heinz Knoblochs 10. Todestag am 24. Juli 2013

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Foto1416From today  10 years ago, the most famous feature writer of the former GDR, Heinz Knobloch, died. He published his feuilletons in all relevant newspapers and journals. Some of them are collected in books with millions of readers. This ability to telling stories based on his childhood in Dresden where Knobloch spent much time with his grandparent. Instead to tell fairytales the grandfather explained him the libretti of popular and famous music operas. The grandma travelled with him along the river Elbe and showed him ‚the world without borders‘. There are borders between states but the landscape as well the people remained the same.

Today he was honored by a memorial tablet at his former flat in Berlin-Pankow.

Heute, vor 10 Jahren, starb der Feuilletonist der DDR.

Heinz Knobloch hat in nahe zu allen relevanten Zeitschriften der DDR seine Feuilletons veröffentlicht. Voranzustellen ist, dass der Zeitungsmarkt in der DDR stark reglementiert und reduziert war, also kein Vergleich zum heute überbordenden Angebot. Außerdem gab es für die meisten Leser keine Möglichkeit, auf ausländische Presseerzeugnisse zuzugreifen.

In den ersten zehn Jahren erschienen Knoblochs Arbeiten unter anderem im seit 1920 erscheinenden „Magazin“, in der führenden Modezeitschrift „Sibylle“, in der  beliebten Jugendzeitschrift  „Neuen Leben“, in der Frauenzeitschrift „Für Dich“, in der überregionalen Gewerkschaftszeitung „Tribüne“, in der „Wochenpost“ und in verschiedenen Regionalzeitungen. Um es salopp zu formulieren: An Knobloch kam niemand vorbei und seine Leserschaft wuchs stetig. Die Strategie, seine Feuilletons  in so vielen verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften zu platzieren, ging auf: eine Vielzahl von Lesern wurde aufmerksam und riss ihm die von nun an regelmäßig erscheinenden Feuilletonsammlungen Knoblochs schier aus den Händen. Die erste Sammlung, „Mir gegenüber“ ((1960) brachte er zusammen mit seinem Lehrer, dem Dichter und Schriftsteller, Reiner Kunze, heraus. Es folgten viele Dutzende andere.

Grundlagen für dieses außergewöhnliche Erzählvermögen wurden schon in Knoblochs Kindheit gelegt, die er zunächst in Dresden verlebte. Die ganze Familie, vier Generationen, wohnte gemeinsam in einer großen Wohnung mit fünf Zimmern am Elbufer, nahe der „Blaues Wunder“ genannten Brücke. Viel Zeit verbrachte der Junge mit seinen Großeltern, die ihn auf vielfältige Weise förderten. Der Großvater hörte mit seinem Enkel Opernmusik oder Operetten und erzählte ihm die Libretti der Opern anstelle von Märchen. Mit der Großmutter bereiste Knobloch die an der Elbe gelegenen Orte, bis ins Böhmische hinein. Während dieser Reisen lernte der Junge vielleicht, den Blick zu öffnen für die kleinen Dinge, die nebenbei, am Wegesrand passierten und doch für die Bewohner – und manchmal sogar für die ganze Welt – Bedeutung erlangen. Möglicherweise hat ihm gerade hier die Großmutter gezeigt, wie nichtig willkürlich gezogene Grenzen für das Denken sind, und dieses „weltbürgerliche“ Denken hat Knobloch in der Enge des kleinen Landes DDR begleitet und scheint durch viele seiner Feuilletons hindurch.

Seit heute gibt es an dessen Wohnhaus in Berlin-Pankow für Heinz Knobloch, der vielen anderen Berliner Persönlichkeiten eine Gedenkplakette ermöglichte, eine Gedenktafel.

© Andrea Maluga

„Mit beiden Augen. Heinz Knoblochs Feuilletons in der ‚Wochenpost'“ (Magisterarbeit)

Gedenkminute: Victor Auburtins 85. Todestag

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This is a minute’s silence for an author – the name was Victor Auburtin. He was a feature writer and he wrote small pieces – feuilletons – for an exited audience in the Berlin newspapers. His grandfather came from France and was the royal chef in Berlin. Auburtin was a Frenchman in Berlin in the Roaring Twenties. He liked to travel to Rome, Madrid, Paris and he was an excellent reporter. But never he reported about sensations! He wrote poetical, precise  „short stories“, sparkling like diamonds.
He died 85 years ago.

Es lebte bis vor 85 Jahren ein Mann namens Auburtin, sein Vater nannte ihn Victor, der Sieger. Ob er sich „Obertäng“ aussprach wie seine französischen Vorfahren oder Aubertin, so, wie es geschrieben steht, weiß heute niemand mehr zu sagen. Sein Großvater war Leibkoch am preußischen Hofe, er selbst ein reisender Berliner, der sein Geld mit Geschichten verdiente.

„Vor mir auf dem Tische liegen drei Bogen Papier, liniiert, etwas gelblich. Daneben ein gut angespitzter Tintenstift. Ich untersuche diesen Tintenstift und bemerke, daß sein Name ist: Dessin Wilson 416 B. Und mehr Werkzeug brauche ich nicht, um der berühmteste Mensch der Welt zu werden.“ (Auburtin, 1921)

Der berühmteste Mensch der Welt war er wohl nicht, aber seine Feuilletons begeisterten die deutschen Leser. Er schrieb für das Berliner Börsenblatt, den Simplicissimus und das Berliner Tageblatt.  Als Korrespondent berichtete er aus Paris, Madrid und Rom. „Von den anderen Journalisten unterschied ihn allerdings, dass er nur an Plätze ging, wo unter Garantie nichts los war, kein Eisenbahnunglück, kein Attentat, kein Krieg, keine Verschwörung, nichts. Auburtin – und das war sein Erfolg als Schriftsteller – mied jede Sensation wie die Pest.“ (Walther Kiaulehn, 1957)

Mit 57, am 28.6.1928, starb Auburtin an den Folgen jahrelanger Internierungshaft in Frankreich, die er als feindlicher Ausländer nach Ausbruch des I. Weltkrieges erdulden musste. Seine Feuilletonsammlungen bleiben, sie heißen zum Beispiel „Die Onyxschale“, „Ein Glas mit Goldfischen“ oder „Einer bläst die Hirtenflöte“.

Der Feuilletonist Heinz Knobloch hat 1970 /2000 eine Zusammenstellung von Auburtins Texten herausgegeben: sein Werk „… bietet unterrichtsreife Sprache, Zeitungsdeutsch im besten Sinne, präzise, einfach und poetisch“.

Gedenkminute: Wolfgang Würfel

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Herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag, Wolfgang Würfel!

Geboren am 31. März 1932 in Leipzig, studierte W. Würfel ab 1950 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Prof. E. R. Vogenauer, Prof. A. Mohr, Prof. Werner Klemke u.a. Anschließend arbeitete er freiberuflich als Maler und Grafiker und illustrierte Kinderbücher, Schul- und Lehrbücher usw. W. Würfel nahm an vielen Ausstellungen teil und erhielt bedeutende Auszeichnungen.

Von 1968 bis 1988 versah er insgesamt 1000 (in Worten: eintausend!) Feuilletons von Heinz Knobloch (siehe Gedenkminute auf diesem blog vom 1. März 2012), die wöchentlich in der „Wochenpost“ erschienen sind, mit seinen Vignetten – kleinen, gedankenvollen Kostbarkeiten.
Seit mehr als 30 Jahren lebt und arbeitet W. Würfel nördlich von Berlin, im brandenburgischen Glienicke / Nordbahn.

WoPo 6/1969 zu "Wenn wir schreiben"

Vignette von Wolfgang Würfel
zu Heinz Knoblochs Feuilleton „Wenn wir schreiben“,
erschienen in der Wochenpost Nr. 6/1969 unter der Rubrik „Mit beiden Augen“

Gedenkminute: Heinz Knobloch

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Am 3. März 1926 erblickte ein Dresdner das Licht der Welt, der als Journalist jahrzehntelang nicht nur den Berlinern, sondern auch allen Deutschen in Ost und West Schönes, Bemerkenswertes, Kritisches und abseits Liegendes vor Augen führte.

Heinz Knobloch tat das in diversen Sammelbänden sowie allwöchentlich in der Wochenpost, in der er das Feuilleton in der Rubrik „Mit beiden Augen“ zu neuen Ehren brachte. Eine Besonderheit waren die vom Graphiker  Wolfgang Würfel hinzugefügten Vignetten, die einen zweiten Blick auf das jeweilige Thema erlaubten.

Knobloch lebte in der DDR und traute sich, mit unschuldigem Blick über Tabus zu schreiben, er zeigte mit viel Würde seinen Landsleuten die Schönheit oder Bedeutung allerkleinster Ortschaften und durch seine Texte wehte der Hauch der großen, weiten Welt. Kunstvoll baute Knobloch kleine, funkelnde Gebilde, die sich um verschiedene Themen rankten: Berliner Geschichte, jüdische Künstler und Gelehrte, Porträts, Reisen, Rezepte…

Seine Lehrer waren der Feuilletonist Victor Auburtin, der Dichter Reiner Kunze und… das Leben.

Aus urheberrechtlichen Gründen kann an dieser Stelle kein Beispiel eingefügt werden, aber mit Fug und Recht wird hier behauptet, dass jeder Sammelband von Knobloch sein Geld wert ist, wenn eine Bekanntschaft erwünscht ist!

Heinz Knobloch starb am 24. Juli 2003 in seiner Wahlheimat Berlin.