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Schrebers Garten: Rumtopf – Rezept, Herkunft und Santiano

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AlteLiebeHamburgFoto: Alte Liebe Hamburg

Da das Fliederblütensirup-Rezept immer wieder gern aufgerufen wird, bin ich gleich aufmerksam geworden, als ich das schöne Rezept für das Ansetzen eines Rumtopfs bei AlteLiebeHamburg sah. Ich habe mir das freundliche Einverständnis geholt, dass ich das Rezept hier weiter empfehlen darf.

Natürlich ist das bloße Kopieren nicht meine Art, deshalb musste ich mich sogleich kundig machen, was es mit dem Rumtopf auf sich hat und welche Geschichte dahinter steckt. Ich selbst verbinde ehrlich gesagt mit „Rumtopf“ die 1970er Jahre, alles in allem eine ziemlich altmodische Angelegenheit, noch niemals selbst ausprobiert. Immerhin besitze ich Großmutters Steintopf (siehe wie auf dem Foto), den ich allerdings zum Aufbewahren der Kartoffeln nutze.

Krünitz kennt 1820 noch keinen Rumtopf, weiß jedoch zu vermelden, Rum sei „eine Art  Branntwein welchen man in Westindien aus dem Rückstande beim Auskochen des Zuckerrohrs bereitet“.

Grimms bestätigen das und meinen, „das ziemlich junge wort stammt aus engl. rum, woher auch franz. rum, rhum, dän. rum. sein ursprung ist wol wie der der sache in Westindien zu suchen“. Als Verwendungsbeispiel des Wortes Rum nennen sie die letzte Strophe aus Friedrich Gottlieb Klopstocks „Der Denkstein“:

„…wenn er, von jungem rumm
durchdampft, einst umfällt, müsse den schatten ihm
Stortbeckers schatten, in des rothen
Phlegethons wogengezisch, kielholen!

Da neben der giechischen Flussgottheit Phlegethon auch der Seeräuber Klaus Störtebeker bei Klopstock mit im Spiele ist, scheint der Rumtopf eine eher norddeutsche Angelegenheit gewesen zu sein 😉 Schön ist, dass ich das Rezept auch von dort erhalten habe!

Hier ihre Anleitung:

„In einen Rumtopf gehören verschiedene Früchte der Saison: Erdbeeren, Kirschen, Mirabellen, Aprikosen, Pfirsiche und Birnen.

Sie benötigen einen gut gereinigten Steintopf mit einer ca. 3 Liter Fassungsgröße für 1 kg Früchte, 1 Liter Rum (mind. 40%), 1/5 Liter Alkohol (90%) und 1 kg Zucker. Beginnen Sie mit dem Beerenobst. Das Obst putzen, waschen und gut abtropfen lassen. Wenn Sie Kirschen verwenden möchten, brauchen diese nicht entsteint werden. Früchte wie Aprikosen, Pfirsiche oder Birnen werden geschält und in schmale Streifen geschnitten. Dem jeweiligen Obst fügen Sie immer die gleiche Menge Rum und Zucker zu.  Den Rumtopf ab und zu umrühren und an dunkler und kühler Stelle zugedeckt stehen lassen. Genießen Sie ihren Rumtopf 5 Wochen nach der letzten Frucht-Rum-Zucker-Zugabe.

Einen Rumtopf können Sie auch portionsweise in Flaschen abfüllen, mit einem hübschen Etikett versehen und als kleines Mitbringsel oder Geschenk überreichen. Steintöpfe, wie auf dem Foto, gibt es bei uns im Shop von AlteLiebeHamburg zu kaufen.“

Wohl bekomms! Übrigens schmeckt Rumtopf auch als Kompott!

Als Song für Rumtopf-Betreiber empfehle ich das Lied der Flensburger Band  Santiano: Wir brauchen Rum!!!

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Schreibwerkstatt: Schauschwemmen

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Schauschwemmen

Was tun an einem heißen Sommertag im oberösterreichischen Mühlviertel?

Vielleicht diesem Rat folgen:

…Der Vorschlag unserer Wirtin kam gerade recht, die uns riet, in den Böhmerwald hinaufzufahren und in der Kühle des Waldes zu erleben, wie die Waldarbeiter 100 Jahre lang Brennholz nach Wien transportierten. Wir, Marie, Albert und ich, fuhren Richtung Aigen zum auf der Höhe gelegenen Haagerhof, von dem rechtsab ein Waldsteig zur tschechischen Grenze führte. Hohe Fichten standen dicht beieinander. Vögel zwitscherten munter und die Baumwipfel ließen gerade so viel Sonnenlicht hindurch, dass wir die Heiterkeit des Sommers genießen und die brütende Hitze vergessen konnten. Manchmal ließ sich der Wanderweg schwer erkennen, weil Forstarbeiter mit ihren riesigen Maschinen die Erde zu matschigen Furchen aufgewühlt hatten. In der Ferne hörten wir Blasmusik. Hatte das Schauspiel schon begonnen? Marie eilte voraus und sah als erste den Schwemmkanal am Iglbach.

Dutzende Zuhörer drängten sich auf der Holzbrücke und am Kanal entlang und lauschten den Ausführungen des Schwemmdirektors, der mühelos zwischen deutschen und tschechischen Sätzen hin und her wechselte. Auf der kleinen Brücke staken 20, 25 Schwemmhaken, jeder an einem zweieinhalb Meter langen Holzstiel, befestigt, hoch in die Luft. Der Direktor erzählte davon, dass die Wiener Bevölkerung vor 250 Jahren, als der Wienerwald längst abgeholzt war, entsetzlich unter der Winterkälte litt. Gleichzeitig bot der Böhmerwald begehrten Reichtum an Brennholz, aber niemand hatte eine Idee, wie das Holz den langen Weg nach Wien zurücklegen könnte. Denn zwischen dem Böhmerwald und Wien liegt der Waldkamm, die Kontinentale Wasserscheide, die die Flüsse des Nordhanges in die Nordsee und die Flüsse des Südhanges ins Schwarze Meer führt. Das Wasser  braucht 13 Tage, um über Moldau und Elbe in die Nordsee zu gelangen und 32 Tage, um über die Donau ins Schwarzen Meer zu fließen. Moldau und Donau mussten also miteinander verbunden werden und Forstingenieur Rosenauer kam der Gedanke, einen Kanal zwischen beiden bauen zu lassen. Er bat den Fürsten Schwarzenberg um Unterstützung und der von vielen belächelte und doch so geniale Plan eines ausgeklügelten Systems von Schleusen, Kanälen und angestauten Seen wurde wahr. Für einhundert Jahre versorgte der Böhmerwald die Hauptstadt Wien mit Holz.

Wir waren längst hinzugetreten und staunten über die unglaubliche Geschichte, hörten deutsche und tschechische geflüsterte Wortfetzen der Besucher, die bunt gemischt im alten Niemandsland des Kalten Krieges standen. Vor uns das zweisprachige Schild: Achtung Staatsgrenze! Mit dem tschechischen Staatswappen. Vor 25 Jahren trennte dieser Wald als Eiserner Vorhang Ost und West und die Einheit des Böhmerwaldes zerbrach…

Mehr über das idyllische Mühlviertel wieder hier auf diesem blog!

Weiterhin schöne Ferien!

Schreibwerkstatt: Sommer

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Sommer

Das Dorf lag am Ende der Welt. Dreiundfünfzig weiße Häuser lehnten entlang der frisch geteerten Straße und nur zu Allerheiligen, wie man hier sagte, also sehr selten, fuhr ein Auto vorbei. In der Frühe tuckerten die Traktoren zu den Feldern, zum Mittag kehrten sie wieder heim, um dann bis spät in den Abend ihr Tagwerk zu vollenden. Am Vormittag klopften zwei, drei Vertreter an die Pforten, verhandelten mit den Hausfrauen und brausten nach Erledigung ihrer Geschäfte in ihren blankpolierten Wagen zurück in die Stadt. Ein dumpfes Muhen aus dem Stall, ein verschlafenes Hühnergackern. Ansonsten blieb alles still.

Bis in den nächst gelegenen Ort war es eine Fußstunde, nur wenn man die Abkürzung über die Wiesen kannte, schaffte man es in vierzig Minuten. Aber auch dieses Dorf war nur unwesentlich größer, so dass die Abgeschiedenheit des Weltendes sich bestätigte. In jedem Dorf wurde früher ein anderer Dialekt gesprochen, so einsam waren sie in den grünen Bergen verteilt. Einzelne Familien beherrschten die Gegend bis heute und auf den Friedhöfen ruhten die Gleichnamigen still nebeneinander. Die Einwohner waren seit Urgoßväterzeiten Bauern, jeder besaß ein paar Kühe oder Schweine, ein Stück Wiese und einen Garten. Die wenigen Felder waren klein und schwer zu bearbeiten, weil sie schräg an den Hängen lagen. Es gediehen Mais als Viehfutter, Getreide und Sonnenblumen. Neben den feldsteinernen Ställen standen die geräumigen Bauernhäuser, dahinter die Hühnerställe. In den Zimmern, die früher das Gesinde bewohnt hatte, saßen heutzutage sommers Erholung suchende Städter und winters unruhige Wintersportler.

Die Mittagsruhe war vollkommen. Die Kühe dösten im Stehen, ab und zu mit dem Schwanz nach einer aufdringlichen Fliege schlagend. Eine grau gestreifte Katze schlich durch die Wiese, gefolgt von ihrem schwarzen Katzenkind, dass die Jagd erlernen sollte. Unbeholfen stakste es durch die feuchten Grasspitzen, abgelenkt von einem vorbei gaukelnden Schmetterling…

Weitere Impressionen aus dem Mühlviertel demnächst hier auf diesem blog;-)

Schöne Ferien!

Schrebers Garten: Fliederblütensirup

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Wenn Euch mein Pfingstgruß mit den Fliederblüten erfreut hat, dann überrascht es Euch vielleicht zu sehen, was uns der Flieder auch noch schenkte: Nämlich Blütensirup.

Und damit Ihr auch was davon habt, kommt an dieser Stelle ausnahmsweise keine Geschichte, sondern ein Rezept:

5 Fliederdolden

1 unbehandelte Zitrone

750 g Zucker

10 g Zitronensäure

1 l Wasser

Die Fliederblüten werden geputzt und von den Stielen gezupft, danach wird die in Scheiben geschnittene Zitrone zu den Blüten hinzugegeben. Das Wasser mit dem Zucker solange köcheln lassen, bis sich der Zucker gelöst hat und dabei gelegentlich umrühren. Nach dem Abkühlen die Zitronensäure in die lauwarme Flüssigkeit geben. Alles über die Blüten gießen und umrühren. Nun muss der Sud 5 Tage ruhen, nur einmal am Tag bitte umrühren. Jetzt ist es fast geschafft! Nach dem Abseihen wird der Sirup in saubere Flaschen gefüllt. Fest verschlossen hält sich der Sirup etwa 4 Wochen im Kühlschrank. Etwas länger haltbar wird er, wenn der Sirup vor dem Abfüllen kurz aufgekocht wird, allerdings geht die intensive Farbe verloren. Und der Duft des Flieders bleibt im Sirup auch nicht erhalten, aber dafür ein köstliches Aroma und eine wundervolle Farbe des Frühlings! Viel Spaß!

Schreibwerkstatt: Schrebers Garten – Brunnenbauer

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Schrebers Garten: Brunnenbauer

…Als Rosalie und ihr Mann den Garten gekauft hatten, stellte sich die Frage, woher sie Wasser bekommen könnten. Eine Leitung zu legen war viel zu teuer und jedes Mal Wassertanks aus der Stadt mitzubringen war auch keine Lösung. Sie fragten herum und machten Bekanntschaft mit einem Nachbarn, der einen üppigen, großen Garten besaß und die ganze Gegend mit seiner reichen Ernte belieferte. Dieser Nachbar erbot sich, in Rosalies Garten nach Wasser zu suchen. Ein paar Tage später kam er mit einer Haselnussrute in der Hand und begann, den Garten abzuschreiten. Sein Erscheinen hatte die Nachbarschaft mobilisiert, alle standen herum und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Der Nachbar fühlte sich von der Aufmerksamkeit angestachelt, so dass er sie mit Anekdoten aus seinem Leben unterhielt. Er war alt und etwas schwerhörig, machte oft Pausen bei der Arbeit und trank dazu gern Wodka. Rosalie hatte ihre liebe Not, seinen großen Durst zu stillen. Außerdem hatte er einen Hang zu Zoten und nuschelte: „Na, Madamchen, gehen Se mal lieber weg!“, wenn sich Rosalie allzu neugierig zeigte und auch die Witze hören wollte, die er riss.

Irgendwann wurde er still, zeigte mit der Wünschelrute auf eine Stelle im Boden und sagte: „Hier ist das Wasser.“ Er schlug einen Pflock in die Erde und begann zu graben. Rosalie war verwundert und fragte, woher er das wisse. Der Nachbar lächelte und erzählte ihr, dass er von Beruf Brunnenbauer sei und in jungen Jahren in der Wüste für Standard Oil nach Wasser gebohrt hatte. Allerdings hätten sie dort keine Wünschelruten gehabt, sondern mit einem Faden und einem goldenen Ring das Wasser gesucht. Eine Woche später war der Brunnen fertig und musste noch einen halben Tag lang klargepumpt werden. Der Brunnenbauer garantierte genug Wasser auf Lebenszeit.

Er hatte Recht behalten…

Der vollständige Text wird in einer Sonderedition im nächsten Frühjahr erscheinen. Bis dahin werde ich Euch mit Auszügen aus weiteren Schrebergeschichten unterhalten.

Schrebers Garten: Rhabarber

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Das erste, was der Frühjahrsgarten zur Ernte anbietet, selbstverständlich nach den früh blühenden Blumen und der Forsythie , ist der Rhabarber. Die später riesigen Blätter, die leider giftig sind, aber trotzdem sehr gut als Sonnenschirme herhalten können, entrollen sich in Windeseile schon im April.

Laut Adelung ist die „Pflanze, welche an den Gränzen zwischen China und der Tartarey einheimisch ist, und deren Wurzel in der Arzeneykunde sehr bekannt ist, daher auch diese eigentlich Rhabarber heißt… Der Nahme ist so ausländisch als das Gewächs selbst. Die erste Sylbe ist allem Ansehen nach von Rha, dem alten Nahmen der Wolga.

Der Duden leitet den Namen jedoch vom lateinischen rheum = Wurzel und barbarus = fremd ab.

1772 sei, laut Krünitz, ein Staatsvertrag zwischen China und Russland geschlossen worden sein, der den Tauschhandel Rhabarber gegen Pelze regelte. Der getrocknete Rhabarber wurde in Säcke aus Kamel- oder Pferdehaar gepackt und von einer aus 30 bis 50 Kamelen bestehenden, sogenannten Rhabarberkarawane in etwa 20 bis 30 Tagen an die chinesische Grenze gebracht. Um den Rhabarber zu trocknen, graben die Tartaren die Wurzeln aus und schälen sie, danach hängen sie „sie an Schnüre und um den Hals ihrer Kamele, und lassen sie so während ihren Reisen trocknen, wobey jedoch nothwendig die medicinische Kraft der Wurzel sehr geschwächt werden muß.

Der Rhabarber war schon lange bekannt als mildes Abführmittel oder zur allgemeinen Stärkung, jedoch wird vor „Trockenheit der Gedärme„, vor allen bei „schon sehr alten Personen, wo Rigidität der Fasern prädominiert“ gewarnt, empfohlen wird er dagegen als Arzneimittel „bey Kindern und bey Hypochondristen„.

Genug der alten Fakten! Her mit dem Kuchen!

Denn immerhin ist zumindest der Rhabarber sehr gesund, mit vielen Spurenelementen, Vitaminen und fast gar keinen Kalorien.

Außerdem kann man Saft aus ihm pressen, Kompott herstellen oder Konfitüre.

Wohl bekomm’s!

Schreibwerkstatt: Feiertag

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Feiertag

Morgens früh um fünf sitzt die Blaumeise im Flieder und singt ihr Lied. Laut, lange, lustvoll. Noch keine Sonne zu sehen, nur helles, unentschiedenes Grau. Seliges Weiterschlafen.

Zum Frühstück Sonnenschein und leichter Wind.

Dann gibt es Geschrei: die Butterblumen sollen weg, bevor sie Pusteblumen werden und ihre Samen zum englischen Rasen der Nachbarn wehen. Meinetwegen, dann soll es sein, um des lieben Friedens willen. Aber eine Schande ist es doch. Die Bienen ein paar Grundstücke weiter werden sich wundern, es wird keinen Löwenzahnhonig geben in diesem Jahr. Und wenn wir die gelben Blüten schnell einsammeln und Sirup für die Kinder daraus kochen?

Oder wir können die Blumen leben lassen und feiern für einen Tag als Königinnenkrone auf dem blonden Mädchenschopf. Das ist ein Spaß. Sie sitzen und flechten die Blüten, Mutter und Tochter, wie in allen Zeiten. Die Mutter singt: Dat du min Leevsten büst, dat du wohl weeßt… und das Kind summt die Melodie.

Winter in Brandenburg

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Glück ist,

wenn Winter ist und es schneit.

Die beiden Nachbarskinder erwachen vom Mittagsschlaf und kommen mit roten Wangen endlich in den Garten gelaufen.

Nun sind sie zu dritt, binden ihre Schlitten aneinander und lassen sich vom Vater durch den Schnee ziehen.

Der kleine Schneemann auf der Gartenbank schaut zu. […]