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Schrebers Garten: Holunderzeit / Elder bush’s time

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http://schorfheidewald.files.wordpress.com/2013/09/holunder.jpg

Zeichnung / design: Petra Elsner

The elder bush gives us in springtime blossoms for self-made syrup or juice, leaves for curative teas also fruits in autumn for homemade jelly or soup. In German a familiar spirit was the eponym, that’s why the popularity isn’t a miracle 😉

Holunderzeit ist eigentlich immer, im Frühling die Blüten als Sirup oder Saft verkocht, die Blätter im Tee aufgebrüht und im Herbst die Früchte als Gelee oder Saft für kalte Zeiten eingeweckt. Dass sogar die Rinde Heilkräfte besitzt, habe ich bei einem kleinen Blick hinüber zu meiner Kollegin Petra Elsner bemerkt, die sich diesem wundersamen Baum genähert hat. Vielen Dank für den Text und die wundervolle Zeichnung.

„Die Nebel wallen wieder über die Schorfheidewaldwiesen. Das ist für mich die Zeit der Holundersuppen – die göttliche unter den Herbstsuppen. Wieso? Weil nach vorchristlichem Glauben dem Busche eine Göttin ihren Namen schenkte. „Die hohe Frau“, bekannter wohl als „Frau Holle“ (auch Holla oder Holda). Der Glaube an sie als beschützender Hausgeist muss auch im Brandenburger Lande weit verbreitet gewesen sein, denn wohin das Auge auch schaut: Jeden Waldrand säumen Holunderbüsche, sie fehlen in keinem Bauerngarten oder lehnen sich an alte Scheunen. Das selbst die gebrechlichsten unter ihnen unberührt ins Land schauen, mag daher kommen, dass sich die Menschen noch im 18. Jahrhundert scheuten, solch‘ einen Strauch zu fällen, weil der Frevel mit Krankheit geahndet wurde. Die weise Frau im Busch galt jenen Menschen als lichtweisende Muttergöttin und hatte schließlich ihren Lieblingsstrauch besonders wohlwollend ausstaffiert. Blüte, Beere, Blatt, selbst die Rinde ist mit Heilkraft beseelt. Der Holunder, also die reifen Beeren als heißes Süppchen gekocht ist nicht nur herzhaft lecker, es macht auch die Abwehrkräfte für den Winter mobil.“

© Petra Elsner

 

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1. Verlosung zum Welttag des Buches am 23. April: Blogger schenken Lesefreude

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https://i1.wp.com/bloggerschenkenlesefreude.de/Blogger_Lesefreude_2014_Logo.jpgZum UNESCO-Welttag des Buches muss ich einfach meinen Senf – äh, mein Buch dazugeben! Schon im letzten Jahr hatte ich das große Vergnügen, mit großem Tadaa eine Verlosung zu starten und einige meiner Büchlein an Frau und Mann zu bringen. Hier ist übrigens die aktuelle Teilnehmerliste aller Blogger, die weitere Bücher verlosen. Ich bin die Nummer 239 😉

In diesem Jahr habe ich die besondere Ehre, ein Buch zu verlosen, das mir freundlicherweise Frau Katharina Waltermann vom dumont-Verlag zur Verfügung gestellt hat! Ich finde, es passt hervorragend zu einer besonderen Thematik auf meinem blog, nämlich Schrebers Garten 😉 Viel Glück allen Kandidaten, die sich bitte bis zum 4. Mai 2014 in einem Kommentar unter diesem Beitrag um den Gewinn dieses Buches bewerben können:

Tender | ObstNigel Slater: Tender Obst. Vom Apfel bis zur Weintraube

PS: Und wer sein Glück ein zweites Mal versuchen möchte, springe noch in diesen Lostopf für „Schiffbruch mit Tiger!“ 😉

Schrebers Garten: Apfelernte und Apfelmuffin-Rezept

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PTDC0315Now it’s harvest time, dear readers! And I proudly present one of the best muffin’s recipe of the world!!! But first I explaine some background knowledges.

Brothers Grimm discovered many interesting things about the word „apple“. It exists in German Apfel, in Danish äble, in Lithuanian ahbols, in Polish jablko. But in Spain people say poma and in France pomme. There are many other expressions containing the word apple in German, for instance: pomegranate (in German: Granatapfel), pine cone (Kienapfel), potato (Erdapfel in old German style). Also wie have in German Augapfel: eyeball, Reichsapfel: globus cruciger, Paradiesapfel: quince in biblical context, Adamsapfel: Adam’s apple, Pferdeapfel: horse droppings. We have a mass of adages. Very famous is: „An apple doesn’t fall wide from his trunk“ – „The children are very similiar to their parents“.

For the recipe look below!  Enjoy the muffins 😉

Der Wunsch meiner blog-Leser ist mir Befehl und passend zur Apfelernte gebe ich das weltbeste Apfelmuffin-Rezept (plus Variation: Vanille-Spezial-Muffin) zum besten. Doch vor dem Back-Vergnügen geht es erst einmal an die Arbeit und so mache ich mich auf die Suche nach der Geschichte hinter dem Wort „Apfel“.

Die guten Gebrüder Grimm verweisen darauf, dass der Apfel „ein für die europäische sprachgeschichte bedeutsames wort unserer urzeit [sei], denn es erweist, wie affe, zusammenhang zwischen Kelten, Deutschen, Littauern und Slaven, auszerhalb dessen grenze Griechen, Römer und Romanen liegen.“ Aha. Wer hätte das gedacht. Schon die des Althochdeutschen Mächtigen kannten den aphul oder aphol,die Dänen sagen äble, die Friesen appel, die Briten apple. die Letten ahbols, die Polen jablko. Spanier und Franzosen sagen dagegen poma und pomme. Nicht nur die uns bekannte Frucht an sich trägt diesen Namen, erinnert sei „im allgemeinen auch andere rund und voll hängende frucht (quae pulpam habet), wie die zusammensetzungen eichapfel, gallapfel, fichtapfel, tannapfel, kienapfel, granatapfel, schlafapfel, erdapfel darthun.

Liebende pflegten sich dereinst, Äpfel zu schenken, und schon Aristopheles und Theokrit wagten in der Poesie den Vergleich des Apfels mit der weiblichen Brust, so auch in Goethes „Faust“. Der Augapfel ist einerseits eine medizinische Bezeichnung, andererseits im übertragenen Sinne verwendbar, d.h., etwas ist so wertvoll wie der Augapfel.

Wie zu erwarten gibt es viele Redensarten und Sprüche: „In den sauren Apfel beißen“, heißt es schon bei Luther. „Ein Apfel, der runzelt, fault nicht bald“. „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“, „Der beste Apfel hat oft einen Wurm“. „Ein fauler Apfel steckt hundert an“. „So dicht gedrängt stehen, dass kein Apfel zur Erde niederfallen konnte“.

Von anderen Äpfeln wäre noch viel zu berichten, dennoch schweigen wir: vom güldenen Reichsapfel, vom biblischen Apfel, von der alltäglichen Kartoffel, vom Adamsapfel, vom Rossapfel…

Krünitz beschert für die Künstler unter uns noch die Beschreibung von Apfelgrün: „ist unter den grünen Farben die, welche gerade das Mittel zwischen Nelken-Grün und Seladon hält.“ Und die Farbe der Apfelblüte sei eine „Art der Mittelfarbe von Carmesinroth.“ Damit wäre auch das geklärt 😉

Und nun zu den Bäckern:

 Apfelmuffin-Rezept / Apple muffin’s recipe

Zu vermengen (mixing) sind 310 g Mehl (flower), 170 g Zucker (sugar), 2 Teelöffel Backpulver (baking powder), 1 Päckchen Vanillezucker (vanilla sugar), eine Prise Zimt (cinnamon).

Dann werden 315 ml  Milch (milk), 2 Eier (eggs), 100 g zerlassene Butter (melted butter) miteinander vermischt und mit den trockenen Zutaten zusammengemengt.

Zum Schluss einen klein geschnittenen Apfel ( one small sliced apple) unterrühren. Den Teig nicht zu reichlich in die Muffinförmchen (cake pan) geben und ca. 25 min. bei mittlerer Hitze (180°C) backen.

Für besondere Schleckermäuler 🙂 : Vanille-Muffin-Variation

Man nehme statt des Zimt Vanilleschote und Vanillezucker und presse anstelle der Apfelstückchen pro Muffin zwei Stückchen eines Kinderschokolade-Riegels in die Backmasse…

Wohl bekomm’s!

SiebensachenSonntag No. 7 – Schrebergärtners goldene Hände

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Called by Frau Liebe recommended by nähmarie, I would like follow this idea: In contrast to serious themes I present 7 pictures from 7 things, which I touched with my own hands at sunday. Imitation desired!

Ausgerufen von Frau Liebe, weiter empfohlen von nähmarie, schließe ich mich gern dem Siebensachensonntag an. Zuweilen wird es ab jetzt auch hier 7 Bilder von 7 Sachen zu sehen geben, für die ich sonntags  meine  Hände brauchte. Sozusagen als Pendant zur vielen geistigen Aktivität, die auf meinem blog geboten wird. Nachahmer erwünscht!

Immer wieder sonntags habe ich mich der handwerklichen Verschönerung des Gartens gewidmet:

Always at Sunday I beautified my garden:

Foto0862Zuerst habe ich das Gartentor weiß gestrichen. First I brushed my garden gate.

Foto1554Als nächstes war die Laube dran. Then I painted my summer house.

Foto1547Die Laterne harrt noch der Restaurierung. The lantern is waiting for restoration.

Foto1550Die alten Schulstühle habe ich aufgepeppt. Then I pepped up vintage chairs from school.

Foto1555Meine an einem Frühlingssonntag getöpferte Familie – Oma, Opa und Enkelkind – schmücken im Sommer die Beete. My throwed pottery family – grandpa, grandma and grandchild – now decorating the garden.

Foto1559Der Gartenstecker ist meine neueste keramische Kreation: sieht er nicht aus wie ein komischer Vogel mit Ringelmütze? 😉 What do you say to this funny bird with striped cap? 😉

Foto1159Zu guter Letzt habe ich Kirsch-Ohrringe gehäkelt. Last but not least I handcrafted cherry-like earrings.

Ich wünsche Euch viel Kreativität und gute Sommerlaune!

Schrebers Garten: Rumtopf – Rezept, Herkunft und Santiano

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AlteLiebeHamburgFoto: Alte Liebe Hamburg

Da das Fliederblütensirup-Rezept immer wieder gern aufgerufen wird, bin ich gleich aufmerksam geworden, als ich das schöne Rezept für das Ansetzen eines Rumtopfs bei AlteLiebeHamburg sah. Ich habe mir das freundliche Einverständnis geholt, dass ich das Rezept hier weiter empfehlen darf.

Natürlich ist das bloße Kopieren nicht meine Art, deshalb musste ich mich sogleich kundig machen, was es mit dem Rumtopf auf sich hat und welche Geschichte dahinter steckt. Ich selbst verbinde ehrlich gesagt mit „Rumtopf“ die 1970er Jahre, alles in allem eine ziemlich altmodische Angelegenheit, noch niemals selbst ausprobiert. Immerhin besitze ich Großmutters Steintopf (siehe wie auf dem Foto), den ich allerdings zum Aufbewahren der Kartoffeln nutze.

Krünitz kennt 1820 noch keinen Rumtopf, weiß jedoch zu vermelden, Rum sei „eine Art  Branntwein welchen man in Westindien aus dem Rückstande beim Auskochen des Zuckerrohrs bereitet“.

Grimms bestätigen das und meinen, „das ziemlich junge wort stammt aus engl. rum, woher auch franz. rum, rhum, dän. rum. sein ursprung ist wol wie der der sache in Westindien zu suchen“. Als Verwendungsbeispiel des Wortes Rum nennen sie die letzte Strophe aus Friedrich Gottlieb Klopstocks „Der Denkstein“:

„…wenn er, von jungem rumm
durchdampft, einst umfällt, müsse den schatten ihm
Stortbeckers schatten, in des rothen
Phlegethons wogengezisch, kielholen!

Da neben der giechischen Flussgottheit Phlegethon auch der Seeräuber Klaus Störtebeker bei Klopstock mit im Spiele ist, scheint der Rumtopf eine eher norddeutsche Angelegenheit gewesen zu sein 😉 Schön ist, dass ich das Rezept auch von dort erhalten habe!

Hier ihre Anleitung:

„In einen Rumtopf gehören verschiedene Früchte der Saison: Erdbeeren, Kirschen, Mirabellen, Aprikosen, Pfirsiche und Birnen.

Sie benötigen einen gut gereinigten Steintopf mit einer ca. 3 Liter Fassungsgröße für 1 kg Früchte, 1 Liter Rum (mind. 40%), 1/5 Liter Alkohol (90%) und 1 kg Zucker. Beginnen Sie mit dem Beerenobst. Das Obst putzen, waschen und gut abtropfen lassen. Wenn Sie Kirschen verwenden möchten, brauchen diese nicht entsteint werden. Früchte wie Aprikosen, Pfirsiche oder Birnen werden geschält und in schmale Streifen geschnitten. Dem jeweiligen Obst fügen Sie immer die gleiche Menge Rum und Zucker zu.  Den Rumtopf ab und zu umrühren und an dunkler und kühler Stelle zugedeckt stehen lassen. Genießen Sie ihren Rumtopf 5 Wochen nach der letzten Frucht-Rum-Zucker-Zugabe.

Einen Rumtopf können Sie auch portionsweise in Flaschen abfüllen, mit einem hübschen Etikett versehen und als kleines Mitbringsel oder Geschenk überreichen. Steintöpfe, wie auf dem Foto, gibt es bei uns im Shop von AlteLiebeHamburg zu kaufen.“

Wohl bekomms! Übrigens schmeckt Rumtopf auch als Kompott!

Als Song für Rumtopf-Betreiber empfehle ich das Lied der Flensburger Band  Santiano: Wir brauchen Rum!!!

Handwerker Hannes schrebert (IV)

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Es folgen Auszüge aus meiner vierten Geschichte um Handwerker Hannes, der inzwischen schon einen kleinen Fankreis um sich versammelt hat 😉

Heute schwitzt Hannes in der Sommerhitze und erzählt von seinem neuen Kleingarten, wie immer im erfrischenden Berliner Dialekt. Wer Auszüge aus den ersten drei Teilen der Handwerker-Hannes-Geschichten lesen möchte, klicke hier und hier sowie hier. Wie immer wünsche ich viel Spaß!

„Puh, wat fürne Affenhitze!“ Wieder einmal stand Handwerker Hannes vor meiner Tür. Allerdings musste er diesmal nichts in meiner Wohnung reparieren, sondern in der Wohnung nebenan. Irgendetwas war an der Heizungsanlage defekt. „Ick gloob, heut isset soweit, dass ick zerfließe! Uffn Thermometa hatt ick heut morjen um sieme schon 25 Grad“, stöhnte er und wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. „Tschuldjen Se, dass ick Se so unverhofft uffschrecke, aber ick bräuchte mal den Kellaschlüssel.“

[…] Handwerker Hannes begann zu plaudern: „Ick hab ja seit kurzem nen Schreberjartn. Hab ick dit schon erzählt? Bei die Vielzahl der Kunden weeß ick schon nich mehr, wem ick wat anvatraut habe.“ Abwartend hob er seinen Blick. Ich überlegte kurz, was ich bisher von Hannes wusste. Er hatte eine neue Freundin, sein Sohn lebte bei seiner Ex-Frau, zu der er ein gespanntes Verhältnis hatte. Er mochte den alten Bundeskanzler nicht, kannte sich in der Familie der englischen Königin aus und zu Weihnachten stellte er sich einen Plastikbaum in sein Wohnzimmer. Aber von einem Garten hatte er noch nichts verlauten lassen.

Ich schüttelte den Kopf, Hannes nahm einen großen Schluck Limonade und begann zu berichten: „Dit is ja heute wien Sechsa im Lotto, een anständjen Jarten zu nem annehmbaren Preis zu kriegn. Ick mein, in Hinterposemuckel wär dit allet keen Problem, aba ick wollte inne Stadt bleim. Dit ewije Rausjejuckele wär mir nüscht. Sie müssn bedenken, dass ick ja schon inne Woche ständich uff Achse bin. Da will ick am Wochenende wenichstens meene Ruhe ham. Ick seh schon, Sie vastehn mich.“ Er hustete, weil er sich an der Limonade verschluckt hatte. „Aba Glück muss der Mensch ham, und so kam et, dass ick vonnem alten Mütterchen hörte, die ihrn Jarten uffjebn wollte. Se wollte nich mehr uff de Leiter kraxeln und ooch sonst hatte Probleme mitm Bücken und so. Obwohl, hab ick schon jescherzt, wenn der Järtner nich mehr so jut kiekn kann, lebta ruhiga, weila dit janze Unkraut nich mehr sieht. Is eijentlich praktisch. Aba dit Mütterchen konnte nich drüba lachen. Sie is noch vonne Kriegsgeneration, die vom Ertrach des Jartens leben musste. Und Unkraut war der größte Feind, kam glei nach den vier größten Feinden des Sozialismus. Kennen Se die noch? Ach nee, Sie sind viel zu jung, wie die Zeit vajeht.“ Hannes hatte mein verständnisloses Gesicht gesehen und erklärte deshalb: „Die vier größten Feinde des Sozialismus warn Frühjahr, Sommer, Herbst und Winta. Fand man früha lustich, den Witz. Früha war noch nüscht mit Bio, da hamse durch intensive Landwirtschaft dit Maximale ausm Boden rausholen wolln. Leida spielte nich imma dit Wetta mit, mal war dit Frühjahr zu kalt, mal der Somma zu nass, der Winta zu hart, ach, wat weeß ick. Jedenfalls wurde dit imma lang und breit inne Aktuellen Kamera, dit war die Nachrichtensendung, begründet, warum die Bauern nu wieda nen heroischen Kampf fürt Vaterland zu bestehen hattn. Dabei hattn die alten Bauern, die ooch Ahnung vom Wetta hattn, jar nüscht mehr zu saren. Da kamen dann die Schnösel vom Studium und wollten allet bessa wissen. Is übaall dit gleiche: Neue Besen kehren jut.“

Hannes schien völlig erschöpft von der Erinnerung und ich fragte ihn, was nun mit seinem Schrebergarten sei. Sein Gesicht hellte sich auf und er fuhr fort: „Son Schreberjartn is wien Dorf im Miniformat. […]Und Sprüche jibts ooch alle möglichen dazu, da kann icke sojar noch wat lernen, sarick Ihnen. Von wejen: Hamse nüscht zu tun, wenn de dir mal erlaubst, n Schluckchen Bier zu nehm. Oder: Ick seh sie jarnich mehr hinter all ihrm Unkraut. Oder dit beste: die dümmsten Bauern ernten die größten Kartoffeln. Naja, da is man erstmal satt, wenn man dit hört, aba dit is allet nur halb so böse jemeint. Deshalb redet man sich untaeinanda ooch als „Jartenfreund“ an. Find ick ja n bißken affich, die Versammlungen. Aba ohne dem jinge dit drunta und drüba, denk ick mir. Trotzdem klingtet lustich, wenn olle Ede plötzlich mit „Jartenfreund Hans-Eduard“ anjeredet wird. Der hat sich richtich erschrocken, weil er seinen vollen Namen sonst nur von seiner Frau hört, wennse mit ihm saua is. Dit Jute is außadem, dass wa so ville Mitglieda ham in unsam Verein. Wenn de dich mit eenem nich vastehst, jibts imma noch jenuch andere. Unsre Anlage hat über 400 Järtn, bald ham wa 100. Jeburtstach. Dit wird jefeiat mit allem Chichi, sarick Ihn‘. Wir ham sojar schon ne Kapelle jeordert, mit Tambourmajor und Mädels in kurzen Röckchen wie im Kölner Karneval. Abends wollnse den Nachbarn mitm Schifferklavier überreden, noch mal n paar olle Kamellen zum besten zu jebn. Na, dit wirtn Spaß. Aba da erzähl ick n andamal von. So, icke muss los. War nett, mit Ihn‘ zu plauschen. Schöne Tare anne Ostsee, gluckern Se nich ab, bis denne.“ Er erhob sich, sichtlich erfrischt, grüßte mit der Hand und rannte die Treppe hinunter.

Lesung zum Langen Tag der STADTNatur am 16. Mai 2013 – Urban gardening

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Scannen0039Wer noch nicht meine naturnahen Texte kennt und sie gern hören möchte ist hier richtig: am Sonntag, den 16. Mai 2013, zum Langen Tag der STADTNatur 2013 werde ich zwischen 12 und 16 Uhr im Botanischen Volkspark Blankenfelde (Berlin) zu jeder halben Stunde lesen.

Zu jeder vollen Stunde wird des Zeilenzaubers Lieblingsautorin Julia Meumann aus ihrem jüngst erschienenen Kinderbuch “Das Mädchen mit den langen Zöpfen” lesen.

Es wird ein riesengroßes Fest mit vielen verschiedenen Veranstaltern wie zum Beispiel Grün Berlin, Wir sind draussen (GPS-Touren), den Imkern des Parks, den Bauerngärtner und noch vielen anderen.

Kommt hinaus ins Grüne und genießt den Sommer!

We proudly present the second reading this summer at sunday 16th june 2013. I will read 12.30 pm, 13.30 pm, 14,30 pm and 15.30 pm in the Botanical Garden Blankenfelde / Berlin. We will have a big party around „urban gardening!

Siebensachensonntag No. 5

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Called by Frau Liebe recommended by nähmarie, I would like follow this idea: In contrast to serious themes I present 7 pictures from 7 things, which I touched with my own hands at sunday. Imitation desired!

Ausgerufen von Frau Liebe, weiter empfohlen von nähmarie, schließe ich mich gern dem Siebensachensonntag an. Zuweilen wird es ab jetzt auch hier 7 Bilder von 7 Sachen zu sehen geben, für die ich sonntags  meine  Hände brauchte. Sozusagen als Pendant zur vielen geistigen Aktivität, die auf meinem blog geboten wird. Nachahmer erwünscht!

Nunmehr allerletzte Bilder vom  Schnee, der gestern immer noch nicht geschmolzen war. Man beachte den blauen Frühlingshimmel!! Finally we have springtime with the very last snowbanks.

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Die letzten Ostereier abgenommen. Removing Easter eggs.

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Winterlinge mit Hurra begrüßt! Salute winter aconite with hooray!

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Ebenso die Krokusse. Equally crocuses.

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Die Radieschen belüftet. Garden radishes are ventilated.

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Den Zugvögeln hinterher geschaut. Watching migratory birds.

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Und den renovierten Nistkasten am Pflaumenbaum befestigt. Fixing the renovated birdhouse.

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Willkommen Frühling! Welcome springtime!

 

Siebensachensonntag No. 2

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Ausgerufen von Frau Liebe, weiter empfohlen von nähmarie, schließe ich mich gern dem Siebensachensonntag an.

Zuweilen wird es ab jetzt auch hier 7 Bilder von 7 Sachen zu sehen geben, für die ich sonntags  meine  Hände brauchte. Sozusagen als Pendant zur vielen geistigen Aktivität, die auf meinem blog geboten wird. Nachahmer erwünscht!

Die letzten warmen Sonntags-Sonnenstrahlen genießen und den Garten winterfest machen: rosafarbene (!) Knallerbsen knallen lassen, Rosen und Beeren anhäufeln, die Fensterläden schließen. Und weil auch die Sicherungen für den Strom rausgedreht wurden, lag die Schuppentür im Dunklen. Sie ward  nicht mehr gesehn und deshalb nicht ordnungsgemäß verschlossen. Aber wozu hat man freundliche Nachbarn;-))

Auch der Waschkrug musste mit, Gardinen, Tischdecken und Schnickschnack…

…die köstlichen Novemberäpfel nicht vergessen zu ernten!

Die allerletzte, herrlich duftende Rose zu Hause ans Fenster stellen…

Den Gartenschlüssel bis auf weiteres an das Schlüsselbrett hängen….

…sich am Herbstlicht  freuen….

…und das allerneueste Häkelgarn ausprobieren und somit die Ofensaison einläuten.

Bevor die Nebelschwaden Euer Gemüt erreichen, freut Euch an meinen bunten Bildern. Schöne Woche!

Schreibwerkstatt: Schrebers Kinderfest

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In der Rubrik „Schreibwerkstatt“ gewähre ich Einblick in meine Gedankenwelt und stelle gekürzte Texte vor, die aus meinen Kurzgeschichten oder kleinen Sammlungen stammen.

Schrebers Kinderfest

Der Garten meiner Kindheit befand sich nur ein paar Gehminuten von unserer Wohnung entfernt. Es war ein schmales, langes Stück Land, nicht durch Zäune, sondern durch kleine Wassergräben von den Nachbarn getrennt.

Jeden Sonntagvormittag packten wir in die Kühltasche Butter, Käse, Salami und zwei Flaschen Bier, legten die vorbereiteten Kühlakkus darauf und verabschiedeten uns für einen Tag von der immerlauten Hauptstraße. Gleich hinter dem nächsten Karree endete die Großstadt und entließ den Blick auf einen weiten sommerblauen Himmel, der in einem grünen Saum über den Gärten saß. Überall leuchteten Rosen, gelbe und blaue Pflaumen, Rhabarber, rote, saftige Äpfel, süße, weiche Birnen, köstliche Erdbeeren, rankten Tomaten. Die Pforten standen immer offen und hießen die Nachbarn willkommen.

[…]

Unser Garten war so schmal, dass sich alles hintereinander staffelte, erst eine Wiese mit einem heftig von Bienen und Wespen umschwirrten Birnbaum, der die süßesten Birnen trug, die man sich vorstellen kann und einem Apfelbaum, dessen Früchte erst im Oktober rot, reif und saftigsauer waren. Dahinter das von meiner Mutter wegen der vielen Arbeit verfluchte, schneckenbesetzte Erdbeerfeld und die Rosenbeete mit schwerköpfigen alte Sorten in betörendem Duft .

Dann folgte die Laube, ein ausgedienter, halbierter Eisenbahnwaggon ohne Räder, der auf ein Podest montiert war und nur einen Raum hatte. Unter diesem Podest wohnte zeitweilig eine raschelnde Igelfamilie, die ohne Scheu bei unserem Eintreffen regelmäßig vorbei paradierte. Ein Küchenschränkchen wölbte sich aus dem hinteren Fenster der Laube. Das vordere Fenster, nach oben zu öffnen, diente gleichzeitig als Durchreiche zur Veranda, die ringsherum verglast, das Meisterstück meines Onkels war. Er hatte uns auch den Tisch und die Klappstühle aus Holz besorgt, die er hellblau angestrichen und mit einem roten Kreis auf der Sitzfläche versehen hatte.

Neben der Laube war der Weg, begrenzt von rankenden Rosen. […] Im hinteren Teil des Gartens war ich selten, außer zum Besuch des Plumpsklos, das von Heerscharen grünblau schillernder Fliegen bewohnt war und dessen Inhalt einmal im Jahr mit viel Aufwand ausgepumpt und dem Jauchewagen anvertraut wurde. In der Mitte der Wiese stand ein Pflaumenbaum mit gelben Früchten, an dessen Stamm meine Zinkbadewanne lehnte. Zu den Nachbarn hin verteilten sich mehrere Büsche am Rand; Stachelbeeren, rote und weiße Johannisbeeren. […]

Meist war ich unterwegs, spielte bei den Nachbarskindern oder schnürte mit Milo, meinem Freund, irgendwo in der Kolonie umher. Am schönsten waren die Sommerfeste. Für das Kinderfest am Nachmittag warf sich besonders ein benachbarter Architekt ins Zeug. Er holte aus seinem Atelier Staffeleien für großformatige Bilder, die wir bemalen konnten, während seine Frau von einem Ende des Festplatzes bis zum anderen eine gelbe Wäscheleine spannte, damit die Kunstwerke der Kinder unbeschadet trocknen und von allen bewundert werden konnten. Ein Clown trat auf. Alle, Große und Kleine, übten sich lachend im Sackhüpfen, Tauziehen und Eierlauf. Abends floss viel Alkohol für die Erwachsenen. Ein Nachbar, ein alter Mann, der aussah wie ein Seebär, holte sein Schifferklavier hervor und spielte die halbe Nacht, bis der betrunkene Eisenbahner mit seinem kippelnden Stuhl rückwärts in den Graben fiel.

Und am nächsten Tag schien wieder die Sonne. Wie immer in jenen Tagen…

(Dieser Text ist bisher unveröffentlicht.)