Schlagwort-Archive: Versunkene Schätze

Versunkene Schätze: formidabel!

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In this column „Versunkene Schätze“ I describe hidden words, i.e. „old“ and unusual words.

Mit spitzer Feder kämpfe ich für die Erinnerung an verschwundene Wörter der deutschen Sprache. Deshalb werden in meinem blog unter dem Titel „Versunkene Schätze“ in losen Abständen Wortschätze ans Licht gehoben. Viel Vergnügen beim Entdecken!

Seit das Wort „formidabel“ in einem Kinderbuch auftauchte, das ich las, habe ich mich wieder neu in dieses schöne Wort verliebt.

Der Duden spricht:

frz.: formidable

lat.: formidabilis – grausig, fürchterlich

dt.: außergewöhnlich, beeindruckend

Nachdem Grimms und Adelung mich im Stich ließen, habe ich beim fabelhaften (um nicht zu sagen formidablen) Herrn Krünitz unter der Klassifizierung „Blumen und Zierpflanzen“ folgende Erklärung gefunden: „Formidable: bey den Blumisten, eine Aurikelnsorte mit Feuille morte, auf weißem Grund. Imgleichen eine Sorte Primo=Baguetten.“ Ich weiß nicht, worüber ich zuerst lachen soll, über die „Blumisten“ oder das „Baguette“… Ich weiß, Primo-Baguetten haben mit dem französischen Brot nichts gemein, aber die Zusammenhänge sind einfach grandios! Von wegen trockene, langweilige Germanistik…

Nach welchen formidablen Lieblingswörtern soll ich für Euch demnächst fahnden?

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Such mich / Search for me No. 5

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Mein blog wird gern gelesen, was mich freut. Interessant ist manchmal, wie die Leser auf  mich stoßen, welche Stichworte sie bei der Suche eingeben. Hier einige Kostproben:

Many people like my blog. It’s very interesting for me to see which keywords are relevant to locate me. Here is a little taste:

1. skandinavisches viertel prenzlauer berg: Ab und zu begebe ich mich auf Spurensuche und unternehme Stadt- und Landgänge, diesmal im viel geliebten Stadtteil Berlins, Prenzlauer Berg.

2. milchmanns: ein Lieblingskaffeehaus, nicht nur für Autoren.

3. rote grütze-geschichten: Mein Hermann, den ich mal geschenkt bekam, wohnte in einem Rote-Grütze-Plastikeimer, bevor ich mich seiner liebevoll annahm und in eine Keramikschüssel einziehen ließ.

4. vatikanbrot geschichte: Hermann aka Vatikanbrot… siehr Nr. 3.

5. kompott duden: Du sollst Dein Kompott nicht essen, bevor Du nicht im Duden die Schreibweise nachgeschlagen hast? Jedenfalls merkte ich an, dass man den Rumtopf auch als Kompott genießen kann. Vielen Dank an meine Blog-Kollegin von Alte Liebe Hamburg, die mir freundlicherweise das Foto und das Rezept zur Verfuegung gestellt hat.

6. mit beiden augen, grafik, wolfgang würfel: Der Maler Wolfgang Würfel hat in seinem Schaffen ua. 1000 Feuilletons von Heinz Knobloch mit Vignetten versehen, die Rubrik in der „Wochenpost“ hieß „Mit beiden Augen“.

7. schreibwettbewerb 2015: Nun schon zum zweiten Mal veranstaltete ich im Rahmen meiner Schreibwerkstatt ZeilenZauber einen Schreibwettbewerb, diesmal zu Thema „Frieden“, es nahmen etwa 100 Kinder teil!

8. tausendsassa duden: In meiner Rubrik „Versunkene Schätze“ spüre ich vergessenen Wörtern nach, hier also „Tausendsassa“.

9. claudius von stolzmann new york: Da hat wohl jemand meine BERLINALE-Rezension des Films „Kopfueber – Upside down“ gefunden!

10. osterhase kiepe zeichnen: Beim Zeichnen konnte ich sicher nicht behilflich sein, aber über den Ursprung der Kiepe aufklären.

Ich wünsche, wohl gelacht zu haben.

Versunkene Schätze / Hidden treasures: Flitzpiepe

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In this column „Versunkene Schätze“ I describe hidden words, i.e. „old“ and unusual words.

The word ’nitwit‘ is neither an old nor an unusual but a funny word. It was used by our grandparents. Its meaning varies between the abuse of strange persons and parent’s disproval that fortune favors fools (one got  a good grade at school for doing nothing). There is no entry about the meaning of the german word „Flitzpiepe“ in any lexicon including Grimm. But let me try my own definition: It is a blatherskite having crazes which is to weak or stupid completing his ideas but incite another person. In case of a failure, the „Fltzpiepe“ is the first person which is absent but left the other person into trouble or better Schlamassel .

Mit spitzer Feder kämpfe ich für die Erinnerung an verschwundene Wörter der deutschen Sprache. Deshalb werden in meinem blog unter dem Titel „Versunkene Schätze“ in losen Abständen Wortschätze ans Licht gehoben. Viel Vergnügen beim Entdecken!

Gut, ein versunkener Schatz ist „Flitzpiepe“ vielleicht nicht gerade, aber als ich das Wort eben las, musste ich so laut lachen, dass ich sofort nachschauen musste, was es damit auf sich hat. Die Leute, die jetzt im Großeltern-Alter sind, hatten die Flitzpiepe noch im aktiven Wortschatz. Ich erinnere mich jedenfalls, dass ich es als Kind häufig gehört habe. Es klingt sehr lustig, changierte in seiner Bedeutung jedoch zwischen übler Beschimpfung fremder Personen und anerkennend-belustigter Missbilligung durch beispielsweise die Eltern, wenn das Kind „mehr Glück als Verstand“ hatte und gerade so eine gute Zensur in einem Unterrichtsfach erlangt hatte, ohne dafür genügend gelernt zu haben.

Zur Herkunft befragt, sind Grimms leider ratlos und auch das allgewaltige Internet hat außer ein paar wackeligen Synonymen nichts zu bieten. Nur ein Befund hat ergeben, dass es sich um einen Ausdruck im Berliner Dialekt handeln solle, woraufhin ein Spaßvogel antwortete, es gäbe auch sächsische Flitzpiepen 😉 Hier ist also noch Aufklärungsbedarf. Was sagt die österreichische Leserschaft zu den Flitzpiepen? Oder die Urberliner?

Das Etymologische Wörterbuch kennt nur „flitzen“ und „piepen“, keine „Flitzpiepen“.

Flitzen bezeichnet seit dem 19. Jahrhundert eine pfeilschnelle Bewegung, da das altfranzösisch „fleche“ für Pfeil zugrunde liegen soll. Daher hatte „flitzen“ im 16. Jahrhundert noch die Bedeutung von „fliegen“, konserviert in dem Wort „Flitzebogen“, dem alten Kinderspiel, in dem die Kinder mit Pfeil und Bogen üben. Heute sind die Flitzer auf der Straße oder im Stadion zu beobachten: entweder als kleine, schnelle Autos oder als nackte Personen, die während der Fernsehübertragung durchs Bild huschen…

Lautmalerischer Herkunft ist das „Piepen“ als heller, preifender Ton, den Vögel und kleinere Tiere von sich geben. Mit piepsiger Stimme zu sprechen zeugt von Schwachheit oder Kranksein. Umgangssprachlich hat man einen Vogel oder einen Piep, wenn man „fixe Ideen im Kopf hat, überspannt oder verrückt“ ist. Zur „Piepe“ wäre noch einiges zu sagen im Hinblick auf die niederdeutsche Piepe zum Rauchen und zu den umgangssprachlich so genannten Piepen (= Geld), die man selten in genügender Menge zur Verfügung hat. Aber ich wende mich ab und versuche eine allseits erhellende Definition:

Flitzpiepe: ein Großmaul mit fixen Ideen, der selbst zu schwach oder zu dumm ist, sie auszuführen, jedoch Andere dazu anstachelt. Wenn die Sache schief geht, ist die Flitzpiepe die erste, die sich schnell weg duckt,  davon huscht und den Anderen im Schlamassel sitzen lässt.

Im Englischen wird übrigens „nitwit“ als Übersetzung angeboten.

Such mich / Search for me No. 2: Vatikanbrot, Schreibwerkstatt, Fukushima, Tausendsassa

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Mein blog wird gern gelesen, was mich freut. Interessant ist manchmal, wie die Leser auf  mich stoßen, welche Stichworte sie bei der Suche eingeben. Hier einige Kostproben:

Many people like my blog. It’s very interesting for me to see which keywords are relevant to locate me. Here is a little taste:

1. „wieviel geld verdient kranarbeiter“ – das weiß ich leider auch nicht, vielleicht sollte ich mal Handwerker Hannes fragen?

2. „schreibwerkstatt die schilderung posten 1“ – äh, geht es um einen Schreibkurs oder um Grenzposten?? Ich bin etwas ratlos. Ich hätte meinen Schreibkurs „Zeilenzauber“ anzubieten 😉

3. „dutzendsassa bedeutung“ – ich habe mehr zu bieten als ein Dutzend, denn hier habe ich Herkunft und Gebrauch von Tausendsassa beleuchtet

4. „worte für eine gedenkminute“ – das hört sich ja sehr staatstragend an, vielleicht eine Marktlücke, in die ich springen sollte? Obwohl ja meine „Gedenkminuten“ schon sehr außergewöhnlich sind…

5. „bleistiftabsätze in der schule“ – das fragen Sie bitte lieber Ihren Orthopäden! Aber ich weiß, wohin bei mir diese Frage führt: zu Marie!

6. „was passiert wenn ich mit metalllöffel das vatikanbrot umrühre“ Ich möchte Ihnen zurufen: Wagen Sie das Experiment! Seien Sie mutig und sehen Sie dem Ergebnis würdevoll entgegen! (Über das Rührergebnis würde ich gern informiert werden, vielleicht ergibt es eine neue Hermann/Vatikanbrot-Geschichte)

7. „texte gedenkminute 2 zeiler“ – siehe No. 4

8. „fukushima japanischen buchstaben“ – was mir alles zugetraut wird… Vielen Dank! Aber Japanisch kann ich leider noch nicht, nur Französisch, Englisch, Literaturdeutsch und Berlinerisch 😉 Aber hier gibts Auszüge aus meinen Text zu Fukushima.

9. „handwerker schreibwerkstatt“ – Ob dem Leser mein Handwerker Hannes gefallen hat?

10. „blumenkränzchen flechten“ – kann ich auch, hier das Resultat!

Ich wünsche, wohl gelacht zu haben 😉

Versunkene Schätze / Hidden treasures: Kiepe – Happy Easter!

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Mit spitzer Feder kämpfe ich für die Erinnerung an verschwundene Wörter der deutschen Sprache. Deshalb werden in meinem blog unter dem Titel „Versunkene Schätze“ in losen Abständen Wortschätze ans Licht gehoben. Viel Vergnügen beim Entdecken!

In this column „Versunkene Schätze“ I describe hidden words, i.e. „old“ and unusual words.

Today I present the nice word „Kiepe“, that’s in English „pannier“ or a wicker basket. Our german word „Kiepe“ is 600 years old, according to the Brohthers Grimm! It’s witespread in Europe: in Rhineland-Palatinate (Köpe, Köze), in Saxonia (Kibe), in Bremen (Kiepsack), in Norway (kipa) and in English (kipe). The meaning is far-reaching: from a basket, wearing on the back, to a plain, peasant hat or a fish trap!

In Easter time the „Kiepe“ is very popular, particularly for kids, because the Easter bunny wears the colored eggs in his / her Kiepe 😉

Happy Easter everyone!

Das Wort Kiepe sprang mir irgendwann aus einem Kinderbuch mit vielen Bildern entgegen. Eine gewaltige Kiepe saß auf den breiten Schultern des Hasenvaters, während die Hasenmama ein zierliches Körbchen trug. Kiepe und Körbchen waren gefüllt mit bunt bemalten Eiern. Mehrere voran marschierende Hasenkinder schwenkten vergnügt im Takt die großen, tropfenden Farbpinsel.

Osterhasenzeit. So weit, so idyllisch.

Nun beschäftige ich mich in dieser Rubrik weniger mit kuscheligen Tieren sowie deren für die Menschheit arbeitende Brut, sondern mit aus dem allgemeinen Wortschatz verschwindenden Wörtern, den versunkenen Schätzen.

Heute also passenderweise: die Kiepe.

Das Pfälzische Wörterbuch hat die Kiepe oder Küpe parat als „Rückenkorb mit Tragbändern, die über die Schultern gehen“. Dem können wir getrost zustimmen. Allerdings wird dann auf die Köze verwiesen, einen aus Weiden oder Holzspänen geflochtenen Rückenkorb, der den Bauern zum Transport von Mist, Futter, Holz usw. diente. Seit etwa 80 Jahren sei das Wort schon nicht mehr gängig, außer bei Bäckern (für den vorgeformten Brotteig), Metzgern oder Hausierern. Weitere Bedeutungen im übertragenen Sinne hat die Köze für, wen wundert’s, Rücken und Buckel sowie Bauch, Leib und Magen. Letzteres im Zusammenhang mit Völlerei und Sauferei.

Ein Sprichwort besagt: „Das is mer liewer wie e Köze voll Dischdelfinke:  Ein unscheinbarer, aber sicherer Besitz ist mir lieber als ein großartiger, aber unsicherer Erwerb“. Verben sind auch verbreitet, nämlich „kozen, közen, kozeln, korzen…“, sie bedeuten, jemanden (ein Kind oder eine Last) auf dem Rücken zu trage, sich abschleppen, umfallen.

Auf jeden Fall ist die Kiepe ein altes, norddeutsches und mitteldeutsches  Wort. Die Gebrüder Grimm schätzen es auf 600 Jahre. Kiepe bezeichnet einen Korb, eine Tasche, einen Sack, ein Maß oder einen – Hut. Manchmal sei es ein Rückenkorb, mal ein Handkorb, „gewöhnlich aber grob geflochten“. Und: „in Altpreuszen z. b. ist kiepe, küpe ein länglich runder handkorb ohne deckel, worin man den pferden das futter reicht… in Lübeck gilt die kiepe wie ein masz, eine kiepe schollen enthält 600 stück.“ In Thüringen, Schlesien, in der Lausitz und in Posen, so wird berichtet, wird ein „tiefer frauenhut in einfachster form aus stroh oder bast“ gern von den Bäuerinnen getragen, allerdings war solch ein Hut kurz auch städtische Mode. Das möchte man sich doch lieber nicht vorstellen 🙂 Bekannt war der bremische Kiepsack als Kleidertasche.  Schon damals schienen interkulturelle Erklärungen die folgende Beschreibung beflügelt zu haben: „sie (die Indianer) tragen ire kinder auf dem ruck in keipen von baumwolngarn gmacht“.

Überhaupt ist es ein weit verbreitetes Wort, im Norwegischen gibt es die kipa für Korb, im Englischen die kipe für Fischreuse, Weidennetz.

Im Sächsischen kannte man sowohl die Kipe als auch die Kibe als alten „karren mit einem aus bretern zusammengenagelten kasten, hundekarren“, auch von Bergleuten genutzt. Die Winzer an der Elbe nutzten eine Kiepe als Fass oder Schöpfeimer, die Färber als Farbenfass. Wobei wir endlich wieder bei den Hasenkindern und ihren Farbpinseln angelangt wären…

Frohe Ostern allerseits!

Versunkene Schätze / Hidden treasures: Schlamassel

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In this column „Versunkene Schätze“ I describe hidden words, i.e. „old“ and unusual words.

Mit spitzer Feder kämpfe ich für die Erinnerung an verschwundene Wörter der deutschen Sprache. Deshalb werden in meinem blog unter dem Titel „Versunkene Schätze“ in losen Abständen Wortschätze ans Licht gehoben. Viel Vergnügen beim Entdecken!

„Ewig nicht gehört“, lachte vorige Woche eine Freundin, als ich von Schlamassel sprach. Also wieder ein Fall für Versunkene Schätze, die Rubrik, die vergessene Wörter aus dem weiten Wörterozean zu heben versucht. In der Hoffnung, dass diese Schätze wieder Verwendung finden;-)

Die Grimmschen Brüder schrieben Schlamassel auch mit Doppel-M und definierten das Wort folgendermaßen:  „böser, verdrieszlicher handel, zustand, miszgeschick, verwirrung“. Sie wiesen auf die irrige Annahme hin, dass „Schlammige Masse“  der Ursprung des Wortes sei, vielmehr entstamme es „…der jüdischen gaunersprache, sein zweiter theil entspricht dem jüd. , glücksstern, das als masel, massel in der gaunersprache gebräuchlich ist…“ Der erste Teil des Wortes erinnere „an das verneinende „schello massal, unglück […] oder an das deutsche schlimm.“ Grimms bezweifeln das jedoch.

Synonym kann Schlamassel zum Beispiel verwendet werden für „Bredouille, Dilemma, Kalamität“. Lauter herrliche Schwierigkeiten also. (Dank an Wiktionary)

Manch einer mag Schlamaster kennen, das sumpfigen, vom Regen aufgeweichten Boden meint. Es gibt sogar Schlamastik, nein, das ist keine bösartige Krankheit, sondern nur regional beschimpfter Schlamassel…

Von Schlamassel gleichfalls abgleitet ist das schlammassen im Sinne von Gelegenheitsdiebstähle, ebenso das  schlamessen machen, welches in Wien als „Komplimente machen“ verstanden wurde. Der Sinnzusammenhang zwischen Komplimenten und Diebstählen erschließt sich mir nicht sofort (evtl. fishing for compliments, wobei die Komplimente mittels Gewalt „entlockt“ werden…), daher ist frohe Kommentierung hoch erwünscht;-)

Bewegen wir uns lieber weg von den Niederungen menschlichen Zusammenlebens und schauen nach der Herkunft des Schlamassels. Das jiddische „massel“ (mazzạl) bedeutet also hebräisch „Stern“ oder “ Schicksal“, bestätigt auch der Duden. Hierzu fiel mir ein, dass man im Deutschen vielleicht die Redewendung „unter einem guten Stern stehen“ gleichsetzen könnte.

Dem Schlamassel gegenüber steht der Dusel, noch so ein wundervolles Wort, wie ich finde! Der bezeichnet laut Duden „unverdientes Glück, Benommenheit, Schwindelgefühl oder einen leichten Rausch“. Und rauschhaftes  Glück und wenig Schlamassel wünsche ich meinen Lesern für die Adventszeit!

Versunkene Schätze / Hidden treasures: Tausendsassa

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In this column „Versunkene Schätze“ I describe hidden words, i.e. „old“ and unusual words.

Mit spitzer Feder kämpfe ich für die Erinnerung an verschwundene Wörter der deutschen Sprache. Deshalb werden in meinem blog unter dem Titel „Versunkene Schätze“ in losen Abständen Wortschätze ans Licht gehoben. Viel Vergnügen beim Entdecken!

Ein schönes Wort ist heute in meinem Hirn aufgetaucht, dessen Ursprung und Bedeutung ich gleich aus den Tiefen des sprachlichen Ozeans heben musste (um im Bilde zu bleiben;-) Der allseits bekannte Duden schreibt dem Tausendsassa (auch Tausendsasa) synonyme Bedeutungen zu: Teufelskerl, Draufgänger, Himmelhund, Satanskerl. Im Norddeutschen kennt man eher den Dollbrägen, im Süddeutschen den Malefizkerl.

Der Tausendsassa ist ein Draufgänger, toller Hecht oder Hansdampf in allen Gassen.
Zum Ursprung schreibt Adelung, dass Tausendsassa, von „Sa!“ abgeleitet und verdoppelt zu Sassa oder Sasa, „ein zur Hurtigkeit, zur Freude aufmunterndes Empfindungswort“ sei, dem Französischen „ca!“ ähnelnd. „Heysa!“ oder „Hopsa!“ sei ein Ausdruck der schnellen Bewegung.

Grimms weisen darauf hin, dass diese Interjektion (lat. = Einwurf) ein „Ausruf der Aufmunterung, des Antreibens, ursprünglich Lockruf, Hetzruf für Hunde“ schon im Mittelhochdeutschen gewesen sei. Übrigens kennt jeder solche Interjektionen, die  es vor allem im Mündlichen gibt: aha, igitt, wow, pst, miezmiez, rums, hatschi, äh, tja, ächz, seufz, cool und viele andere.

Warum es keinen Hundert- oder Millionensassa gibt, liegt vielleicht daran, dass „Tausend“ (bedeutet Vielhundert) damals eine „sehr grosze oder unzählige Menge“ bezeichnete und schon unvorstellbar viele Dinge zählte.

Reicht ja auch;-)

Versunkene Schätze / Hidden treasures: Hagestolz

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In this column „Versunkene Schätze“ I describe hidden words, i.e. „old“ and unusual words.

Mit spitzer Feder kämpfe ich für die Erinnerung an verschwundene Wörter der deutschen Sprache. Deshalb werden in meinem blog unter dem Titel „Versunkene Schätze“ in losen Abständen Wortschätze ans Licht gehoben. Viel Vergnügen beim Entdecken!

In einer internetausfallbedingten (sic!) Pause habe ich eine kleine Umfrage gestartet und festgestellt, dass bei den meisten Mitmenschen die Nennung des wunderschönen, alten Wortes  Hagestolz doch eher zu Schulterzucken oder stotternden Erklärungsversuchen führte. Aber: Es naht Hilfe! Auch dieser versunkene Schatz wird hier gehoben – und der Gedanke an Wasser und Abkühlung soll Dich, lieber Leser, durch Hitze und Unwetter dieser Tage begleiten.

Schon seit dem Mittelalter ist laut Grimm der Begriff Hagestolz bekannt.  Der Ursprung des Wortes wird im Altgriechischen und Gotischen verortet und bezeichnet eine juristische Konstellation. Allerdings verwischte die eigentliche Bedeutung des Wortes im Laufe der Zeit und so wurde fälschlicherweise unter einem Hagestolz ein Mensch beschrieben, der auf seinen Hag stolz ist.

Nun zur tatsächlichen Bedeutung: Im altdeutschen Erbrecht erbte der Erstgeborene nach dem Tod des Vaters den Hof mit allen Rechten. Er musste aber den Nachgeborenen ein Hag (hier: ein Nebengut) zur Verfügung stellen und war deren Vormund. Die jüngeren waren also vom ältesten Bruder abhängig und waren ihm zur Heerfolge verpflichtet. Aus Westfalen wird berichtet, dass die jüngeren Brüder sogar nur Unterhalt bekommende Dienstboten des ältesten Bruders waren und einen dermaßen kleinen, mit einer Hecke umzäunten Gutsteil (= „Hagestolle“) erhielten, der es unmöglich machte, dass sie einen eigenen Hausstand gründeten.

Diese rechtlichen Zusammenhänge erklären auch, warum in Teilen Schwabens „die hurensöhne hagestölze hieszen“, weil die fehlende eheliche Geburt die Gründung eines eigenen Hausstandes verhinderte.

Später  bezeichnete  Hagestolz jemanden, der noch unverheiratet war, gleich welchen Geschlechts. Das heißt auch, dass diese Person kein voll berechtigtes Gemeindemitglied war. Man sagte auch in adjektivischer Benutzung: „ain hagstolz kneht oder jungfrowe“. Weiterhin werden ältere Junggesellen so benannt, „der über die gewöhnliche zeit hinaus das eingehen einer ehe verzögert hat“. Im rechtlichen Sinne betraf dies in der Gegend um Celle einen Mann im Alter von 50 Jahren, drei Monaten und drei Tagen. Im Odenwald zählten die Burschen ab 25 Jahren, die nicht heiraten wollen, zu den Hagestolzen.

Und das ist die Bedeutung, die uns heute vielleicht nicht mehr so geläufig ist, die wir aber nachlesen können bei Lessing oder Goethe. E.T.A. Hoffmann beschreibt ihn laut Grimm folgendermaßen: „ein alter hagestolz, alle gebrechen seines standes in sich tragend, geizig, eitel, den jüngling spielend, verliebt, geckenhaft…“

Und? Jemanden in der Beschreibung wiedererkannt?

Versunkene Schätze / Hidden treasures: Rouleau

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Mit spitzer Feder kämpfe ich für die Erinnerung an verschwundene Wörter der deutschen Sprache. Deshalb werden in meinem blog unter dem Titel „Versunkene Schätze“ in losen Abständen Wortschätze ans Licht gehoben. Viel Vergnügen beim Entdecken!

Das Rouleau stammt aus dem Französischen (von rouler = rollen)und meint einerseits die früher sehr beliebten Lockenwickler, andererseits das Nudelholz (Backrolle), aber auch das an manchen Fenstern angebrachte Rollo.

Ein anderes Wort bezeichnet das gleiche Ding, nämlich die Jalousie.

Dass „Jalousie“ etwas mit Eifersucht zu tun haben könnte, kommt wahrscheinlich nicht jedem in den Sinn, der morgens selbige öffnet. Doch tatsächlich hat Jalousie eben diese Bedeutung in der Funktion, Personen, Gegenstände oder Geschehnisse zu verbergen und vor eifersüchtigen Blicken zu schützen.

Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm findet sich der deutsche Begriff Stabzugladen, ein „Brettchenvorhang, aus dünnen Kiefernbrettchen an Quergurten“.

Die eher einfache und wahrscheinlich ältere Variante sind die von außen angebrachten Fensterläden ohne oder mit Lamellen, die zwar das Tageslicht hereinlassen, aber keinen Blick ins Innere gestatten.

Eine Schwester der Jalousie ist der Paravent, auch Spanische Wand genannt, ein leichtes, faltbares Gestell, das seit Jahrhunderten neben der Zugluft auch fremde Blicke (zum Beispiel beim Umkleiden) fernhält.

Privatheit war von jeher ein kostbares Gut, das meist nur Privilegierten vorbehalten war. Dass wir Heutigen oft nicht einmal Gardinen vor den Fenstern haben, obwohl wir sie uns leisten könnten, und damit Einblicke in unser Privatleben gestatten, wäre früher unvorstellbar gewesen. Ganz zu schweigen von unserer virtuellen Offenheit im Internet…

Lasst uns also unser Privatleben genießen, schließt die Fensterläden, Jalousien und Gardinen und feiert die Intimität des Augenblicks!

Versunkene Schätze / Hidden treasures: SAPPERLOT!

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Mit spitzer Feder kämpfe ich für die Erinnerung an verschwundene Wörter der deutschen Sprache. Deshalb werden in meinem blog unter dem Titel „Versunkene Schätze“ in losen Abständen Wortschätze ans Licht gehoben. Viel Vergnügen beim Entdecken!

Der Ursprung des Ausrufes SAPPERLOT! ist laut Duden im Französischen zu finden.

Sacre nom! (de Dieu)“ fluchte der erschrockene Franzose und rief den Heiligen Namen Gottes aus. Mit ein wenig Phantasie und vernuschelt ausgesprochen, kann man bei Unkenntnis des Französischen durchaus das SAPPERLOT! unserer Vorfahren heraushören, die damit ihr Erstaunen ausdrückten oder jemanden verwünschten.

Das synonym gebrauchte „Donnerwetter!“ hören wir auch heute manchmal, vielleicht begleitet mit einem bewundernden Pfiff und hochgezogenen Augenbrauen, wenn ein schönes Mädchen an den Fliesenlegern am S-Bahnhof vorübergeht. Oder wenn eine Großmutter lautstark mit dem Enkelkind schimpft: „Zum Donnerwetter nochmal!“

Folgende nützliche Hinweise fand ich im Grimmschen Wörterbuch: Gegen Donnerwetter, so spricht der Volksglaube, hilft zur Sonnenwende in die Fensterecke gestecktes Johanniskraut. Und in Tirol glaubte man daran, dass bei Donnerwetter gefundenes Geld vom Himmel gefallen sei und deshalb aufgehängt werden muss. Zum Trost bei schlechtem Wetter: Viel Donnerwetter soll ein fruchtbares Jahr bringen. Sapperlot, wer hätte das gedacht!