Gesehen auf der Berlinale 2014: Ikarus (1975)

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Foto3665Foto: Berlinale-Spielort – Haus der Kulturen der Welt

The film festival Berlinale 2014 is over but I want to present a very special film which was shown in a special movie screening for kids.

The name of the movie is Ikarus. It was filmed in 1975 in the East-part of Berlin. Amazingly, this movie was rather suitable for adults then kids. It has many levels. At first the story of the main character, a 11-year-old boy, who must be adapted on a new situation. The parents are divorced but having new mates, the father promised to fly with him over Berlin at his birthday but forgot it etc. But at the same time, the movie broached  implicitely the issue of all kind of problems in the GDR. Children had no dreams or all dreams were broken by the system. Or every lapse of a kid was decried in front of the whole class at school etc.

Usually this kind of movie was forbidden by the censorship in the GDR. But the film crew made a trick. At first the movie was declared to be a movie for kids. And secondly a very strong scene was included for the removement by the censorship whereas all other critical scenes were overlooked by the censor then.

Interestingly, Ikarus was shown at the Berlinale in 1982 again in the childreens part.

Schon ist die Berlinale 2014 Geschichte, dennoch möchte ich einen besonderen Film vorstellen, der im Rahmen einer Sondervorführung für Kinder (Generation) gezeigt wurde.

Der Film heißt Ikarus, stammt aus dem Jahre 1975 und wurde in Ost-Berlin gedreht. Wer also Lust hat, die Schönhauser Allee, den Alex, die Heinrich-Roller-Straße oder die Oderbruchkippe im Zustand von vor 40 Jahren zu besichtigen, ist hier unbedingt richtig. Wer jedoch einen Kinderfilm erwartet hat, wurde überrascht von einem tiefgründigen, sehr mutigen Film voller Subtexte, der eher ein erwachsenes Publikum ansprach, wie eine spontan durchgeführte Umfrage zeigte (statistisch signifikant: acht Befragte, Kinder und Erwachsene, west- und ostsozialisiert 😉 ). Spaß beiseite.

Der damals elfjährige Hauptdarsteller machte durch sein Spiel den damals herrschenden, allgemein ausgeübten Druck in der DDR erfahrbar: das Eingesperrtsein wegen fehlender Reisemöglichkeiten, das Zugrundegehen von Kinderträumen, die spießigen 1970er in der Diktatur, das Anprangern kleinster Verfehlungen vor der versammelten Klasse. An der Erzähl-Oberfläche werden auch heute noch aktuelle Probleme angesprochen: die Trennung der Eltern, ein Neuanfang in einer anderen Umgebung, wie geht ein Kind mit Versprechungen und Lügen um… Dieser aus der kindlichen Perspektive erzählte Film wäre fast der DDR-Zensur zum Opfer gefallen, wenn nicht die listige Vorgehensweise der Filmcrew gewesen wäre, die einen Trick zu Hilfe nahm. Berichtet hat davon die Dramaturgin Inge Heym, die nach der Filmvorführung als Interviewpartnerin zur Verfügung stand. Ihrer Kompetenz und Erzählfreude ist es zu verdanken, dass Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden konnten und die Besonderheiten im Umgang mit der Zensur erklärt wurden. Beispielsweise war den Filmemachern klar, dass ihr Werk einen besonderen „Aufreger“ haben müsste, der die Zensoren vom restlichen Inhalt ablenken und somit den Film vor dem allgemeinen Verbot schützen würde. Dieser „Aufreger“ (neudeutsch: „NoGo“) musste auf Anordnung verändert werden, damit der Film die notwendige Aufführungsgenehmigung erhalten konnte. Gleichzeitig wurde er wegen seiner vorgeblichen Harmlosigkeit als Kinderfilm eingestuft. Allerdings wunderten sich später die Verantwortlichen, dass die Nachmittagsvostellungen, in denen „Ikarus“ gezeigt wurde, von Erwachsenen überrannt wurden. Nur etwa vier Kopien des Films wurden angefertigt und konnten in den Kinos der DDR gezeigt werden.

Schade, dass kein Wort über Bettina Wegener fiel, die Lieder zum Film beigesteuert hatte.

Regie: Heiner Carow

Drehbuch: Klaus Schlesinger

Lieder: Bettina Wegener

Dramaturgie: Inge Heym

Darsteller: Rolf Hoppe in einer Nebenrolle u.v.m.

ps: Übrigens lief der Film schon einmal während der Berlinale (West-Berlin), nämlich 1982, als Kinderfilm-Beitrag der DDR…

pps: Die restaurierte Fassung des Films ist seit kurzem als DVD erhältlich.

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    • Pfff. Schwere Frage. Kinder um 10 Jahre kapieren ihn definitiv nicht. Denen ist der zu langweilig (sie merken eben gleich, dass es kein Kinderfilm ist!). Und Erwachsene müssen reichlich ost-sensibilisiert sein, um den Subtext erfassen zu können… Ist Dir mit dieser Antwort gedient?
      Für Dich wäre er was, schon aus dem speziellen Grund, den ich Dir mal sagte (wiederhole ich gern unter 4 Augen 😉 )

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